Bundestrainer Nagelsmann zieht nach dem erfolgreichen Testspiel gegen die USA ein positives, aber auch kritisches Fazit.
Sieg mit VerbesserungspotenzialNagelsmann sieht nach 2:1 gegen USA noch einiges zu tun

Julian Nagelsmann gibt Anweisungen bei der WM-Generalprobe der Nationalmannschaft.
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Auf einem Golf-Cart fuhr Julian Nagelsmann rückwärts sitzend davon, nachdem seine Arbeit getan war. Der Bundestrainer hatte soeben alle Interviews nach dem erfolgreichen WM-Testlauf gegen die USA im Soldier Field beendet und gewährte seinem Team um Kapitän Joshua Kimmich daraufhin einen freien Sonntag in Chicago.
„Die Jungs haben frei, können machen, was sie wollen“, äußerte Nagelsmann im Anschluss an den 2:1 (1:1)-Sieg. „Es ist echt eine schöne Stadt, da kann man ein bisschen was erleben.“ Für Akteure ohne eigene Vorhaben stand eine Team-Offerte zur Verfügung: eine Besichtigung des Trainingsgeländes der Basketball-Stars der Chicago Bulls. Nagelsmann selbst plante, sich vor wenigen Stunden der Muße der Spielanalyse gegen die USA zu widmen und seine strapazierten Stimmbänder zu schonen.
Bundestrainer erkennt trotz Erfolg Raum für Optimierungen
„Wir im Trainerteam werden natürlich das Spiel noch einmal anschauen und ein paar Szenen ausschneiden, die wir auch dann in der Nachbetrachtung nächste Woche der Mannschaft zeigen“, so die Ankündigung des Bundestrainers.

Oliver Baumann und Jonathan Tah klatschen sich im Spiel gegen die USA ab.
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Ungeachtet der Freude über den Erfolg, der nach dem Schock durch die Verletzung von Lennart Karl wichtiges Turnier-Selbstvertrauen brachte, identifizierte Nagelsmann Raum für Verbesserungen. Daran konnten auch der neunte Sieg in Folge sowie die Treffer von Kai Havertz und Leroy Sané nichts ändern. Ein Torfestival ist das erklärte Ziel für den WM-Auftakt am 14. Juni in Houston gegen Curaçao. „Natürlich haben wir noch ein paar Dinge zu tun. Ich glaube, das ist auch normal. Aber wir haben auch Lust drauf und freuen uns jetzt auf unser Basecamp“, sagte Nagelsmann im Hinblick auf die Verlegung ins WM-Hotel in Winston-Salem am Montag.
Starke Mentalität und Angriff als positive Aspekte
Wesentliche Erkenntnisse nimmt Nagelsmann mit nach North Carolina. Als besonders entscheidend bewertet er, dass die Mentalität des Teams stimmt. Ungeachtet des Dämpfers durch den WM-Ausfall von Karl und eines robusten US-Teams agierte die Auswahl konzentriert. Sie fand eine sportliche Antwort, als der Spielfluss unterbrochen wurde. „Wetter, Rasen, ein gelungener Nachmittag. Wir haben auch gegen die USA gespielt, weil die uns alles abfordern“, äußerte Sportdirektor Rudi Völler.
Ein zusätzlicher positiver Aspekt ist die Offensive. Die Angreifer stellten ihre Qualität erneut unter Beweis. Kai Havertz demonstrierte seine herausragende Form; Völler nannte ihn „einen begnadeten Fußballer“. Leroy Sané, der für Karl einsprang, zeigte großes Engagement und erzielte einen Treffer. „Das ist am Ende mit das Wichtigste, was ein Offensivspieler machen kann“, so der Kommentar von Nagelsmann. Er unterstrich zudem die Alternativen für die rechte Außenbahn mit Jamal Musiala, Havertz oder Jamie Leweling.
Taktische Flexibilität zwischen Angriff und Verteidigung
Für den nachlassenden Druck nach den ersten 20 Minuten bot Nagelsmann eine taktische Erklärung. Der Rückzug vom Pressing sei aufgrund der hohen Temperaturen eine nachvollziehbare Maßnahme gewesen. Es sei erforderlich, dass das Team variabel agieren kann. „Ich verlange von der Mannschaft, dass sie ein Gespür dafür entwickelt, wenn sie hoch verteidigt. Dann müssen sie das auch mit 100 Prozent Intensität tun. Und wenn es nicht geht, dann ziehen wir uns zurück.“

Kai Havertz soll zu einem großen WM-Faktor werden.
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Eine besondere Erwähnung fand Jonathan Tah für seine wichtigen Defensivaktionen während der Druckperiode der Amerikaner vor der Halbzeitpause. Ein außerordentliches Lob erhielt Torhüter Oliver Baumann, der als Garant für den Sieg ohne Fehler blieb. Dies gelang ihm trotz der speziellen Gegebenheit, dass die Rückkehr von Manuel Neuer ins Tor für das nächste Spiel gegen Curaçao vorgesehen ist. Nagelsmann beschrieb Baumann als „großen Sportsmann“ und „menschlich sowieso erste Sahne.“ (dpa/red)
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