Der deutsche Fußball funktioniert als Wettbewerb, daher sind die Fans gegenüber Investoren besonders misstrauisch.
Kommentar zum BundesligafinaleDer Wettbewerb funktioniert – und verdient Schutz


Edin Terzic und Thomas Tuchel liefern sich am Samstag ein Fernduell um den Titel; Terzics Dortmunder gehen mit zwei Punkten Vorsprung ins Finale.
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Teile des deutschen Profifußballs haben in dieser Woche dafür gestimmt, künftige Einnahmen aus den Medienerlösen der nächsten 20 Jahre abzugeben und dafür bis zu zwei Milliarden Euro einzunehmen. Der Investor hätte darauf gesetzt, dass die Erlöse in den kommenden Jahrzehnten steigen, seine Prozente also an Wert gewinnen. Allerdings weiß kein Mensch, wie sich die Medienerlöse im deutschen Fußball entwickeln werden. Wird es bislang unbekannte Wege der Übertragung geben, ein neues Erlebnis vor welchem Endgerät auch immer, für das die Menschen plötzlich riesiges Geld zu zahlen bereit sind? Oder wird der Stadionbesuch zum letzten Abenteuer unserer Zivilisation, während das Fernsehen an Bedeutung verliert? Man kann da nur spekulieren. Deshalb waren die Spekulanten auch so interessiert.
Ein besseres Konzept wird folgen
Nun haben sich die Pläne vom schnellen Reichtum in Luft aufgelöst. Die Idee, massenhaft Geld einzusammeln und nach einem noch nicht definierten Schlüssel auf Vereine und noch zu bestimmende Projekte zu verteilen, ist gescheitert. Und wird durch ein besseres Konzept ersetzt werden, an dessen Ende womöglich eine Abstimmung darüber stehen wird, ob es vielleicht gut wäre, Investoren in den deutschen Fußball zu holen.
Dass es diesmal nicht die geforderte Mehrheit gab, lag am Prozess, weniger am Inhalt. Denn Investoren sollen ihr Geld gern in den deutschen Fußball tragen. Es muss nur klar sein, wie es dann so eingesetzt wird, dass der Wettbewerb davon profitiert. Die Suche wird weitergehen. Aber anders.
Dass mit Investoren im deutschen Fußball vorsichtig umgegangen wird, liegt daran, dass es hierzulande viel zu verlieren gibt. Das zeigt das Bundesliga-Finale an diesem Wochenende. Der Abstiegskampf ist dramatisch, die europäische Qualifikation umkämpft – es gibt sogar ein finales Drama um den Titel. Diesen Wettbewerb zu verändern, will gut vorbereitet und kommuniziert sein, sonst schürt man das Misstrauen der Fans. Die haben in Deutschland nach wie vor eine starke Stimme. Und das ist gut so.

