FinanznotLotsen durch schwere Zeiten

Wenn Eltern psychisch erkrankt sind, leiden auch die Kinder.
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Köln – Die Stimmung kann von einer Minute auf die andere kippen. Mütter, die unter dem Borderline-Syndrom leiden, können von einem Moment auf den anderen fröhlich, im nächsten deprimiert sein. Das ist nicht nur schlimm für die Betroffenen, sondern auch für die Kinder, die die großen Stimmungsschwankungen der Eltern nicht verstehen können. "Kinder neigen in diesen Fällen oft dazu, bei sich die Schuld zu suchen", sagt Diplom-Pädagogin Jana Roth der Awo-Betriebsgesellschaft "Der Sommerberg". "Sie beginnen, sich mehr anzustrengen, um den Eltern zu gefallen, und übernehmen Aufgaben im Haushalt, wecken die Geschwister vor Schulbeginn oder machen die Einkäufe."
Dabei liefen die Kinder natürlich Gefahr, sich auf Dauer zu überlasten. Schulnoten können rapide absinken, langfristig drohten nicht wenigen der Mädchen und Jungen selbst psychische Probleme: Studien haben ergeben, dass 60 Prozent der Kinder depressiver Eltern später selbst unter Depressionen leiden. In einem dreijährigen Modellprojekt "Hilfe für Kinder psychisch kranker Eltern" (Kipe) des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) wurden seit 2010 in neun Modellregionen in Nordrhein-Westfalen psychisch kranke Mütter und Väter unterstützt - darunter in Köln, Bonn, Euskirchen und im Rhein-Sieg-Kreis. Früher hätten Eingliederungshilfen und Jugendhilfe oft aneinander vorbeigearbeitet, sagt Roth. Im Modellprojekt wurden beteiligte Institutionen wie Fachkrankenhäuser, niedergelassene Psychiater, Beratungsstellen, die Sozialpsychiatrischen Zentren des LVR und die Hilfen der freien Träger eng miteinander verzahnt.
Viele Fragen
Zwei "Sommerberg"-Diplom-Pädagogen - außer Jana Roth ist das Asal Hassanzadeh - sind für die Betroffenen unmittelbar ansprechbar und suchen diese auf Wunsch auch zu Hause auf. Mit Erfolg: Allein im letzten Berichtsjahr wurden mit Kipe so 770 Menschen betreut - 125 Fälle davon in Köln. Zudem findet im Rahmen des Kipe-Projekts einmal in der Woche ein Elterncafé in der LVR-Klinik in Merheim statt, weiter gibt es ein Beratungsangebot einmal im Monat in der LVR-Tagesklinik in Mülheim.
Viele Fragen tauchen bei den Betroffenen auf, die sich ihrer Krankheit stellen wollen. Wer passt auf meine Kinder auf, wenn ich in einer Klinik bin? Wie sage ich meinem Kind, dass ich psychisch krank bin? Mir wächst der Alltag über den Kopf, wenn ich in der Krise bin - was kann ich künftig anders machen? Pädagogin Roth rät vor allem, mit den Kindern ehrlich umzugehen und die Mädchen und Jungen auf die psychische Erkrankung aufmerksam zu machen. "Kinder merken schnell, das etwas nicht stimmt." Die Betreuer konnten im Rahmen von Kipe Betroffenen nicht nur die richtigen Ansprechpartner vermitteln und Behördengänge erledigen. Sie helfen den Kindern auch, indem sie ihnen Freizeiteinrichtungen vermitteln, damit sie mal rauskommen.
Offenbar können nicht alle neun Projekte vom LVR fortgesetzt werden. Während im Rhein-Sieg-Kreis vier halbe Stellen für Fachkräfte in den vier Sozialpsychiatrischen Zentren des Kreises für "Hilfen für Kinder psychisch erkrankter Eltern" seit dem 1. Juli vom Gesundheitsamt weitergeführt werden, ist die weitere Finanzierung in Köln unklar.
