Niemand hat mehr Drittliga-Einsätze für die Höhenberger absolviert als der 33-Jährige. Im Sommer beendet Handle seine Karriere.
Viktoria KölnAbschied von Rekordspieler Simon Handle

Nimmt Abschied aus Höhenberg: Simon Handle
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Als Simon Handle Anfang September 2017 zum ersten Mal die Fußballschuhe in einem Pflichtspiel für den FC Viktoria Köln schnürte, war die Welt in Höhenberg noch eine andere. Zum wiederholten Mal hatte die mit viel Geld von Franz-Josef Wernze unterstützte Mannschaft gerade den ersehnten Sprung in die Dritte Liga verpasst. Auf dem Feld tummelten sich unter anderem Mike Wunderlich, Lukas Nottbeck und Daniel Reiche. Unter dem Kommando von Marco Antwerpen hatte sich die Viktoria ein Team zusammengekauft, was eigentlich viel zu gut war für die Viertklassigkeit. Dennoch gelang erst 2019 der Aufstieg.
Heute, sieben Jahre später, ist die Viktoria ein etablierter Drittligist, Handle ist erfahrener Eckpfeiler einer jungen Mannschaft, die sich über Spielphilosophie definiert – und nicht über Namen. Handle ist mit 309 Einsätzen an zweiter Stelle der Viktoria-Rekordspieler. Mehr Drittliga-Spiele als der inzwischen 33-Jährige (240) hat niemand. Der Mann für linke Seite ist ein Urgestein und eigentlich nicht wegzudenken aus Höhenberg. Umso schmerzhafter ist für die Viktoria sein Entschluss, der in den vergangenen Monaten reifte und nun verkündet wurde: Überraschend beendet Handle im Sommer seine aktive Karriere. Aus persönlichen Gründen zieht es ihn zurück in die Heimat. Im Rahmen des letzten Heimspiels am Sonntag gegen Alemannia Aachen (16.30 Uhr, Sportpark Höhenberg) soll er verabschiedet werden.
Letztes Liga-Heimspiel gegen Alemannia Aachen
„Es ist nicht entscheidend, wie man gekommen ist – sondern was die Leute über einen denken, wenn man geht“, sagt Franz Wunderlich, Sportvorstand der Viktoria. „Dass Simon zweiter Rekordspieler hinter Mike ist, sagt bereits vieles über seine Rolle bei Viktoria Köln aus. Er ist nicht nur ein super Fußballer, sondern auch ein toller Mensch. Ein Vollprofi, der immer alles für den Klub und die Mannschaft getan hat. Deshalb bedauere ich seinen Schritt, habe aber zeitgleich großen Respekt vor der Entscheidung“, so Wunderlich, der die Gespräche als Momente empfindet, in dem ihm sein Job keinen Spaß macht. „Simon spielt gerade eine seiner besten Saisons, ist fußballerisch und körperlich in bester Verfassung. Zudem ist er für die Mannschaft und die Kabine so gut wie unverzichtbar. Entsprechend werden Simon und der Verein immer eng miteinander verbunden sein. Wir wünschen ihm für die Zukunft nur das Beste und halten die Türen in Höhenberg immer für ihn offen.“
Handle hatte über die Jahre verschiedenste Konkurrenten auf seiner linken Außenbahn. Ab und zu hatte er das Nachsehen – doch auf lange Strecke setzte sich immer der gebürtige Trostberger durch. Mit seinem Tempo, seiner Bissigkeit und seinen präzisen Flanken war letztlich in jedem Viktoria-Team Platz für Handle. „Es gibt wenige Spieler, die so viel defensive Stabilität bringen und gleichzeitig offensiv so einen Einfluss haben“, lobt Trainer Marian Wilhelm.
Für Viktorias Coach war die Entscheidung des Routiniers ein schwerer Schlag. „Wir haben bis zuletzt um ihn gekämpft. Aber wenn man Entscheidungen zugunsten der Familie trifft, kann ich ihn nur unterstützen.“ Handle sei ein „Gesicht des Vereins, ein absoluter Führungsspieler“, sagt Wilhelm. Er hinterlasse eine Lücke, „die man nicht so einfach schließen kann“.
Simon Handle als Vorzeigeprofi
Handle ist aktuell mit einigem Abstand der älteste Spieler im Kader, gehört aber dennoch zu den fittesten. „Simon zeigt, was es bedeutet, ein Profifußballer zu sein. Er trägt klare Werte in sich, geht aber auch mit Leistung und Professionalität voran“, so Wilhelm. „Gerade für einen Verein, der auf Jugendspieler und Ausbildung setzt, sind solche Vorbilder enorm wichtig.“
Handle selbst sagt: „Unsere gemeinsame Reise ist noch nicht vorbei. Die kommenden drei Spiele gegen Aachen, Duisburg und Fortuna haben einen ganz besonderen Wert für mich. Ich kann versprechen, dass wir gemeinsam alles dafür tun werden, die maximale Ausbeute zu holen.“

