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HandballAbschiedstour der Longericher Identifikationsfigur

4 min
18.03.2023, Handball-Longericher SC Köln-Aldekerk

vorne: Benjamin Richter (Longerich)

Foto: Uli Herhaus

Hört auf: Benjamin Richter

Der 34-jährige Benjamin Richter beendet zum Abschluss der Drittliga-Saison im Mai seine Handball-Karriere.

Einen in jeder Hinsicht schmerzlosen Abschied vom Longericher SC wird es nicht geben, diesen Wunsch kann der Handball-Drittligist Benjamin Richter beim besten Willen nicht erfüllen. Kleine Stiche im Herzen, Anflüge von Wehmut und Tränen sind unvermeidlich, wenn der 34-Jährige zum Saisonabschluss im Mai seine letzte Partie für die Kölner bestreitet. Niemand im Kader der Spielzeit 2025/2026 hat das sportliche Schicksal des Klubs so entscheidend mitgeprägt wie der vielseitige Routinier, der seine aktive Karriere mit vorwiegend positiven Erinnerungen ausklingen lässt. „Benni steht sinnbildlich für unseren Weg – sportlich wie menschlich“, sagt Trainer Christian Stark. „Sein Wunsch, aus eigener Entscheidung und ohne Verletzung aufzuhören, verdient größten Respekt.“

Wegweisender Spieler für Longerich

Spätestens mit dem Abgang von Richter haben die Longericher die sukzessive in die Wege geleitete Verjüngung ihrer Mannschaft vollendet, nachdem in Keeper Valentin Inzenhofer, Abwehr-Koryphäe Christopher Wolf oder Marian Dahlke und Joscha Rinke zuvor schon weitere Stützen der vorherigen LSC-Generation zurückgetreten sind. „Wir verlieren nicht nur einen verdienten Spieler, sondern eine Identifikationsfigur“, sagt LSC-Vorstand Jens Warncke über Richter.

Zwar liegen die sportlichen Wurzeln des gebürtigen Detmolders in Westfalen, wo er vom Bezirksligisten TG Lage den großen Sprung in die Dritte Liga zur TSG Altenhagen-Heepen wagte, doch seit Beginn seines Studiums an der Deutschen Sporthochschule   ist er   eng mit dem Longericher SC verbunden. Der 1,95 Meter große Athlet trug maßgeblich dazu bei, dass sich der LSC kontinuierlich vom Oberligisten zu einem im oberen Tabellendrittel etablierten Drittliga-Klub entwickelte.


Ein 33:33 (21:23) hat der Longericher SC am Samstagabend in der Dritten Liga Süd-West in der Partie bei der TSG Münster erreicht. Zwar haderte LSC-Trainer Christian Stark aufgrund guter Chancen in der Schlussphase ein wenig mit dem Remis, angesichts der Punktverluste der Konkurrenten im Kampf um Platz vier konnte er sich mit dem Punkt aber arrangieren. „Wir werden nach der Karnevalspause versuchen, den Druck auf die Gegner hochzuhalten“, erklärte Stark. Lukas Martin Schulz und Jonas Kämper waren mit jeweils sechs Toren die erfolgreichsten Kölner Werfer. (LR)


Als sich das Team in der vergangenen Saison als Dritter für den DHB-Pokal qualifizierte und es in der ersten Runde zur Begegnung mit dem TSV Bayer Dormagen kam (27:29), schloss sich für Richter ein Kreis: Beim Zweitligisten stand er von 2018 bis 2021 unter Vertrag und erbrachte auch auf höherem Niveau den Beweis seiner Qualitäten. Nachdem er als Torschützenkönig der Dritten Liga auf sich aufmerksam gemacht hatte, überzeugte er mit 95 Treffern (29 Siebenmeter) auch in seinem ersten Jahr als drittbester TSV-Werfer. Zudem erarbeitete sich der Zugang vor allem aufgrund seiner taktischen Flexibilität längere Einsatzzeiten. „Außer am Kreis und im Tor gibt es keine Position, die ich im Laufe meiner Karriere noch nicht gespielt habe“, erinnert sich Richter.

In den letzten elf Partien seiner langen Laufbahn möchte der Lehrer für Sport und Wirtschaftswissenschaften dazu beitragen, dass sich der Longericher SC erneut für den DHB-Pokal qualifiziert und die Chance auf ein ähnlich attraktives Los wie zuletzt mit Dormagen erhält. Dazu ist Platz vier nötig, zu dem sich die Kölner mit nur einem Punkt Rückstand auf Tuchfühlung befinden und den unmittelbaren Konkurrenten HSG Rodgau-Nieder-Roden nach der Karnevalspause zum direkten Duell erwarten (21. Februar/19 Uhr, Sporthalle der Carl-von Ossietzky-Gesamtschule).

Inzwischen als Linksaußen aktiv

Aufgrund von Problemen an der Schulter agiert Richter inzwischen nicht mehr auf seiner einst angestammten Position auf Rückraum Mitte, stattdessen bringt er seine Spielintelligenz und Führungsqualität als Linksaußen zur Geltung. „Es fällt mir nicht leicht, im Sommer Tschüss zu sagen“, betont Richter. „Aber es fühlt sich jetzt so an, als sei es der richtige Zeitpunkt. Ich habe volles Vertrauen, dass die Verantwortlichen das hier toll und nachhaltig weiterentwickeln werden.“

Erst in wenigen Wochen wird sich Richter statt der Zukunft noch einmal der Vergangenheit widmen und seine Jahre als Handballer Revue passieren lassen.   Möglicherweise wird ihn die eine oder andere Träne der Rührung daran erinnern, dass es nach seiner Einschätzung „eine geile Zeit war, die ich mit dem LSC verbringen durfte.“