Die Trainerin spricht im Interview über ihre Pläne mit den Fußballerinnen und ihre Zukunft beim Bundesligisten.
Britta Carlson„Wir sind beim 1. FC Köln noch lange nicht fertig“

Britta Carlson, Trainerin des 1. FC Köln
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Frau Carlson, Ihre Mannschaft hat in der Vorbereitung zwei Testspiele gegen Ajax Amsterdam(1:1) und Borussia Mönchengladbach (4:1) absolviert. Waren Sie zufrieden mit den Spielen?
Gegen Ajax war ich wirklich zufrieden, einzig die Chancenverwertung war nicht okay. Gegen Mönchengladbach war ich mit der ersten Hälfte gar nicht einverstanden. Da haben mir die Körpersprache und die Einstellung bei uns gefehlt, die ich gerne haben möchte und die wir brauchen. In der zweiten Hälfte haben wir das besser umgesetzt.
Was hat den Unterschied gemacht in dem Spiel?
Wir haben uns in der ersten Hälfte bewusst mit dem Coaching zurückgehalten. Wir möchten, dass die Verantwortung mehr bei den Spielerinnen liegt und sie selbstständige Entscheidungen auf dem Platz treffen. Wir wissen, dass das noch ein weiter Weg ist und dass die Mannschaft von draußen ein bisschen mehr Hilfe braucht. Aber es wird immer besser.
Gegen Ajax kamen mit Elona Paci und Jil Schäfer zwei Spielerinnen aus der U 21 zum Einsatz. Können Sie auch in der Bundesliga den Sprung in den Kader schaffen?
Beide haben sich super präsentiert und die Vorbereitung bei uns mitgemacht. Der Sprung aus der Regionalliga in die erste Mannschaft ist groß, aber beide Spielerinnen haben Potenzial, sind leistungs- und lernbereit. Wenn bei uns alle wieder fit sind, ist es schon schwieriger, in den Spieltagskader zu kommen. Zutrauen würde ich es ihnen aber.
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Sylwia Matysik feierte gegen Ajax ihr Comeback nach langer Verletzungspause. Wann ist sie wieder eine Option für die Startelf?
Sie ist gut in die Vorbereitung gestartet, war aber auch lange raus und muss erst einmal wieder in ihren Rhythmus kommen. Sie ist eine Spielerin, die auf mehreren Positionen einsetzbar ist, in der Außen- und Innenverteidigung. Ich bin froh, dass sie zurück ist, weil sie eine erfahrene, dynamische Spielerin ist. Wenn sie gesund und fit ist, wird sie uns wieder sehr helfen.
Im Tor entspannt sich die Situation auch wieder. Lisa Schmitz und Aurora Mikalsen sind wieder im Training. Wann können beide in den Kader zurückkehren?
Beide sind wieder komplett im Mannschaftstraining. Ich hoffe, dass es bis zum Ende der Saison so bleibt, weil es schon eine unangenehme Situation war, auf sie verzichten zu müssen. Man merkt in jeder Einheit, dass beide wieder zu ihrer alten Stärke zurückfinden.
Mit welchem Gefühl gehen Sie in den Jahres-Auftakt am Samstag (12 Uhr) gegen den SC Freiburg?
Ich freue mich auf das Heimspiel. Wir haben das alte Jahr ja leider nicht mit einem guten Heimspiel beendet (0:1 gegen Jena, d. Redaktion), also haben wir etwas gutzumachen. Gegen Freiburg waren wir in der Hinrunde das bessere Team und haben unglücklich verloren. Insofern haben wir noch eine Rechnung offen.
Wie lautet Ihre Zielsetzung für den Rest der Saison?
Wir haben zum Saisonbeginn von einem einstelligen Tabellenplatz gesprochen, das ist nach wie vor so. Da sind wir aktuell absolut im Soll.
Gerade seit Sommer, als wir auch etwas Vorbereitungszeit miteinander hatten, haben wir eine tolle Entwicklung genommen
Sie haben Ihr erstes Jahr als Trainerin beim 1. FC Köln hinter sich. Wie fällt Ihre Bilanz aus?
Ich hatte ein schönes erstes Jahr in meiner ersten Station als Cheftrainerin. Es war ein Jahr mit Aufs als Abs. Es war keine einfache Situation, als ich gekommen bin. Aber wir haben uns alle immer mehr gefunden. Gerade seit Sommer, als wir auch etwas Vorbereitungszeit miteinander hatten, haben wir eine tolle Entwicklung genommen und sind auf einem guten Weg. Wir sind ja noch lange nicht fertig mit dem, was wir uns gerade aufbauen möchten.
Ihre Assistentin Jacqueline Dünker nimmt in diesem Jahr am DFB-Lehrgang für die Trainer-Pro-Lizenz teil. Was bedeutet das für den Alltag am Geißbockheim?
Das ist mittlerweile gar nicht mehr so schlimm. Die Teilnehmer fehlen nur noch einmal im Monat für drei Tage. Wir haben sie alle ermutigt, den Lehrgang zu absolvieren. Ich finde es äußerst wichtig, dass alle Trainer in unserem Team ihre höchstmögliche Lizenz machen.
In der Rückrunde steht noch ein Heimspiel im Rheinenergie-Stadion an. Spüren Sie Vorfreude?
Das ist ein ganz besonderes Spiel, aber vor unserem ersten Ligaspiel 2026 gegen Freiburg noch kein Thema. Sobald das Spiel näher rückt, wird die Vorfreude aber wachsen.
Bis 2028 hat der 1. FC Köln den Vertrag mit Trainerin Britta Carlson verlängert. Die 47-Jährige übernahm die Bundesliga-Fußballerinnen im Januar 2025 und führte das Team zum Klassenerhalt. „Unsere Mannschaft hat eine großartige Entwicklung genommen. Die Handschrift von Britta ist klar erkennbar. Sie ist akribisch, ehrgeizig und hat ein sehr gutes Gespür für den Umgang mit ihrer Mannschaft“, so Nicole Bender-Rummler, FC-Bereichsleiterin.

