Die deutsche Nationalelf ist für ihre Turnierstärke bekannt. Doch historisch ist das zweite Gruppenspiel oft ein Problem.
Duell gegen ElfenbeinküsteSchlägt der Fluch des zweiten Spiels wieder zu?

Lukas Podolski verschoss bei der WM 2010 im zweiten Gruppenspiel einen Elfmeter.
Copyright: imago images/Horstmüller
Die Erfolgsbilanz der deutschen Mannschaft bei Weltmeisterschaften ist beachtlich. Acht Finalteilnahmen stehen zu Buche, von denen die Hälfte mit dem Titelgewinn endete. In den anderen vier Endspielen musste sich das Team geschlagen geben.
Allerdings hat sich gerade das zweite Vorrundenspiel historisch häufig als Hürde für die DFB-Auswahl erwiesen. Ist dies ein negatives Vorzeichen nach dem souveränen 7:1-Auftaktsieg des Nagelsmann-Teams gegen Curacao? Am Samstag um 22.00 Uhr (live bei MagentaTV und im ZDF) steht für Deutschland die Begegnung mit der Elfenbeinküste an. Ein Rückblick auf die „Problemspiele“ der Vergangenheit.
Heftige Packung vor dem Wunder von Bern
WM 1954: Deutschland - Ungarn 3:8
Bereits 1954 folgte auf ein klares 4:1 gegen die Türkei eine herbe 3:8-Pleite gegen Ungarn im zweiten Spiel. Erst durch ein 7:2 im Entscheidungsspiel gegen die türkische Auswahl sicherte sich die DFB-Elf den Einzug ins Viertelfinale. Nach Siegen über Jugoslawien (2:0) und Österreich (6:1) kam es im Endspiel zur legendären 3:2-Revanche gegen Ungarn in Bern, durch die Deutschland zum ersten Mal den Weltmeistertitel errang.
WM 1958: Deutschland - Tschechoslowakei 2:2
Als amtierender Weltmeister startete die DFB-Elf 1958 mit einem 3:1 über Argentinien ins Turnier. Im darauffolgenden Spiel gelang es der deutschen Auswahl jedoch nur mit Mühe, einen 0:2-Rückstand in ein 2:2-Unentschieden zu verwandeln. Der Kölner Spieler Hans Schäfer erzielte den Anschlusstreffer, bevor Helmut Rahn den Ausgleich markierte und so die Niederlage abwendete. Nach einem weiteren 2:2 gegen Nordirland zog Deutschland als Gruppenerster ins Viertelfinale ein und wurde am Ende Dritter.
WM 1966: Deutschland - Argentinien 0:0
Nach einem überzeugenden 5:0-Sieg gegen die Schweiz schien 1966 alles nach Plan zu laufen. Gegen Argentinien tat sich das Team von Helmut Schön jedoch schwer und erreichte nur ein torloses Remis. Ein 2:1-Erfolg gegen Spanien sicherte zwar den Gruppensieg, doch im denkwürdigen Wembley-Finale unterlag Deutschland England mit 2:4 nach Verlängerung. Die Diskussionen um das umstrittene Wembley-Tor zum 3:2 durch Geoff Hurst dauern bis heute an.
WM 1994: Deutschland - Spanien 1:1
Nachdem der Fluch eine Weile zu ruhen schon, ging es in den Neunzigern wieder los. Auf ein 1:0 gegen Bolivien, bei dem Weltmeister Deutschland spielerisch schon nicht überzeugte, folgte ein schwaches 1:1 gegen Spanien. Nach einem 3:2-Sieg gegen Südkorea und einem weiteren 3:2 im Achtelfinale gegen Belgien war das Turnier im Viertelfinale beendet. Das überraschende Aus besiegelte Bulgarien durch Jordan Letschkow, der das entscheidende Kopfballduell gegen den Kölner Thomas Häßler gewann.
WM 1998: Deutschland - Jugoslawien 2:2
Auch 1998 gestaltete sich die Situation schwierig. Einem 2:0 gegen die USA folgte ein glückliches 2:2 gegen Jugoslawien, nachdem die Mannschaft einen 0:2-Rückstand aufgeholt hatte. Ein Eigentor und ein Treffer von Oliver Bierhoff retteten Deutschland vor einer Niederlage. Das DFB-Team erreichte mit einem 2:0 gegen den Iran das Achtelfinale (2:1 gegen Mexiko), schied dann aber im Viertelfinale nach einer 0:3-Niederlage gegen Kroatien aus. Christian Wörns wurde durch seine Rote Karte in der ersten Hälfte zur tragischen Figur.
