Abo

Tragödie als AnspornPortugals Team will bei der WM für den toten Stürmer siegen

4 min
WM 2026 - Portugal Training

Training der Portugiesen in ihrem WM-Quartier in Palm Beach Garden. Auch Superstar Cristiano Ronaldo trägt das Armband zum Gedenken an seinen tödlich verunglückten Teamkollegen Diogo Jota am rechten Unterarm.

Portugals Nationalelf spielt die WM in Gedenken an den verstorbenen Diogo Jota. Wird die Trauer zur Stärke?

Während der WM ehrt die portugiesische Mannschaft den verstorbenen Angreifer Diogo Jota. Ein spezielles Armband symbolisiert den Zusammenhalt. Die Frage bleibt: Wird der Schmerz zur Stärke?

Für die portugiesischen Fußballer ist die Erinnerung an ihren bei einem Unfall verstorbenen Teamkollegen ein ständiger Begleiter bei der laufenden Weltmeisterschaft. Das Gedenken ist präsent auf dem Übungsfeld, im Mannschaftshotel in Florida sowie beim Auftaktspiel am Mittwoch gegen die Demokratische Republik Kongo (19.00 Uhr/ZDF und MagentaTV).

Ein besonderes Zeichen der Verbundenheit ist ein Armband, das jeder Akteur des WM-Aufgebots während des Wettbewerbs trägt. Darauf sind die Namen des gesamten Kaders und jener von Diogo Jota verzeichnet. Diese Bänder in den Nationalfarben Grün und Rot stammen von Premierminister Luís Montenegro. Der Todestag des Angreifers jährt sich am 3. Juli zum ersten Mal, was mit einem potenziellen ersten K.o.-Spiel der Mannschaft zusammenfallen könnte.

Martínez: „Diogo ist unser Licht“

Nationalcoach Roberto Martínez äußerte gegenüber dem Sportmagazin „The Athletic“ vor der Abreise in die USA: „Diogo ist unser Licht“. Er fügte hinzu: „Er wollte die Weltmeisterschaft gewinnen. Und das ist nun gewissermaßen zu einer Verpflichtung und zu einem Vorbild für uns geworden. Wir müssen uns bis zum Schluss von ihm inspirieren lassen. Er gehört zu uns!“

Im Alter von nur 28 Jahren verstarb Diogo Jota vor einem Jahr bei einem Verkehrsunfall, bei dem auch sein jüngerer Bruder sein Leben verlor. Mit Ausnahme von Superstar Cristiano Ronaldo war das gesamte Nationalteam bei der Trauerfeier anwesend. Rúben Neves, ein Mittelfeldakteur, gehörte zu den Sargträgern für Jota.

Beerdigung von Diogo Jota in Portugal

Teamkollegen und enge Freunde: Portugals Nationalspieler Rúben Neves (in der Mitte im schwarzen T-Shirt) trägt bei der Beerdigung den Sarg von Diogo Jota. (Archivbild)

Besondere Geste von Rúben Neves

Die Verbindung zwischen Neves und dem Angreifer des FC Liverpool war außerordentlich eng. Bei der Nationalelf bewohnten sie ein gemeinsames Zimmer, hatten ihre Plätze im Bus nebeneinander und vollzogen 2017 zusammen den Wechsel nach England. Als Andenken an seinen verstorbenen Freund trägt Neves nun dessen Trikotnummer 21.

Der 29-Jährige erklärte im Vorfeld dieser WM: „Wir haben schon so oft darüber gesprochen und sagen immer dasselbe“. Er ist überzeugt: „Diogo wird uns in entscheidenden Momenten eine zusätzliche Kraft geben.“

Hat Portugal den besten Kader aller Zeiten?

Nach Ansicht zahlreicher Experten reist Portugal mit dem stärksten Aufgebot seiner Geschichte zu einem bedeutenden Wettbewerb. „Wir sind ja nicht naiv“, konstatierte Mittelfeldakteur Vitinha von Paris Saint-Germain während einer Medienrunde im WM-Stützpunkt in Palm Beach Garden. „Wir wissen, dass wir eine hochkarätige Nationalmannschaft haben – mit enormem Talent und mit Spielern von Spitzenclubs auf der ganzen Welt. Ich würde sogar so weit gehen, zu sagen, dass wir vielleicht noch nie einen solchen Kader hatten.“

Es stellt sich allerdings die Frage, ob das Gedenken an Jota sich letztlich als Bürde oder als Motivationsschub erweist. Vergleichbare Situationen in der Historie des Fußballs haben zu unterschiedlichen Entwicklungen geführt.

Diogo Jota

Diogo Jota bei der EM 2024 in Deutschland im Trikot der portugiesischen Nationalmannschaft. (Archivbild)

Historische Beispiele mit gegensätzlichem Verlauf

Der FC Liverpool, Jotas Club, absolvierte nach dessen Tod eine enttäuschende Spielzeit und erreichte 24 Zähler weniger als in der vorherigen Meistersaison. Coach Arne Slot, der den Club im Anschluss verließ, thematisierte in seinem Abschiedsschreiben an die Anhänger die Tragödie, welche den Verein paralysiert habe. Der Niederländer formulierte: „Dass wir Diogo nur wenige Wochen nach unseren gemeinsamen Feierlichkeiten verloren haben, ist unbeschreiblich“.

Eine gegenteilige Entwicklung nahm der VfL Wolfsburg, dessen Akteure im Januar 2015 ihren Mitspieler Junior Malanda beerdigten, der gleichfalls bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam. Dieser Schicksalsschlag führte zu einem derartigen Zusammenhalt im Team, dass ein halbes Jahr darauf die Vizemeisterschaft, die Qualifikation für die Champions League und der Gewinn des DFB-Pokals gelangen. „Junior Malanda hat uns geholfen. Er hat mit uns weitergespielt“, erklärte der damalige Wolfsburger Akteur Kevin De Bruyne im Anschluss an den Triumph im Finale.

Ein vergleichbares Gefühl äußern auch die portugiesischen Nationalspieler im Vorfeld und Verlauf dieser WM. Abwehrspieler Matheus Nunes von Manchester City berichtete, dass er auf dem Flug in die USA die Biografie von Diogo Jota gelesen habe. „Was ich darin entdeckt habe, behalte ich für mich“, teilte Nunes mit. „Aber ich bin sicher, dass er über uns wacht. Wir tragen ihn in unseren Herzen.“ (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.