Abo

Vom Youtube-Phänomen zum Profi-TeamMarcel Kittel als Coach der „Rockets“

3 min
Marcel Kittel

Neue Perspektive als Sprint-Trainer: Marcel Kittel (M).

Deutschlands ehemals führender Sprinter kehrt in die Welt des Radsports zurück. Er betreut eine Mannschaft, die ihren Ursprung in einem Youtube-Vorhaben hat.

Seit Anfang des Jahres engagiert sich Marcel Kittel, der früher als weltbester Sprinter galt, erneut im professionellen Radsport. Der 14-malige Etappengewinner der Tour de France fungiert als Sprinttrainer für die Mannschaft Unibet Rose Rockets, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) mitteilt. „Es ist die letzte Perspektive, die mir noch gefehlt hat. So schließt sich der Kreis“, kommentiert der 37-Jährige seine neue Aufgabe im Begleitauto, von wo aus er die Rennen beobachtet.

Die Mannschaft, bei der Kittel jetzt tätig ist, erregt aktuell große Aufmerksamkeit in der Radsportszene. Die „Rockets“ besitzen eine außergewöhnliche Gründungsgeschichte: Ihre Anfänge nahmen sie, als drei niederländische Freunde ihre Erfahrungen bei der Tour de France auf Youtube teilten. Durch Aktionen wie das Verteilen von Pizza an Fahrer nach der letzten Etappe bauten sie rasch eine beachtliche Anhängerschaft auf.

Von der Video-Plattform zur Profi-Mannschaft

Das Trio rief vier Jahre nach dem Start ihres Kanals eine eigene Mannschaft in der niedrigsten Klasse ins Leben. Ihr Ziel war die zukünftige Teilnahme an der Tour de France. Bas Tietema (31), der als Aushängeschild der Gruppe gilt, erläutert: „Im ersten Jahr gab es eigentlich nichts als die Idee und eine Powerpoint-Präsentation“. Zu Beginn begegneten ihnen Radprofis mit Zweifeln an der Ernsthaftigkeit des Vorhabens.

Marcel Kittel

Briefing vor dem Rennen: Marcel Kittel mit dem irischen Straßenradmeister Rory Townsend.

Die Entwicklung verlief jedoch sehr schnell. Bereits nach einem Jahr gelang der Aufstieg in die ProTour, die zweithöchste Liga des Radsports. Die Mannschaft positionierte sich im Vorjahr unter den Top 26 weltweit, wie die dpa berichtet, und bekam daraufhin Wildcards für bedeutende Wettbewerbe wie Mailand-Sanremo, die Flandern-Rundfahrt und den Giro d’Italia. Eine Teilnahme an der Tour de France wurde ihnen zunächst aber nicht gewährt.

Professioneller Aufbau und besonderes Konzept

Bas Tietema

Gründer und Hauptdarsteller: Der Niederländer Bas Tietema (M) ist das Gesicht der Unibet Rose Rockets.

Um den nächsten Entwicklungsschritt zu vollziehen, wurden erfahrene Profis wie Dylan Groenewegen und Kittel als namhafter Trainer unter Vertrag genommen. „Die große Challenge ist die Organisation hinter dem Team. Das ist mit großen Wachstumsschmerzen verbunden“, erläutert Kittel. Zwar sei die Stabilität etablierter Mannschaften noch nicht gegeben, doch die kontinuierliche Verbesserung sei das erklärte Ziel im Profisport.

Ihr Geschäftsmodell hebt die Rockets von anderen Mannschaften ab. Laut Tietema soll der Name „Rockets“ auch dann beibehalten werden, wenn der Hauptgeldgeber wechselt. „Kurzfristig bekommt man vielleicht mehr Geld, wenn man seine gesamte Identität verkauft. Auf lange Sicht sehen wir unseren Weg als nachhaltiger an“, so Tietema.

Das große Ziel: Tour de France

Dylan Groenewegen

Dylan Groenewegen feiert einen Sieg in Belgien.

Die Präsenz auf Youtube und in weiteren sozialen Netzwerken stellt eine wesentliche Einnahmequelle dar. „Normalerweise basiert ein Sponsoring auf Leistung, Ergebnissen und Sichtbarkeit in den Rennen“, sagt Tietema. „Wir verändern das durch unseren eigenen Content und unsere eigenen Medien. Wir sind das ganze Jahr über sichtbar.“ Es wird angestrebt, die umfangreichste Anhängerschaft in der Radsportwelt zu gewinnen.

Marcel Kittel

Marcel Kittel gewann 14 Etappen der Tour de France - so viele wie kein anderer Deutscher. (Archivbild)

Das kommende sportliche Vorhaben ist eindeutig definiert: die Teilnahme an der Tour de France im nächsten Jahr, vorzugsweise über die sportliche Qualifikation. Eine neue Regelung könnte dabei unterstützen: Die drei erfolgreichsten ProTour-Mannschaften der laufenden Saison bekommen für 2027 eine automatische Startberechtigung für die WorldTour-Eliterennen. Aktuell belegen die Rockets den vierten Rang. „Wir greifen immer nach den Sternen“, betont Tietema. „Und bisher haben wir immer geliefert.“ (red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.