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Kommentar Hans-Joachim Watzke ist als Retter des Fußballs ein seltsamer Held

Hans Joachim-Watze, Klubchef, DFB-Vizepräsident und DFL-Aufsichtsratsboss

Hans Joachim-Watze, Klubchef, DFB-Vizepräsident und DFL-Aufsichtsratsboss

Der Dortmunder Klubchef soll den DFB, die DFL und die Nationalmannschaft retten. Dabei hat er sich weder als Erneuerer, noch als Freund der Frauen hervorgetan. Seine Macht resultiert aus der Schwäche anderer.

Mitten in diesem Tumult, den der deutsche Fußball durch sein Versagen auf vielen Ebenen ausgelöst hat, steht ein Held wie Bruce Willis in „Last Man Standing“ und verteidigt im Pulverdampf alles, was noch übrig ist. Dieser Held trägt den Namen Hans-Joachim Watzke, und man weiß gar nicht genau, wer ihn für diese Rolle gecastet hat. Jedenfalls hilft der „Aki“, wie ihn Freunde und andere nennen, jetzt bei der Suche nach einem neuen Direktor für die Nationalmannschaft. Und Watzke durfte am Mittwochabend mitentscheiden, dass Bundestrainer Hansi Flick seinen Vertrag erfüllen darf.

Das ist deshalb interessant, weil der Held gleichzeitig auch die Deutsche Fußball Liga retten muss, die erkannt hat, dass die ehemalige Springer-Managerin Donata Hopfen mit der Leitung ihres Ladens überfordert ist. Das hätte man eigentlich schon bei ihrer Berufung durch ihren Vorgänger Christian Seifert vor gut einem Jahr wissen können, denn Frau Hopfen verfügte weder über Erfahrung noch ein Netzwerk, noch Erdung im Bereich Profi-Fußball. Ihr Scheitern muss schon deshalb als Tragödie gelten, weil es alte Vorurteile bestätigt und ein Rückschlag für die dringend nötige Stärkung der Frauen im Fußball ist. Dabei war sie nur die falsche Person.

In einer Ahnung hatte man ihr deshalb Hans-Joachim Watzke als sportlichen Berater an die Seite gestellt, weshalb er als Aufsichtsratsvorsitzender der DFL auch DFB-Vizepräsident und damit wichtiger Berater des noch neuen und mit den Eigenarten des Profi-Fußballs wenig vertrauten Präsidenten Bernd Neuendorf wurde. So entstand aus den Schwächen in zwei wichtigen Ämtern die Macht des überraschenden Helden, von dem aber nicht einmal jene, die ihn Aki nennen, genau wissen, wofür er kämpfen will.

Watzke und der Männerstammtisch

In seinem Verein Borussia Dortmund hatte Watzke seit dem Abgang von Jürgen Klopp für Trainer kein glückliches Händchen mehr. Der FC Bayern konnte auch deshalb zehnmal in Folge Meister werden. Der BVB ist auch der einzige große deutsche Klub, dem Frauenfußball offenbar egal ist. Er hat sich gar nicht erst um eine konkurrenzfähige Mannschaft bemüht. Auch bei Zukunftsthemen wie Nachhaltigkeit ist Watzke bisher nicht aufgefallen. Aber es heißt, die Basis mag ihn. Sprich: Der gute alte Männerstammtisch.

Es stehen wichtige Entscheidungen an. Wir sind gespannt.