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Kommentar zum WM-Auftakt
Die deutsche Mannschaft ist plötzlich Mitfavorit

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Überragender Auftakt: Martina Voss-Tecklenburg, Bundestrainerin der deutschen Frauen-Fußballnationalmannschaft, bedankt sich bei Alexandra Popp.

Überragender Auftakt: Martina Voss-Tecklenburg, Bundestrainerin der deutschen Frauen-Fußballnationalmannschaft, bedankt sich bei Alexandra Popp.

Nach dem 6:0 über Marokko sind die deutschen Zweifel nach der wackligen Vorbereitung vorerst überwunden. 

Kaum etwas ist wichtiger bei einem Turnier als ein guter Start, für die deutsche Mannschaft galt das zuletzt besonders. Nach dürren Testspiel-Auftritten hatte der Auftaktgegner Marokko aus der Perspektive der DFB-Elf bereits eine kritische Größe erreicht: Eine top-motivierte Mannschaft aus Nordafrika, die sich in der Vorbereitung für sieben Wochen eingeschlossen hatte, um Wege zu finden, ein Hindernis zu werden für den zweimaligen Weltmeister, schien das Potenzial zum perfekten Stolperstein zu haben. Gerade angesichts des bisherigen Turnierverlaufs, der schon manchen Favoriten gegen vermeintliche Außenseiter in Schwierigkeiten gezeigt hat. Knappe Siege, späte Siege - und Frankreichs Rückschlag beim 0:0 gegen Jamaika galten den Deutschen als Warnung.

Zweifel zerstreuen und den Gegner ängstigen

Es galt also, keine Zweifel zuzulassen und dem Gegner früh zu vermitteln, dass es nichts werden würde mit einer Sensation. Und die DFB-Auswahl lieferte einen Auftritt fürs Lehrbuch ab. Deutschland vermittelte von der ersten Minute an den Eindruck, einen Plan zu haben und diesem zu vertrauen; komme, was wolle. Mit dieser Kraft war eine Überraschung schon vom ersten Pass an ausgeschlossen. 

Das spricht für das Team – und damit für die Bundestrainerin. Martina Voss-Tecklenburg hat in den Tagen vor dem Auftaktspiel vor allem Gelassenheit verbreitet, offenbar verfügt sie neben ihrem fußballerischen Wissen über das große Talent, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden. Die Mannschaft war am Montag in Melbourne somit das Spiegelbild ihrer Trainerin: Gelassen, kompetent und jederzeit klar in ihren Aktionen. Die Folge war ein souveränes Spiel, das angesichts der Qualität der Gegnerinnen zwar keine letzten Schlüsse auf die Fähigkeiten der deutschen Mannschaft gestattet. Doch besser kann man eine solche Partie nicht gestalten. 

Allerdings hatten die Deutschen auch Alexandra Popp, die dem Spiel Richtung und Ziel gibt und am Montag einmal mehr bewies, dass sie tatsächlich aus jeder Lage Tore erzielen kann. Ihr Treffer zum 2:0 in der ersten Halbzeit wird Fußballfans wie Physikern noch eine Weile zu denken geben. Die Mittelstürmerin ist der Faktor, der eine wohl organisierte, körperlich fitte und nun auch perfekt gestartete deutsche Mannschaft zu etwas gemacht hat, was sie bislang eher nicht war: Zu einem Mitfavoriten dieser Weltmeisterschaft.