Kommentar zur DFB-AuswahlHansi Flicks Arbeit am Kulturwandel hat gerade erst begonnen

Ein Kommentar von
Lesezeit 2 Minuten
Bundestrainer Hansi Flick herzt seinen Hoffnungsträger Niclas Füllkrug, der die deutsche Fußball-Nationalmannschaft am Samstag in Mainz mit zwei Toren zum 2:0 über Peru schoss.

Hansi Flick herzt seinen Hoffnungsträger Niclas Füllkrug, der die DFB-Elf mit zwei Toren zum 2:0 über Peru schoss.

Das 2:0 über Peru war ein guter Start ins Länderspieljahr, doch die Geister der WM in Katar sind längst nicht vertrieben. 

Zum Beginn des neuen Länderspieljahres hatte sich der deutsche Fußball in Peru einen Gegner ausgesucht, der bei der WM noch früher gescheitert war als man selbst. Nämlich schon ein halbes Jahr vor dem ersten Gruppenspiel im Playoff gegen Australien.

Die Südamerikaner haben den Umbruch seitdem vor sich hergeschoben. Die Deutschen dagegen sind 15 Monate vor der EM im eigenen Land dazu gezwungen. Wobei die Mannschaft grundsätzlich auch in Katar gezeigt hatte, wozu ihre Spieler in der Lage sind. Dass es damals nicht für die nächste Runde reichte, war nicht durch fehlendes Talent zu erklären. Vielmehr hatten sich die Deutschen das Siegen abgewöhnt. Das hatte sich bereits in den Monaten vor der WM offenbart, als man in der Nations League ein Remis nach dem anderen holte und wie später bei der WM nur Dritter einer Vierergruppe wurde.

Siege wie den über Peru hat es auch unter Flick schon oft gegeben

Künftig sollen wieder grundsätzlich Siege eingefahren werden, damit hinterher niemand philosophieren muss, was alles möglich gewesen wäre. Ob der Schritt aus dem Konjunktiv jedoch nachhaltig gelingt, darauf lieferte der Vergleich mit Peru jedoch nur bedingt eine Antwort. Derartige Spiele hat die Nationalelf auch unter Hansi Flick schon oft genug gewonnen.

Seine taktische Flexibilität hat Flick bereits unter Beweis gestellt. Das Spielsystem am Samstagabend passte in verheißungsvoller Weise zum Personal. Niclas Füllkrug etwa gibt dem Spiel Richtung und Ziel und sorgt außerdem dafür, dass Ausnahmekönner wie Wirtz und vor allem Kai Havertz Raum und Partner vor sich haben. Das wird auch Jamal Musiala und Ilkay Gündogan helfen.

In der Abwehr gelang ein Spiel ohne Gegentor, das ist ein Fakt. Der wahre Wert der Defensivleistung wird sich gegen Belgiens Stars schon am Dienstag in Müngersdorf zeigen. Was sich allerdings abseits aller Strategiefragen erweisen muss: Wie steht es um die Leistungskultur der Nationalmannschaft? Denn wie beim letztlich fatalen WM-Auftakt gegen Japan zeigten die Deutschen auch am Samstag Phasen, in denen sie die Intensität verloren. Das werden sie sich gegen Belgien deutlich weniger leisten können als gegen Peru.

Das Spiel gegen Belgien wird ein wichtiger Test sein. Nicht dafür, wie es um Talent und Taktik der deutschen Elf bestellt ist. Sondern dafür, wie gefestigt die neu verordnete Kultur des Siegens bereits ist. Denn gegen eine leistungshemmende Kultur hat keine Strategie eine Chance.

Nachtmodus
KStA abonnieren