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„War mir zu lang“Joachim Löw spricht erstmals über Mesut Özils Abschiedsworte

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Joachim Löw und Mesut Özil

Bundestrainer Joachim Löw führte Mesut Özil und die deutsche Nationalmannschaft 2014 zum WM-Titel. (Archivfoto)

In einer ZDF-Doku wird die Wandlung des Rio-Weltmeisters beleuchtet. Viele Weggefährten kommen zu Wort.

In der dreiteiligen ZDF-Doku „Mesut Özil – Zu Gast bei Freunden“ kommt der Weltmeister von 2014 zwar nicht selbst zu Wort, dafür erzählen zahlreiche Weggefährten von ihren Erfahrungen mit dem ehemaligen Mittelfeldstrategen. Dazu zählt auch Ex-Bundestrainer Joachim Löw.

Acht Jahre nach dem Bruch zwischen dem früheren Nationalspieler und dem Deutschen Fußball-Bund äußerte sich der damalige Bundestrainer erstmals zu Özils Rücktrittsschreiben. „Die ganze Presseerklärung und die Gründe habe ich nie gelesen. Weil erstens war mir das zu lang und zweitens war ich in dem Moment enttäuscht, weil ich's eigentlich nicht von ihm persönlich gehört habe“, sagte der 66-Jährige.

Joachim Löw über Mesut Özils Rücktritts-Erklärung: „Nie gelesen“

Dass Özil auch dem jüngsten Treffen der Rio-Weltmeister von 2014 ferngeblieben war, nannte Löw schade. „Der Mesut“, berichtete Löw, „lebt jetzt in der Türkei, ist weniger in Deutschland oder kaum.“ Oliver Bierhoff glaubt zu wissen, „dass er einen klaren Schlussstrich ziehen und die Brücken nach Deutschland abbrechen“ will.

Noch heute wundern sich einige Mitspieler, was genau mit Özil passiert ist. Hamit Altintop spielte mit Özil bei Schalke 04 und bei Real Madrid zusammen und nennt den Weltmeister von 2014 seinen „Freund“. Aber, sagt Altintop gleich zu Beginn der dreiteiligen ZDF-Doku: „Keiner kennt ihn“, den Menschen Mesut Özil.

Umstrittenes Foto mit Recep Tayyip Erdogan ist Özils Ende

Sehenswert ist die Doku dennoch. Weniger, weil sie die Karriere eines Fußballstars detailgetreu nachzeichnet, sondern als Erzählung über Integration und Rassismus in der Bundesrepublik. Nach dem umstrittenen Foto mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan im Jahr 2018 kippte damals die Stimmung. Aus dem einstigen Helden wurde endgültig eine umstrittene Reizfigur.

Nach dem desolaten Vorrunden-Aus bei der WM 2018 in Russland erklärte Özil in einem dreiteiligen Post seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft und beklagte Rassismus. DFB-Verantwortliche wiesen den Vorwurf stets zurück.

Fall Mesut Özil: Per Mertesacker ist ratlos

Seine Karriere bekommt bald einen Knick. Er wechselt in die Türkei, wendet sich noch stärker Erdogan zu, der sein Trauzeuge wird, macht Wahlkampf für dessen Partei AKP und lässt sich das Logo der rechtsextremen Grauen Wölfe tätowieren - ein Wandel, den sich sein früherer Mitspieler Per Mertesacker bis heute „nicht erklären“ kann.

Ab dem 20. März ist der ZDF-Dreiteiler von Grimme-Preisträger Florian Opitz über Özil in der Mediathek zu sehen, im TV läuft die erste Folge am 31. März (20.15 Uhr). Özil, schreiben die Macher, „war nicht dazu bereit“, mit ihnen zu reden. (mbr/sid/dpa)