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FundusVon Menschen und Möbeln

3 min

Aus alt wird neu: Die Teilnehmer bei „Fundus“ lernen, alte Möbel auf zuarbeiten oder zu restaurieren.

Overath – Ein Fernsehtisch mit Damenfüßen einer Schaufensterpuppe drunter. Eine Truhe aus Palettenholz. Gehobelt, geschliffen und geölt. Es gibt kaum etwas, das in dem Werkstattprojekt „Fundus“ der Caritas Rhein-Berg nicht verarbeitet würde. Mitarbeiter und Teilnehmer recyceln fast alles. Damit werden Wertschätzung für altes Material vermittelt, aber auch Kosten gespart. Und da kennt die Fantasie von Schreiner Burkhardt Koob keine Grenzen.

Bei den arbeitslosen Jugendlichen weckt das Kreativität. Gerade bearbeiten Alex und Lorenzo einen alten Vollholztisch, der aus einer Wohnungsauflösung stammt. Kenntnisreich erläutern sie die Funktion ihres Exzenter-Schleifgeräts und die Vorteile von Hartwachs-Öl beim Behandeln der Oberfläche. Lorenzo kann sich inzwischen sogar vorstellen, ebenfalls Schreiner zu werden. Dabei ist das gar kein Muss in dem Berufsfindungs-Projekt, in dem es eigentlich mehr darum geht, überhaupt etwas anzupacken und sich was zu trauen.

Den 18-Jährigen vermittelte das Arbeitsamt hierher. Mit einem Hauptschulabschluss nur nach Klasse 9 in der Tasche, fand er keinen Ausbildungsplatz. Nun arbeitet er statt ALG II zu beziehen – und hat eine neue Perspektive. In den Bereichen Handwerk, Möbelaufbereitung, EDV, Internet und Verkauf können sich die jungen Leute freiwillig ausprobieren, „ohne gleich funktionieren zu müssen“, so Thomas Pütz, Leiter des Fachbereichs Lebens- und Integrationshilfe. Gleichwohl, betont er, sei das Programm kein Wunschkonzert „Hier lernen viele erst Grundtugenden wie Pünktlichkeit oder den Grundsatz, sauber zur Arbeit zu erscheinen.“

Möbel als Medium

In dem Laden werden Möbel, Lampen, Dekorationsartikel und Hausrat aufgearbeitet und gegen eine Spende abgegeben. Ein Nutzen, der den Jugendlichen einen Sinn gibt. Pütz: „Viele vermissen genau das.“ Pädagogisch begleitet werden sie bei der Suche von der Sozialarbeiterin Claudia Figiel. „Wir gucken, wo sind ihre Potenziale und helfen auch bei Kontakten zu anderen Betrieben.“ Oft stünden aber noch ganz andere Probleme wie Schulden oder familiäre Sorgen im Weg.

Die Möbel sind nur ein Medium. Selten führt der Weg am Ende in ein Handwerk. „Manche gehen nach dem Jahr bei uns weiter zur Schule.“ Ein Konzept, das auch Dritte überzeugte. Neben der Stadt Overath und dem Jobcenter Rhein-Berg stieg der Europäische Sozialfonds bei der Finanzierung mit ein – und förderte die enge Begleitung neben der Arbeit etwa bei der Erstellung von Bewerbungsmappen oder der Bewältigung der privaten Probleme. Im Juni endete die Finanzierung jedoch, wie so oft, wenn Reformen im politischen Bereich wieder neue Programme auf den Plan rufen. Doch die Arbeit geht weiter, obwohl erst im Juni 2015 eine neue Anschlussfinanzierung winkt. Und professionelles Personal ist nicht zu recyceln. Die Fundus-Mitarbeiter hören natürlich nicht auf, ihren Schützlingen zu helfen. Noch kann der Verein die Durststrecke überbrücken. Pütz: „Doch uns fehlen noch 60.000 Euro.“

Nach dem Vorbild der Aktion „Kunst vom Rand“ will Fundus auch Möbel aus „Gotteslob“-Gesangbüchern herstellen, die derzeit durch neue ersetzt werden. Gemeinden werden um Abgabe der alten Exemplare gebeten, ☎ 02206 /85 86 40.