Das neue „Wir helfen“-JahresthemaEin Zuhause, das doch keines ist

Viele Kinder sind zu oft allein, bekommen kaum Anregungen von außen.
Copyright: ddp Lizenz
Köln – Sehr blass, kaum Mimik, geschweige denn ein Lächeln. Als Luis (Namen und Orte geändert) aus seiner Familie befreit wurde, wirkte er wie ein Gespenst. Es schien so, als „lasse er alles über sich ergehen“, lachte nicht, weinte aber auch nicht, wirkte wie „versteinert“. Er war erst vier Monate alt, als er sein Zuhause verlor.
Mit sieben Knochenbrüchen an Armen, Beinen, Rippen wurde er in das Evangelische Krankenhaus Kalk eingeliefert. Gebrochen zu verschiedenen Zeitpunkten, seit seiner Geburt, wie die Ärzte feststellten. Ein gerichtsmedizinisches Gutachten schloss Unfälle aus. Die Verletzungen waren eindeutig durch die Misshandlung eines Erwachsenen erfolgt. Durch festes Zudrücken des Oberkörpers.
„wir helfen“ will Kindern in Not helfen
Körperliche oder psychische Gewalt. Sexueller Missbrauch. Vernachlässigung. Alkohol- oder Drogenabhängigkeit der Eltern. Psychische Erkrankungen der Eltern. Überlastung beider oder aber eines Elternteils. Die Gründe, weshalb Kinder vorübergehend oder dauerhaft nicht in ihrer eigenen Familie aufwachsen können, sind vielfältig.
Die „Kölner Stadt-Anzeiger“-Aktion „wir helfen“ will ihre Nöte, aber auch die Nöte von Kindern, die auf der Flucht sind und aus diesem Grund ein neues Zuhause suchen, für ein ganzes Jahr beleuchten und zur Spende für Projekte aufrufen, die all diesen Mädchen und Jungen zur Seite stehen.
Kindheit und Zukunft gleichermaßen sind in Gefahr, wenn Mädchen und Jungen in ihrer nächsten Umgebung keinen Schutz, keine Privatsphäre und keine Förderung erhalten.
11.780-mal Verdacht auf Kindeswohlgefährdung
In Köln leben 163.702 Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre. 11.780-mal alarmierten im vergangenen Jahr Nachbarn, Polizisten, Lehrer oder andere den Gefährdungsmeldungs-Sofort-Dienst (GSD) der Stadt wegen des Verdachts auf Kindeswohlgefährdung. Woraufhin ein Team des Dienstes sich unmittelbar danach ein Bild von der Lage vor Ort machte und das Kind oder den Jugendlichen 2412-mal sofort mitnehmen und in fremder Obhut unterbringen musste. In eine von drei Aufnahmegruppen der Stadt oder von Vereinen wie dem Sozialdienst Katholischer Frauen (SKF) oder Auf Achse, die auch auf Spenden angewiesen sind.
Bundesweit immer mehr Kinder betroffen
Bundesweit ordneten Familiengerichte im Jahr 2011 darüber hinaus rund 12 700-mal den zusätzlichen Entzug des elterlichen Sorgerechts an, weil eine Gefährdung des Kindeswohls nicht anders abzuwenden war. Davon waren rund 4600 mehr Kinder betroffen als noch vor zehn Jahren. In Köln ist zudem die Verordnung ambulanter Hilfen für Familien um 32 Prozent gestiegen. Das sei aber, so der stellvertretende Jugendamtsleiter Klaus-Peter Völlmecke, mit einem Paradigmenwechsel in der Kinder- und Jugendhilfe zu erklären. „Ziel ist es, Familien früher ambulant zu helfen, damit das Kind bleiben kann und eben keine stationäre Unterbringung nötig wird.“
