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Mehr Taktgefühl, mehr Talente

3 min

Taktgefühl ist für den Feuertanz besonders wichtig.

Köln – Sie gehen nicht nur zusammen durchs Feuer. Die Kinder der Klassen 2a und 2b der GGS Weimarer Straße tanzen sogar dadurch. Mit einem Feuertanz. Sie reisen mit der Sonne von China bis Amerika. Sie sind Räuber und Detektive gleichzeitig. Sie trommeln wie Indianer im rhythmischen Kanon. Und all diese Rollenwechsel schaffen sie, ohne ihre Turnhalle verlassen zu müssen. Weil sie seit fast zwei Jahren von externen Musikprofis zusätzlich zum Musikunterricht darin unterwiesen und dabei begleitet werden.

Zwei Lieder, zwei Tänze und zwei Stücke mit Musikinstrumenten führten die Höhenberger Grundschüler bei ihrem ersten Konzert von Kindern für Kinder vor, was eine ganze Stunde Programm füllte und von ihren Mitschülern aus den anderen Klassen im Publikum mit langanhaltenden Applausstürmen belohnt wurde. Und neidlos stimmte Claudia Weber, Musik- und Klassenlehrerin der 2b, in das Klatschen mit ein, die wie Kollegin Ina Winterhoff aus der 2a eng in das Projekt eingebunden war: „Wir unterrichten Musik ja oft fachfremd. Das, was die externen Musikprofis hier den Kindern beibringen, könnten wir nie leisten.“ Allein nur der Aufbau aller Musikinstrumente würde eine halbe Stunde dauern. Zeit, die Lehrer im eng getakteten Lehrplan nicht übrig haben.

Möglich wurde die intensive Arbeit mit solch einer Vielfalt an Instrumenten nur durch ein Projekt der Sozialraumkoordination für Höhenberg und Vingst (Hövi) der Katholischen Jugendwerke e. V. sowie die Finanzierung durch private Spender und Sponsoren wie der Pro-Hövi-Stiftung. Doch das Geld reicht nur noch bis zu den Sommerferien. Dann endet das Modellprojekt, wenn sich nicht eine Anschluss-Finanzierung für die Kosten von 8000 bis 10.000 Euro pro Jahr findet.

Schulleiterin Petra Esser wünscht sich „so sehr, dass es weitergehen kann – durchgehend für alle ersten Klassen, die bei uns eingeschult werden“. Kinder wären heutzutage, wenn sie Musik hören, oft nur einem Klangbrei ausgesetzt; das einander Zuhören sei verloren gegangen. Sich einzelnen Tönen zu widmen, sich auf einen Rhythmus zu konzentrieren, selbst zu erzeugen und mit dem eigenen Körper zu spüren – in der Gemeinschaft, anderen Menschen zugewandt – habe dagegen viele positive Effekte nicht nur auf ihr Sozialverhalten. Jedem Trommel-Rhythmus wurde, um sich diesen besser zu merken, ein Satz oder Wort zugeordnet.

Das verbesserte auch die deutsche (Aus-)Sprache. Und keinen einzigen Schüler habe es gelangweilt. Selbst drei Kinder, bei denen ein Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom (ADS) diagnostiziert worden ist, leisteten im Projekt Erstaunliches, wobei sie im sonstigen Unterricht eher Schwierigkeiten hatten. Klassenlehrerin Winterhoff: „Sind sie sonst von allem sofort abgelenkt, blieben sie hier eine ganze Stunde konzentriert bei der Sache.“ Die Kinder profitierten enorm davon, was die Lehrerinnen auch auf die Tatsache zurückführen, dass die Musikprofis Externe sind. „Da kommt jemand von außen, der ihre Leistung nicht bewertet.

Das lässt sie sich viel befreiter ausprobieren, was sich dann auch beim schulischen Lernen positiv bemerkbar macht.“ Dirk Neumann, Kirchenmusiker in der benachbarten Gemeinde St. Theodor und im Projekt zuständig für Stimme, Gesang und Musiktheorie: „Das ist wie eine große Badewanne, in die sie eintauchen können mit all ihren großen und kleinen Begabungen. Hier findet jeder etwas, das er kann.“ Bei fünf Kindern zeigte sich schon früh ein Interesse daran, über das Projekt hinaus weiter musizieren zu wollen. Für sie werden nun Paten gesucht, die Unterricht (Gitarre/Schlagzeug) oder Geld für Unterricht geben können (25–30 Euro/Woche). Gefördert wird aber auch, wer nur zuhören lernen will. Neumann: „Es geht nicht darum, jedem Kind ein Instrument aufs Auge zu drücken. Allein Musik bewusst wahrzunehmen und zu genießen ist schon ein großer Gewinn.“

Ihr Können zeigen die Musikprojekt-Kinder beim Sommerfest mit Einweihung des sanierten Schulgebäudes am 8. Juni ab 11 Uhr, Weimarer Straße 28. Wer Pate werden will, wende sich an die Sozialraumkoordination, 02 21/2 94 28 19 oder: daniela.von-palubick@kjw-koeln.de