HochwasserschutzRadium-Wehr in Wipperfürth soll 2024 abgerissen werden

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Das Radium-Wehr am Turbinenhaus in Wipperfürth.

Das Radium-Wehr am Turbinenhaus in Wipperfürth.

Voraussichtlich 2024 soll das Radium-Wehr am Turbinenhaus abgerissen werden. Der Abriss soll viele positive Auswirkungen bringen.

Das Radium-Wehr am Turbinenhaus soll geschliffen werden. Darüber hatte die Verwaltung bereits im September 2021 den Bauausschuss informiert. Es gebe Einigkeit mit der Firma Radium und dem Wupperverband. Umgesetzt wurde der Abriss bislang noch nicht. In der jüngsten Sitzung informierte die Verwaltung über den aktuellen Sachstand.

Danach hat es im Rahmen der Machbarkeitsstudie zum Abriss der Wehranlage im Januar einen Abstimmungstermin mit Wupperverband, Denkmalbehörde, Feuerwehr, Radium, dem Ingenieurbüro Weber und der Stadtverwaltung gegeben. Dabei seien die bisherigen Ergebnisse der Studie vorgestellt und die Belange des Denkmalschutzes erörtert worden.

Abriss des Wehrs wirkt sich positiv auf den Hochwasserschutz aus

Die obere Denkmalbehörde habe gegen den geplanten Abriss grundsätzlich keine Bedenken. Es sei aber festgelegt worden, dass ein Reststück der Staustufe am Turbinenhaus erhalten bleiben soll, um die ehemalige Funktion der Wehranlage sichtbar zu machen. Mit der Firma Radium habe man erläutert, wie die Wasserentnahme aus der Wupper künftig sichergestellt werden könne. Auch eine Lösung für die Wasserentnahmestelle der Feuerwehr, die sich auf der Seite zum Hausmannsplatz befindet, sei gefunden worden.

Der Abriss des Wehrs wirke sich positiv auf den Hochwasserschutz aus, das machten die bisherigen Ergebnisse der Machbarkeitsstudie deutlich, so die Verwaltung. Die Auswirkungen beträfen im Wesentlichen eine Strecke von rund 600 Metern oberhalb der Staustufe und hätten insbesondere auf den Gaulbach bis in den Bereich des Surgères-Platzes Auswirkungen. Der Aufstau im Gaulbach bei Hochwasser sei aber nicht nur auf die Staustufe des Radiumwehrs zurückzuführen, sondern auch durch die Durchlässe bedingt, die für künftige Hochwasserereignisse angepasst, also vergrößert werden müssten.

Dennoch würde sich die Schleifung des Wehrs positiv auf den Pegel des Gaulbaches im Bereich des Busbahnhofes auswirken. Ein um 20 bis 30 Zentimeter niedriger Pegelstand des Gaulbaches bei dem extremen Hochwasser im Sommer 2021 hätte ausgereicht, um den Bereich An der Stursbergs Ecke und Untere Straße vor Überflutung zu schützen. Auch für Gartenstraße und Parkplatz Ohler Wiesen bedeute der Abriss des Wehrs eine spürbare Verbesserung des Hochwasserschutzes. Da auch die Kostenbetrachtung in die Studie mit einfließe, biete sie die Basis für die Beantragung von Fördermitteln.

Der Wiederaufbauplan des Landes greife nicht, daher soll die Maßnahme als „neuer Hochwasserschutz“ im Rahmen der Förderrichtlinie „Hochwasserrisikomanagement und Wasserrahmenrichtlinie“ anteilig finanziert werden. Die Verwaltung geht von einem Kostenanteil von 30 Prozent aus. Mit einem Förderbescheid ist frühestens im Spätsommer zu rechnen. Wenn alles gut laufe, könnte die Planung bis Jahresende abgeschlossen sein und dann mit der Ausschreibung begonnen werden. Der Abriss könnte dann im Frühjahr 2024 erfolgen.


Hintergrund

1918 ließ die Firma Radium zur Stromerzeugung das Turbinenhaus samt Wehr errichten. Später wurde es an die Stadt Wipperfürth verkauft, die das Turbinenhaus weiter veräußerte, das Wehr und die Brücke aber behielt.

Radium betreibt allerdings bis heute eine Pumpenanlage im Keller des Turbinenhauses und besitzt das Wasserrecht, das ihr damals eingeräumt wurde – für immer. Zum Wasserrecht zählt auch das Recht zum Aufstauen.

Das Wasser benötigt Radium unter anderem zur Kühlung der Anlagen. Pro Sekunde entnimmt die Firma 100 Liter Wasser aus dem Fluss. Diese Menge ist streng reglementiert. (cor)

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