Der Sportdirektor der Kölner Haie spricht im Interview über den Kader, die bisherige Saison und über die kommenden Playoffs.
Haie-Sportdirektor Matthias Baldys„Was gestern war, zählt nicht mehr“

Der Sportdirektor der Kölner Haie: Matthias Baldys.
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Herr Baldys, die DEL-Hauptrunde ist beendet, die Haie gehen als Tabellenführer in die Playoffs. Wie fällt Ihr Fazit aus?
Matthias Baldys. Wir blicken natürlich positiv auf diese Hauptrunde zurück. Wenn du am Ende Erster bist, ist das für das Team, den Klub und die Fans etwas sehr Schönes. Wir hatten viele tolle Heimspiele in der Lanxess-Arena, wir haben über lange Strecken sehr konstant gespielt und Erfolg über einen längeren Zeitraum erlebt. Wir können die Dinge gut einordnen und tun gut daran, alles zu analysieren: Was war gut, was war weniger gut, was können wir besser machen? Damit beschäftigen wir uns permanent.
Wie ordnen Sie den Erfolg also ein?
Es war kein Selbstläufer. Wir hatten Verletzungen, teilweise schon in der Vorbereitung, als sich Jan Luca Sennhenn verletzt hat. Wir hatten auch immer wieder Phasen, in denen wir neue Lösungen finden mussten. Die Mannschaft und das Trainerteam haben sich nie zurückgelehnt. Wenn wir freitags gewonnen haben, mussten wir sonntags wieder liefern. Diese kontinuierliche Arbeit über die ganze Saison hat am Ende dazu geführt, dass wir oben stehen.
Keine Sorgen wegen drei Niederlagen
Zum Abschluss der Hauptrunde gab es nach drei Niederlagen ein 6:3 gegen Straubing.
Das war ein gutes Spiel von uns. Über die komplette Partie hat man gesehen, dass wir unbedingt gewinnen wollten. Insgesamt haben wir wenig zugelassen. Wenn man bedenkt, dass es für Straubing noch um viel ging, um Platz zwei, was man ihnen auch angemerkt hat, spricht das für den Charakter unserer Mannschaft. Dieses Spiel hat noch einmal unterstrichen, mit welchem Mindset wir in die Playoffs gehen.
Ist dieser Charakter Ihrer Ansicht nach eine der größten Stärken Ihrer Mannschaft?
Ja, das glaube ich schon. Diese Mannschaft arbeitet sehr diszipliniert und verlässlich. Wir hatten auch schwierige Phasen in der Saison, Verletzungen und Rückstände in Spielen, die wir aufgeholt haben. Aber die Mannschaft hat immer wieder gezeigt, dass sie reagieren kann und nicht aufgibt.
Die drei Niederlagen haben Sie nicht beunruhigt?
Nein. Wir hatten den Hauptrundensieg sicher, da ist es menschlich, dass die Spannung ein bisschen sinkt. Wenn man sich die Spiele genauer anschaut, war mit Ausnahme der Partie gegen Mannheim die Art und Weise, wie wir gespielt haben, in Ordnung. In dieser Liga sind die Unterschiede zwischen den Mannschaften so gering, dass manchmal ein Prozent weniger schon entscheidend sein kann.
Es gibt die Theorie, dass eine sehr gute Hauptrunde im Hinblick auf die Playoffs sogar gefährlich sein könnte, weil alles zu glatt gelaufen ist, somit Resilienz fehlt. Teilen Sie diese Sorge?
Nein, die teile ich nicht. Denn unsere Saison ist nicht so glatt, wie sie vielleicht von außen wirkt. Außerdem wird in den Playoffs noch einmal Energie freigesetzt. Man lebt von Spiel zu Spiel. Was gestern war, zählt nicht mehr, und du konzentrierst dich nur auf das nächste Spiel. Das ist eine andere Phase der Saison.
Im Vergleich zur Vorsaison ist der Kader stabiler und tiefer besetzt. Sehen Sie das auch so?
Das ist ein wichtiger Punkt. Wir haben mehr Substanz als im vergangenen Jahr. Nicht unbedingt, weil wir viel mehr Spieler haben, sondern weil die Qualität in der Breite höher ist. Gerade in den hinteren Reihen haben wir mehr Möglichkeiten. Wenn du mehr Qualität in der Breite hast, kannst du auch besser reagieren. Dazu kommt, dass sich unsere jungen Spieler gut entwickelt haben. Die Mischung macht uns stabiler. In den Playoffs wird die Belastung hoch sein, und du brauchst Spieler, die Verantwortung übernehmen können. Solche Spieler haben wir.
Die Konkurrenz im Team hat den Wettbewerb belebt.
Wenn du mehr Qualität und Substanz im Kader hast, steigt automatisch auch der Konkurrenzkampf. Jeder Spieler weiß, dass er seine Leistung bringen muss, um zu spielen. Das hilft der Mannschaft insgesamt, weil das Niveau im Training hoch bleibt und jeder gefordert ist. Genau das wollten wir mit der Kaderzusammenstellung für diese Saison auch erreichen.
Umbruch der Kölner Haie erfolgreich
Es kamen insgesamt 13 neue Profis zu den Haien, keiner hat enttäuscht – oder?
Unsere Verpflichtungen haben das erfüllt, was wir uns erhofft haben. Bei der Kaderplanung geht es ja nicht nur um Statistiken oder Namen, sondern auch um Charakter. Du musst wissen, welche Typen du in die Mannschaft holst. Ganz sicher kannst du dir nie sein, wie Spieler am Ende zusammenpassen. Es geht darum, möglichst viele Informationen zu sammeln, diese richtig einzuordnen und dann die richtigen Profile zusammenzustellen. In dieser Saison hat das als Mannschaft gut funktioniert.
Welche Rolle spielt Trainer Kari Jalonen mit seiner langjährigen Erfahrung in dieser Phase der Saison?
Kari hat als Trainer viele Playoff-Serien gewonnen und weiß genau, was man zu dieser Jahreszeit machen muss. Diese Erfahrung hilft, gerade wenn es um Details und Vorbereitung geht. Die Spieler vertrauen ihm, auch das ist sehr wichtig.
Im Eishockey heißt es oft, dass in den Playoffs vor allem die Torhüter entscheidend sind – und da sind Sie mit Janne Juvonen und Felix Brückmann gut aufgestellt.
Torhüter spielen natürlich eine wichtige Rolle. Aber es sind nicht nur die Torhüter. Du musst auch als Mannschaft gut verteidigen, deine Special Teams müssen funktionieren. Da kommt vieles zusammen. Ich glaube aber schon, dass wir im Moment unsere Werkzeugkiste gut gefüllt haben und die Mittel besitzen, um erfolgreich zu sein.
Mit welchem Anspruch gehen die Haie also in diese Playoffs?
Wir sind ambitioniert und wollen erfolgreich sein. Wir wollen gut starten, gute Playoffs spielen und so weit kommen wie möglich. Es bringt im Sport aber nichts, jetzt irgendwelche konkreten Szenarien zu entwerfen oder über mögliche Konstellationen und Gegner nachzudenken. Entscheidend ist, dass wir uns gut vorbereiten, unser bestes Eishockey zeigen, im Moment leben und von Spiel zu Spiel denken. Alles, was gestern war, zählt nicht mehr.

