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Streit um die TrinkpauseWas für und gegen die umstrittene WM-Neuerung spricht

4 min
WM 2026 - Katar - Schweiz

Beim Spiel der Schweiz gegen Katar hatte es über 30 Grad Celsius.

Die neuen Trinkpausen bei der WM sorgen für Diskussionen. Sind sie gut für die Spieler oder nur für die Werbeindustrie?

Für Bundestrainer Julian Nagelsmann erwies sich die Unterbrechung zum Trinken in der Partie gegen Curaçao als sehr gelegen. Nachdem der Außenseiter unerwartet den Ausgleich erzielt hatte, verwendete der Nationalcoach die Pause für eine Neuausrichtung seiner Mannschaft. Dies geschah mit positivem Ergebnis, da die deutsche Auswahl bis zur Halbzeit eine 3:1-Führung herausspielte. «Da war die Trinkpause tatsächlich gut, um einfach Dinge auf der Tafel zu zeigen», äußerte sich der DFB-Trainer im Nachgang.

Diese Neuerung bei der Weltmeisterschaft schafft eine Struktur, die an ein Format mit vier Vierteln erinnert, wie es US-Amerikanern von anderen Sportarten vertraut ist. Es ist vorgesehen, dass der Unparteiische das Spiel in jedem Durchgang nach 22 Minuten für einen Zeitraum von 3 Minuten anhält. Die Einführung dieses Modells erfolgte aus Bedenken hinsichtlich der Beanspruchung der Akteure. Da die Unterbrechung jedoch nach Ansicht zahlreicher Experten für andere Zwecke genutzt wird, entzündete sich eine Diskussion über deren Zweckmäßigkeit. Welche Argumente gibt es für und wider diese Regelung?

Kritikpunkt: Kommerzialisierung

Fernsehübertragende Sender erhalten durch die Trinkpausen erweiterte Gelegenheiten für Werbung, die auch ausgiebig ausgeschöpft werden. Kritiker erheben den Vorwurf, es handle sich um reine Profitgier. So versäumte der Sender Fox beim Eröffnungsspiel nach einer Werbeeinblendung den Wiederbeginn der Partie. Ebenso hat MagentaTV sämtliche Werbeslots während der Spielunterbrechungen verkauft, wie Arnim Butzen, TV-Chef der Telekom, gegenüber dem «RedaktionsNetzwerk Deutschland» bestätigte. Laut seinen Angaben wurden alle 208 verfügbaren Werbespots mit einer Dauer von bis zu 80 Sekunden in diesen Pausen vergeben.

Der britische Fernsehsender ITV rechnet mit der kommerziell einträglichsten Fußballberichterstattung seiner Unternehmensgeschichte. Laut Kelly Williams, der Geschäftsführerin des Werbebereichs, liegen die Einnahmen aus Werbung um 30 Prozent über denen der Europameisterschaft 2024. In Australien besitzen die Pausen zum Trinken einen dedizierten Sponsor und firmieren unter der Bezeichnung «Maccas Match Break», was von McDonald's finanziert wird.

Kritikpunkt: Pauschale Anwendung

Die Regelung für Trinkpausen wird universell angewendet, obwohl die Weltmeisterschaft in diversen Klimazonen ausgetragen wird. Damit beabsichtigt man, für alle Mannschaften identische Voraussetzungen zu schaffen. Dies führt jedoch dazu, dass Partien selbst in überdachten und mit Klimaanlagen ausgestatteten Arenen, beispielsweise in Atlanta, unterbrochen werden. Bei der Begegnung von Spanien und Kap Verde quittierten die Zuschauer dies mit Pfiffen.

Der Kapitän der Niederlande, Virgil van Dijk, verlangte: «Man sollte jedes Spiel unterschiedlich betrachten». Auch der ARD-Experte Bastian Schweinsteiger stufte die Vorschrift als «fragwürdig» ein. Der US-amerikanische Trainer Mauricio Pochettino würde solche Pausen nur gestatten, «wenn die Bedingungen extrem sind».

Kritikpunkt: Störfaktor für die Atmosphäre

Zuweilen haben die Unterbrechungen zum Trinken einen nachteiligen Effekt auf die Stimmung in der Arena. Beispielsweise intonierten die Anhänger aus Schottland gerade ihre inoffizielle WM-Hymne «No Scotland, No Party», als der Unparteiische die Begegnung anhielt und so die aufkommende Dynamik auf den Tribünen jäh beendete.

Zahlreiche Besucher im Stadion verwendeten die Unterbrechung, um einen Getränkestand oder die sanitären Anlagen aufzusuchen. Zum Zeitpunkt des Wiederanpfiffs war die enthusiastische Atmosphäre zunächst dahin und viele Sitze waren unbesetzt. Die Fans kehrten erst allmählich auf ihre Plätze zurück, vergleichbar mit der Situation nach der regulären Halbzeit.

Argument: Gesundheit der Spieler

Als Konsequenz aus der erheblichen Hitze bei der Klub-Weltmeisterschaft des vergangenen Jahres hat die FIFA die Trinkpausen etabliert. «Die FIFA bekräftigt damit ihr Engagement für das Wohlbefinden der Spieler beim Turnier», ließ der Weltfußballverband verlauten. Bei Temperaturen von mehr als 28 Grad Celsius hatten Wissenschaftler Abkühlungsphasen von wenigstens sechs Minuten empfohlen. Mithilfe der Unterbrechungen sollen mögliche Gefahren wie Flüssigkeitsmangel oder Herz-Kreislauf-Beschwerden verhindert werden.

Wegen der hohen Temperaturen sowie der teilweise extremen Luftfeuchte werden Orte wie Miami und Monterrey als besonders anspruchsvoll angesehen. Der spanische Trainer Luis de la Fuente äußerte: «Für mich geht die Gesundheit der Spieler immer vor. Hitze ist ein gutes Entscheidungskriterium». DFB-Spieler Kai Havertz erkennt ebenfalls positive Aspekte: «In manchen Stadien wird es schon sehr heiß. Deswegen finde ich eine Trinkpause ganz gut.»

Argument: Taktische Intervention

Insbesondere die Trainer profitieren von der Unterbrechung zum Trinken. Dies gilt vor allem, wenn wie im Fall von Nagelsmann Korrekturen notwendig sind. DFB-Angreifer Deniz Undav meinte dazu: «Ich glaube, es kann gut sein, dass du etwas umstellen kannst, wenn der Trainer das durch Reinrufen nicht erreichen kann». Es stellt sich die Frage, ob es reiner Zufall ist, dass Mannschaften wie Brasilien, Australien, Deutschland oder Schottland unmittelbar nach der Pause einen Treffer markierten.

Rudi Garcia, der Trainer Belgiens, beurteilte die WM-Innovation mit den Worten: «Für mich ist es mehr ein Coachingbreak als eine Trinkpause. Deshalb ist es für mich sehr wichtig». Er teilte damit die Ansicht von Ralf Rangnick, dem österreichischen Nationaltrainer, der sagte: «Weil wir die Möglichkeit haben, ein paar Dinge anzusprechen und zu korrigieren. Sonst kannst du sie ja von außen kaum erreichen».

Die Begegnung zwischen Südkorea und Tschechien demonstrierte, welchen Effekt die Trinkpausen auf den Gang eines Spiels haben können. Zwar beherrschten die tschechischen Spieler anfangs das Geschehen, doch nach der Pause verloren sie ihren Rhythmus und unterlagen schlussendlich mit 1:2. (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.