WM 2002: Deutschland - Irland 1:1
Mit einem beeindruckenden 8:0 gegen Saudi-Arabien – bis heute der deutsche WM-Rekordsieg – startete die Mannschaft furios in das Turnier 2002. Gegen Irland erlebte sie jedoch einen Dämpfer und kam nur zu einem 1:1. Wie sich später herausstellte, sollte Robbie Keanes Tor in der Schlussminute der einzige Gegentreffer für Deutschland und Torhüter Oliver Kahn vor dem Finale bleiben. Ein souveränes 2:0 gegen Kamerun im letzen Gruppenspiel sicherte das Weiterkommen. Das Team von Rudi Völler zog ins Finale ein, verlor dort aber mit 0:2 gegen Brasilien.
WM 2006: Deutschland - Polen 1:0
Beim „Sommermärchen“ 2006 hakte es ebenfalls gewaltig im zweiten Spiel – aber mit einem positiven Ausgang. Nach dem spektakulären 4:2 im Eröffnungsspiel waren die Erwartungen enorm. In Dortmund mühte sich die deutsche Mannschaft lange, bis David Odonkor für die Erlösung sorgte. Sein unvergesslicher Sprint und die präzise Flanke auf Oliver Neuville führten zum 1:0-Siegtreffer. Im Halbfinale (ebenfalls in Dortmund) folgte jedoch eine schmerzliche 0:2-Niederlage gegen Italien.
Auch Podolski erlebte bitteren Moment im zweiten Gruppenspiel
WM 2010: Deutschland - Serbien 0:1
Auf den überzeugenden 4:0-Auftakt gegen Australien in Südafrika folgte 0:1-Niederlage gegen Serbien. Ein Schock für das junge Team von Bundestrainer Joachim Löw. Besonders bitter war, dass der Kölner Star Lukas Podolski einen Elfmeter vergab. Das Zittern um das Weiterkommen beendete Mesut Özil mit seinem 1:0-Siegtreffer gegen Ghana. Nach herausragenden Leistungen gegen England (4:1) und Argentinien (4:0) erwies sich Spanien im Halbfinale als zu stark (0:1), und Deutschland belegte den dritten Platz.
WM 2014: Deutschland - Ghana 2:2
Erneut gab es einen fulminanten Start mit dem 4:0 gegen Portugal, was die WM-Euphorie entfachte. In der Hitze von Fortaleza folgte dann ein zähes 2:2 gegen Ghana. Miroslav Klose sicherte der DFB-Auswahl einen Punkt. Durch einen mühsamen 1:0-Sieg gegen die USA in Recife wurde die Teilnahme am Achtelfinale gesichert. Am Ende feierte Deutschland den vierten WM-Titel, da der eingewechselte Mario Götze im Finale das entscheidende 1:0 erzielte.
WM 2018: Deutschland - Schweden 2:1
Der zweite Sieg in dieser Reihe, aber die Partie war dennoch schwierig. Zum Auftakt gab es eine enttäuschende 0:1-Niederlage gegen Mexiko. Gegen Schweden stand die deutsche Mannschaft daher stark unter Druck. Es entwickelte sich ein zähes Spiel, bis Toni Kroos Deutschland mit einem genialen Freistoß tief in der Nachspielzeit erlöste und mit dem 2:1 für Hoffnung sorgte. Im dritten Gruppenspiel schied die Löw-Elf nach einer 0:2-Niederlage gegen Südkorea jedoch in der Gruppenphase aus.
WM 2022: Deutschland - Spanien 1:1
Das Drama, das vielen noch präsent sein dürfte, ereignete sich bei der Winter-WM. Nach der 1:2-Niederlage gegen Japan stand die Elf von Bundestrainer Hansi Flick unter massivem Druck. Im zweiten Gruppenspiel gegen die favorisierten Spanier brachte Alvaro Morata sein Team in Führung, doch Niclas Füllkrug konnte ausgleichen. Das 1:1 war jedoch zu wenig. Ein 4:2-Sieg gegen Costa Rica im dritten Spiel half nicht mehr, da Japan gleichzeitig Spanien mit 2:1 besiegte und Deutschland ausschied. Zum zweiten Mal in Folge. (red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.
