Kölner ArbeitsagenturWegbegleiter durch den Berufsdschungel

Jugendliche in einer berufsbegleitenden Bildungsmaßnahme im Kolping-Berufsförderungszentrum
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Sertac Örmek steht stolz in der Küche des Kolping-Berufsförderungszentrums – auf der Arbeitsplatte vor ihm sind selbst gemachte Lachsröllchen und Käsestangen, Gurken mit Paprika-Creme und Pizzasnacks zu sehen. Endlich hat er Aussicht auf die ersehnte Ausbildung in der Gastronomie.
Darauf hat der 18-Jährige aus Bayenthal lange gewartet. Als er im vergangenen Jahr mit dem Realschul-Abschluss in der Tasche auf Ausbildungsplatzsuche ging, hagelte es Absagen. „Egal wo ich mich beworben habe, niemand wollte mich haben“, erläutert Sertac. Auch nach einem Überbrückungsjahr auf dem Berufskolleg sah es nicht anders aus. Völlig demotiviert landete er bei der Agentur für Arbeit.
Zeugnisnoten sind immer noch entscheidend
Direkt nach der Schule in die Ausbildung – am besten gleich im Traumberuf. So stellen sich viele junge Menschen ihre berufliche Zukunft vor. Grundsätzlich stehen die Chancen auf eine Ausbildungsstelle in Köln gar nicht so schlecht: 2012 gab es mehr offene Stellen als Bewerber. Gleichzeitig steigen jedoch die Anforderungen an die künftigen Lehrlinge: Zeugnisnoten sind immer noch entscheidend für die Einladung zum Vorstellungsgespräch. Zum Stichtag Ende September blieben 100 Jugendlichen ohne Ausbildungsplatz.
Um Jugendlichen ohne berufliche Perspektive zu helfen, bietet die Agentur für Arbeit berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen an. Zehn Monaten lang werden die Jugendlichen „fit gemacht, damit sie bei der nächsten Ausbildungsrunde in der ersten Reihe stehen können“, erläutert die Chefin der Kölner Arbeitsagentur, Roswitha Stock. 550 Kölner Jugendliche nehmen zurzeit an der kostenlosen Maßnahme teil. In den Werkstätten der Träger lernen sie Fachbereiche wie Hotel- und Gaststättengewerbe, Kosmetik und Körperpflege oder Gesundheit und Soziales kennen oder holen ihren Schulabschluss nach. Mit Erfolg: Etwa die Hälfte der Teilnehmer beginnt nach der Maßnahme eine Berufsausbildung. Nach der Handelsschule absolvierte auch Sertac eine berufsvorbereitende Maßnahme. Im Kolping-Berufsförderungszentrum hatte er einige Wochen Zeit, seinen Berufswunsch intensiv zu prüfen. Angeregt durch erste Erfahrungen in einem Minijob entschied er sich für den Schwerpunkt Hotel- und Gaststättengewerbe.
Letzte Chance auf einen Ausbildungsplatz
Im Qualifizierungsprogramm lernte er außer Kochen und Servieren auch den richtigen Umgang mit Kollegen, besuchte das Berufskolleg und fand schließlich eine Praktikumsstelle. Heute freut er sich über die Entscheidung: „Der Beruf macht mir so viel Spaß, dass ich auch zu Hause gerne koche“, sagt der 18-Jährige.
Im Kolping-Berufsförderungszentrum an der Hülchrather Straße bereiten sich derzeit 80 Jugendliche auf eine Ausbildung vor. Die meisten kommen von der Hauptschule und sind zwischen 17 und 25 Jahre alt.
In einem Friseurstudio, in einem Übungsraum für den Fachbereich Gesundheit und Soziales und in der Küche lernen sie, mit dem Arbeitsmaterial richtig umzugehen. Ein paar Räume weiter büffeln Jugendliche für den Schulabschluss. Regelmäßig gehen sie zum Bewerbungstraining und zur sozialpädagogischen Betreuung. Manche fühlen sich bei der Arbeit noch unsicher oder brauchen Unterstützung bei der Bewältigung von Konflikten.
Die berufsvorbereitende Maßnahme im Kolping-Berufsförderungszentrum sei seine letzte Chance auf eine Ausbildung gewesen, betont Sertac – und es habe sich gelohnt, sie zu ergreifen. Als der Chef seiner Praktikumsstelle ihm eine Ausbildung in Aussicht stellte, war er erleichtert: „Endlich kann ich den Kopf wieder oben tragen“, erläutert Sertac.
