Leroy Sanés Leistung gegen Curaçao war schwach. Sollte er trotzdem in der Startelf bleiben? Die Argumente dafür und dagegen.
Streitfall Leroy SanéDarum sollte der DFB-Star spielen – und darum nicht

Leroy Sané sorgt auch bei der WM für Diskussionen.
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Nach mäßiger Leistung gegen Curaçao wird über Leroy Sanés Platz im DFB-Team diskutiert. Sollte er starten? Die Argumente dafür und dagegen.
Die energische Art, mit der Leroy Sané ein Golf-Cart über das Trainingsgelände im W. Dennie Spry Stadium lenkt, vermissten viele Beobachter bei seiner Leistung auf dem Spielfeld. Beim 7:1-Auftaktsieg der deutschen Nationalmannschaft gegen Curaçao zum WM-Beginn zeigte der Offensivakteur nicht den gleichen Elan. Erneut blieb der 30-Jährige hinter der Performance seiner Teamkollegen zurück. Während für das kommende Gruppenspiel am Samstag (22.30 Uhr/ZDF und MagentaTV) zehn Positionen in der Aufstellung von Julian Nagelsmann als sicher gelten, wird Sanés Rolle bei seinem fünften großen Turnier umgehend wieder öffentlich debattiert.
Bundestrainer Julian Nagelsmann hatte Sané den Platz auf dem rechten Flügel anvertraut, nachdem Lennart Karl kurz vor der WM-Generalprobe gegen die USA verletzungsbedingt ausgefallen war. Der Trainer sah in dem flinken Angreifer von Galatasaray Istanbul den designierten Konkurrenten für diese Position. Sanés Verhalten und seine Darbietungen im Training gaben keinen Grund, diese Rangordnung zu verändern. Er rechtfertigte das Vertrauen und erzielte in Chicago den für die Turnierstimmung bedeutsamen 2:1-Siegtreffer.
Was für einen Verbleib in der Startelf spricht
Der Bundestrainer hat in der Vergangenheit bewiesen, dass er seinen ehemaligen Spieler aus Münchner Zeiten zu Höchstleistungen anspornen kann. Einer deutlichen Aufforderung im November ließ der Angreifer zwei Treffer beim 6:0-Erfolg in der WM-Qualifikation gegen die Slowakei folgen. «Er ist ein Spieler, der alles kann. Er muss nur alles geben», äußerte Nagelsmann zu diesem Zeitpunkt.
Ein vertrauliches Gespräch könnte auch vor der Partie in Toronto gegen die körperlich robusten Afrikaner Wirkung zeigen, denn der Bundestrainer versteht es, mit Sané umzugehen. «Bei Leroy ist erstmal die Bewertungsgrundlage, wie viel er investiert», erklärte Nagelsmann. Der Einsatz war gegen Curaçao nicht das Manko; es mangelte nicht am Willen, sondern lediglich an der Torausbeute. Ihn aus der Mannschaft zu nehmen, würde die Teamstruktur ohne zwingenden Grund beeinträchtigen, falls Deniz Undav als Joker käme und Kai Havertz eine andere Rolle übernähme. Mögliche positionsgetreue Ersatzleute wie Jamie Leweling, Maximilian Beier oder Assan Ouedraogo besitzen keinerlei WM-Erfahrung.

Der Bundestrainer hat Sané in dieser Saison schon öffentlich kritisiert.
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Zudem sollte die Erfahrung von Sané aus 77 Länderspielen, in denen er 17 Tore erzielte, nicht außer Acht gelassen werden. In der Anfangsformation gegen Curaçao konnten nur Torhüter Manuel Neuer (125) und Kapitän Joshua Kimmich (111) mehr Einsätze für Deutschland vorweisen. Gegen stärkere Kontrahenten gewinnt Routine an Bedeutung. Darüber hinaus gilt Sané als sehr beliebt innerhalb der Mannschaft, was die gemeinsamen Fahrten mit Musiala und Rüdiger zum Training verdeutlichen.
Was gegen einen weiteren Startelf-Einsatz spricht
Bei einer Weltmeisterschaft gibt es keinen Raum für Experimente; hier zählt ausschließlich das Leistungsprinzip. Kritiker argumentieren, dass Sané diesem Anspruch in seiner langen Laufbahn in entscheidenden Phasen oft nicht gerecht wurde. Die Annahme ist, dass ein Spieler, der mit 30 Jahren sein volles Potenzial in wichtigen Spielen nie entfaltet hat, dies auch in Zukunft nicht tun wird. Eine Bilanz von null Toren in 13 Turniereinsätzen untermauert diese Sichtweise.
Seine Körpersprache in Houston wurde von vielen Zuschauern erneut als teilnahmslos wahrgenommen und als Provokation empfunden. Das Gegenargument lautet, dass jemand, der gegen Curaçao seine Möglichkeiten ungenutzt lässt, gegen Spitzenmannschaften, bei denen jede Gelegenheit zählt, erst recht scheitern wird. Ein Blick auf Sanés bisherige Turnierleistungen soll diese These belegen.
Schlechte Turnier-Bilanz und Nagelsmanns schwindende Geduld
Bei der Europameisterschaft 2016 wurde der damals 20-Jährige noch als vielversprechendes Talent für die Zukunft angesehen. Ein klares Signal kam jedoch zwei Jahre später, als der damalige Nationaltrainer Joachim Löw ihn überraschend nicht für den WM-Kader nominierte und im Trainingslager in Südtirol aussortierte. Bei der WM in Katar vier Jahre danach stoppte ihn eine Verletzung. Auch seine zehn EM-Spiele in den Jahren 2021 und 2024 brachten nicht den erhofften Durchbruch.

Im Teamquartier der DFB-Elf ist Sané sehr beliebt.
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Auch die Geduld von Julian Nagelsmann wurde bereits auf die Probe gestellt. Eine Rote Karte infolge einer Tätlichkeit im Testspiel 2023 gegen Österreich schien das öffentliche Bild des undisziplinierten Spielers zu festigen. Seine Kritiker fühlten sich bestätigt, als der Bundestrainer im November mit deutlichen Worten an die Öffentlichkeit ging. «Er hat nicht mehr unzählig viele Chancen, sich hier zu beweisen», konstatierte Nagelsmann. Die Partie gegen Curaçao war nach Ansicht vieler eine weitere vertane Gelegenheit. Nun liegt die Entscheidung bei Julian Nagelsmann, ob er Sané eine weitere Chance gibt oder die Offensive anders aufstellt. (dpa/red)
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