Die Organisation Jama Nyeta unterstützt in Köln Familien aus Westafrika bei der Integration.
„Jama Nyeta“ Köln„Wir helfen Eltern, Kindern eine gute Zukunft zu sichern“

Massandje M., Besucherin von „Jama Nyeta gGmbH“ in Köln mit ihren beiden Söhnen
Copyright: Inge Swolek
„Ich komme hierhin, nicht nur um Deutsch zu lernen. Hier werde ich auch in anderen Angelegenheiten unterstützt – beim Arztbesuch, beim Ausfüllen von Formularen oder bei Fragen zum Kindergarten. Alleine wäre ich verloren“, sagt Judith P. Die junge Mutter kam vor drei Jahren mit ihrer kleinen Tochter Lena Viktoria aus Uganda nach Köln.
Auch Massandje D. besucht dreimal in der Woche einen Sprachkurs, den die in Köln ansässige gemeinnützige Organisation Jama Nyeta anbietet. „Während ich lerne, können meine zwei Söhne im Nebenzimmer mit anderen Kindern spielen. Das ist besonders wichtig für mich“, sagt die 29-jährige Mutter, die von der Elfenbeinküste stammt und seit fünf Jahren mit ihren Kindern in Köln lebt, wo sie eine Ausbildung zur Friseurin machen möchte.
Wichtige Anlaufstelle für Westafrikaner*innen in Köln
Der Begriff „Jama Nyeta“ stammt aus der westafrikanischen Sprache Bambara und bedeutet „Gemeinsam entwickeln“. Die gleichnamige Organisation ist für Menschen mit westafrikanischer Migrationsgeschichte in Köln eine wichtige Anlaufstelle – und ein Ort, an dem sie sich entwickeln und stärken können. „Viele kommen zu uns, weil sie sich im Alltag in Deutschland überfordert fühlen. Ihnen möchten wir Orientierung geben, sie stärken und ihnen zeigen, dass sie nicht allein sind. Wir sind vertraut mit den Situationen in den Herkunftsländern vieler Geflüchteter und sprechen regionale Sprachen wie Bambara, Djoula oder Malinke. Das schafft Vertrauen und eine Atmosphäre der Sicherheit“, sagt Momo Sissoko, der Gründer und Geschäftsführer der gemeinnützigen Organisation.
Jama Nyeta versteht sich als Schnittstelle zwischen Eltern und Bildungseinrichtungen. Viele Familien brauchen Unterstützung, das zeige sich vor allem im Kontakt mit Schulen und Kitas. Elternabende oder Gespräche würden häufig nicht besucht – jedoch nicht aus Desinteresse, sondern aus Überforderung. „Die Hürden sind sprachlich und strukturell sehr hoch“, sagt Sissoko. Deshalb erklärt das Team von Jama Nyeta in Seminaren neben vielem anderen, wie das deutsche Bildungssystem funktioniert.
Brückenbauer: 400 Beratungsgespräche allein in Köln
„Wir sind Brückenbauer. Unser Ziel ist es, Eltern so zu begleiten, dass ihre Kinder gute Zukunftschancen haben“, sagt Sissoko. Dabei lege Jama Nyeta stets großen Wert auf eine wertschätzende Haltung. „Bei uns würde niemals jemand als ungebildet bezeichnet werden. Viele Menschen haben keine formale Bildungserfahrung, weil sie nie eine Schule besuchen konnten. Aber Bildung findet auch auf anderen Wegen statt“, sagt Sissoko.

Momo Sissoko, Gründer und Geschaftsführer der Jama Nyeta gGmbH
Copyright: Inge Swolek
Nach offiziellen Angaben leben allein in Köln etwa 6.500 Menschen mit westafrikanischer Migrationsgeschichte. Im vergangenen Jahr führte das Jama Nyeta-Team mehr als 400 Beratungsgespräche, erreichte 177 Familien und damit über 300 Kinder in Köln und der Umgebung. Die Zahlen zeigen, wie groß der Bedarf an niedrigschwelliger Unterstützung ist – und wie wirksam sie sein kann.
Überbordende Bürokratie: Formulare, keine Anlaufstelle, wechselnde Ämter
Ein Beispiel dafür ist Aminata Z., die im Jahr 2019 als 26-Jährige mit drei kleinen Kindern im Alter von sieben, fünf und drei Jahren aus Mali nach Köln kam und sich total hilflos fühlte. „Sie bekam Briefe von der Schule ihres ältesten Kindes und verstand nicht, was von ihr erwartet wurde. Sie besuchte dann Sprachkurse bei uns, wir begleiteten sie mehrere Jahre, so dass sie Schritt für Schritt ihren Weg fand.“ Heute hat Aminata Z. eine Ausbildung abgeschlossen und arbeitet inzwischen selbst bei Jama Nyeta.
„Wenn Menschen aus Dankbarkeit zurückkommen und helfen, ist das für uns eine enorme Anerkennung. Sie sind perfekte Multiplikatorinnen“, sagt Sissoko, der selbst im Alter von 25 Jahren aus Mali nach Deutschland kam. Trotz Abitur und Studium stieß er immer wieder an strukturelle Grenzen. „Ich konnte Deutsch, aber die Menschen sprachen hier oft sehr schnell – und dazu auch noch Kölsch. Hinzu kam die Bürokratie: Überall Formulare, keine einheitliche Anlaufstelle, immer neue Ämter. Das war für mich purer Stress. Ich war alleine, hatte niemanden, den ich um Rat fragen konnte, meine Freunde, meine Eltern und Geschwister waren weit weg.“
Von einem kleinen Kölner Verein zu einer gemeinnützigen GmbH
Das war auch der Impuls für Sissoko, nach einem Studium an der Deutschen Sporthochschule und seinem Einsatz Lehrer für Französisch und Sport an verschiedenen Kölner Schulen, seine ganze Energie in den Aufbau einer Organisation zu stecken, die Menschen, denen es ähnlich geht, unterstützt. „Heute weiß ich, dass es die richtige Entscheidung war. Die wachsende Nachfrage und das positive Feedback der Familien bestätigen mich täglich“, sagt der 44-Jährige, der den zunächst kleinen Verein Jama Nyeta inzwischen in eine gemeinnützige GmbH verwandelt hat, die in Köln, in NRW und auf Bundesebene gut vernetzt ist.
Neben Sprachkursen und Beratungsangeboten für Eltern steht auch das Projekt „Kalan Taboolo“ auf der Agenda. Das außerschulische Lernangebot richtet sich an Jugendliche mit Flucht- oder Migrationserfahrung, insbesondere an unbegleitete junge Menschen, die ihre Schullaufbahn ab- oder unterbrechen mussten. Ziel ist es, deren Schulwissen aufzufrischen und Lernstrategien zu vermitteln. „Damit unsere Angebote für die Familien und deren Kinder kostenlos bleiben, sind wir auf Fördergelder und Spenden angewiesen – etwa für Lernmittel, Lehrkräfte, Fortbildungen . Deshalb sind wir sehr dankbar für finanzielle Unterstützung vieler Sponsoren wie auch wir helfen, die unsere Arbeit möglich machen.“
