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Kommentar

PSG gegen FC Bayern
Menschen, die wie Götter spielen

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3 min
Harry Kane jubelt nach einem Elfmeter, dem frühen Führungstor seiner Mannschaft. Es folgte ein denkwürdiges Spiel.

Harry Kane jubelt nach einem Elfmeter, dem frühen Führungstor seiner Mannschaft. Es folgte ein denkwürdiges Spiel. 

Das Halbfinal-Hinspiel bot Fußball an den Grenzen des Machbaren. Die gute Nachricht: Es wird ein Rückspiel geben.

Was am Ende dieser Nacht im Pariser Prinzenpark etwas unterging, war ein im Profisport nicht ganz unerhebliches Detail: Das Halbfinal-Meisterwerk zwischen Paris St.-Germain und dem FC Bayern hatte einen Verlierer. Nach dem 4:5 bleiben den Münchnern zwar alle Chancen. Doch sie gehen mit der Hypothek ins Rückspiel, ein Tor erzielen zu müssen. Wer PSG attackieren muss, entblößt sich, bietet dieser unglaublichen Offensive Möglichkeiten. Das kann böse enden, einerseits. Die Bayern haben am Dienstag zeitweise drastisch erfahren, was passiert, wenn man auf den Gleisen spielt, wenn der Zug kommt.

Andererseits ist es beinahe gleichgültig, wer nach diesem Feuerwerk das Finale bestreitet. Es war das Duell der beiden aufregendsten Fußballmannschaften dieser Zeit, ein Finale in sich. Ein Finale, das klärt, wer von diesen beiden Mannschaften voller Menschen, die wie Götter spielen, die noch großartigere ist. Und das in einer Woche, man kann es kaum erwarten, in der Allianz-Arena ein weiteres stattfinden wird.

Die Frage nach Sieg oder Niederlage kann im Profifußball nie eine Nebenrolle spielen, erst recht nicht unter Beteiligung solcher Spielerpersönlichkeiten. Doch es ging um mehr als Sieg und Niederlage. Es ging um einen Platz in den Geschichtsbüchern. Die Partie teilt die Karriere so mancher Beteiligten in ein Davor und ein Danach ein. Wer auf diesem Niveau bestehen konnte, gehört einem exklusiven Klub an. Auf diesem Niveau ist kein Platz mehr für Hochstapler oder Schönwetterspieler. Man mag sich kaum vorstellen, dass bei der nächsten Kür des Weltfußballers einer gewinnen könnte, der bei dieser Partie nicht auf dem Platz stand.

Die gnadenlosen Attacken beider Mannschaften. Der Pariser Umgang mit dem frühen Rückstand. Die Unbeirrbarkeit der Bayern, im Angesicht des drohenden Untergangs von einem 2:5-Zwischenstand zurückzukommen. Die Überzeugung auf beiden Seiten. Es war ein nimmermüdes Wogen, beide Teams fanden Wege, einander zu zermartern. Am Ende war es auch die Ausgewogenheit, die dieses Halbfinale zum Klassiker machte.

Wegen seiner Gelbsperre verfolgte Bayern-Trainer Vincent Kompany das Spiel von der Tribüne aus – und hatte beste Sicht auf das Spektakel.

Wegen seiner Gelbsperre verfolgte Bayern-Trainer Vincent Kompany das Spiel von der Tribüne aus – und hatte beste Sicht auf das Spektakel.

PSG, von Katar in die Weltklasse finanziert, gilt vielen als Inbegriff der Kommerzialisierung. Doch an diesem Dienstagabend ging es nicht um obszöne Geldströme, enthemmte Egos und die Macht der Konzerne. Im Tosen des Prinzenparks erreichten selbst die Trainer ihre Spieler nicht mehr. Auf sich gestellt, im Scheinwerferlicht der größten Bühne des Fußballs, musste jeder für sich die Gelegenheit ergreifen, über sich hinauszuwachsen, sich selbst zu entfesseln. Niemand ließ diese Gelegenheit verstreichen.

Es waren Momente absoluter Größe – Fußball an den Grenzen des Machbaren, eines der besten Spiele in der Geschichte des Spiels. Doch selbst wenn beim Schlusspfiff eine Mannschaft mehr Tore erzielt hatte als die andere: Es gab nur Gewinner.