Abo

NetzwerkSchüler ernten die Früchte ihres Erfolges

3 min

Köln – Heute wird der Garten winterfest gemacht. Die Garten-AG der Katharina-Henoth-Gesamtschule beschneidet Himbeersträucher, steckt Beete für das nächste Frühjahr ab und baut Kästen, in denen pflanzliche Abfälle biologisch kompostiert werden können. Die Aktion findet aber nicht im Schulgarten statt, sondern auf dem Gelände des Biobauern Jürgen Roußelli an der Poll-Vingster Straße.

Sascha Niesen aus der Klasse 6b schneidet mit AG-Leiter Karl Schmitz die Himbeersträucher kurz. „Da muss man genau aufpassen, weil sie auf die richtige Länge gestutzt werden müssen, um den Winter gut zu überstehen“, sagt Sascha. Jürgen Roußelli gibt ihm nützliche Tipps. Larissa Klostermann und Denise Schminnes sammeln indessen die Pflanzenreste in einer Schubkarre und bringen sie in eine Ecke des Gartens. Dort bauen Mitschüler Kompostkästen, wo das pflanzliche Material zu wertvoller Erde verrotten kann. Andere AG-Mitglieder stecken wenige Meter weiter Beete ab, die sie im kommenden Frühjahr bepflanzen wollen.

Jüngster Partner ist die Jugendkunstschule

„Unsere Arbeitsgemeinschaft gehört zum Netzwerk Bio-Bildungslandschaft Höhenberg und Vingst, der Jürgen Roußelli einen Teil seines Grundstücks für Projekte überlassen hat“, sagt Lehrer Karl Schmitz, der auch die AG leitet. An der Bio-Bildungslandschaft beteiligen sich neben seiner Schule das Vingster Stadtteilbüro mit seinen Frauen- und Mädchengruppen und die Jugendwerkstatt Vingst. Jüngster Partner ist die Jugendkunstschule mit ihrem grünen Atelier. „Wir planen, einmal pro Monat ein Naturatelier für Vingster Kinder zu öffnen“, kündigte Leiterin Sisko Zielbauer an. Das Interesse der Schüler, in der Garten-AG mitzumachen, sei riesig. Schmitz: „Aber wir haben pro Schuljahr nur zwölf Plätze, und es gibt eine lange Warteliste.“ Sascha Niesen hatte noch Glück. „Ich wurde erst vor wenigen Tagen als Ersatzmann für einen Mitschüler ausgelost, der nicht mehr mitmachen konnte.“

Die Idee für die Biobildungslandschaft stammt von Tommi Grusch, dem Leiter des Stadtteilbüros. „Ich kannte Jürgen Roußelli schon länger, da ich auch bei ihm einkaufe“, erzählt der Initiator. Der habe ihm eines Tages mitgeteilt, dass noch Platz auf dem Gelände sei, auf dem man Projekte durchführen könne. Schließlich würden Großstadtmenschen kaum mit Natur in Berührung kommen und er als Biobauer könne das bieten. Grusch: „Also gründeten wir – das Stadtteilbüro, die Gesamtschule und die Jugendwerkstatt Vingst – die Bio-Bildungslandschaft Vingst.“ Frauengruppen bauen seit 2009 Blumen und Gemüse an. Kinder und Jugendliche beschäftigen sich in vielen Projekten mit allem, was mit Gartenbau und Landwirtschaft zu tun hat. Nach und nach kamen ein Gartenhäuschen und der Lehmbackofen hinzu, in dem die Teilnehmer selbst Brot oder Pizza backen.

Roußelli selbst ist mit den Ergebnissen seiner Initiative sehr zufrieden: „Klar, die Kinder und Jugendlichen bekommen relativ schnell Erfolgserlebnisse, indem sie beispielsweise ernten können, was sie wenige Wochen zuvor gesät oder angepflanzt haben.“ Das bereite allen Beteiligten große Freude. „Stellen Sie sich vor: Die Jugendlichen haben derart Spaß an ihrer Arbeit hier, dass sie sogar freiwillig auf eine Zigarettenpause verzichten, nur um das Projekt voranzubringen.“