SpendenzielGemeinsam gewaltfrei lernen

Ein Trainingskonzept soll die soziale Bildung von Schülern und Vorschülern fördern. (Symbolbild)
Copyright: dpa Lizenz
Köln – "Stopp - ich will das nicht!" In kleinen Schritten lernen die Erstklässler der Ganztagsschule Annastraße, Konflikte zu bewältigen. Dazu sitzen sie gemeinsam im Kreis auf dem Boden der Turnhalle und lauschen der Konflikttrainerin Julia Rüther.
"Das möchte ich nicht! Stopp, das tut mir weh" - zusammen mit der ausgestreckten Hand, ist es eine Art Ritual, das die Kinder einüben. Es ist bereits die dritte Stunde im Rahmen des Projekts "Gewaltfrei Lernen". Die Übungen sind also nicht mehr unbekannt, und die Kinder können bereits selbstsicher mitmachen. "Wir erziehen Kinder nicht zu Duckmäusern, wir wollen starke Kinder, die sich auch verbal äußern und wehren können", sagt Julia Rüther.
Sport steigert Motivation
"Gewaltfrei Lernen" ist ein Projekt, das in NRW an 140 und Deutschlandweit an 200 Schulen angeboten wird. Vier Wochen üben Konflikttrainer in den Schulklassen spielerisch mit den Kindern , stark zu sein und Konflikten aus dem Weg zu gehen, ohne dass Streit entsteht. Mit viel körperlicher Bewegung funktioniert das Training besonders gut, und der sportliche Einsatz steigert zusätzlich die Motivation der Kinder.
Das Besondere an dem Projekt ist außerdem, dass auch Lehrer und Eltern mit einbezogen werden, denn nur im engen Zusammenspiel mit allen Beteiligten ist eine positive Konfliktbewältigung möglich. "Wir wollen den Kindern zeigen, wie sie aus einer Situation gewaltfrei rauskommen. Und, wenn man ihnen das nur mal etwas anders zeigt, dann sehen sie, was möglich ist", sagt Julia Rüther. Das Anti-Gewalt-Training an der Grundschule Annastraße ist sehr wichtig, da die Schule in einem sozialen Brennpunkt liegt. Das Einzugsgebiet gehört zu den Gegenden mit der höchsten Kinderarmut in Köln. Bisher gingen manche Kinder oft sehr aggressiv miteinander um, und wenn es Streit gab, wurde der auch schon mal mit Fäusten ausgetragen. Seit 2009 gehört daher das Konflikttraining zum Schulalltag dazu. Schulleiterin Michaela Hegemann ist sich sicher, dass sie auf dem richtigen Weg sind. "Die Kinder sind ausgeglichener geworden. Es herrscht ein ganz anderer Umgang miteinander."
Projekte an 15 Schulen
Das Gewalttraining findet nun bereits zum dritten Mal statt. Wichtig ist, dass die bisherigen Kenntnisse immer wieder aufgefrischt werden und dass vor allem die neuen Schüler und Lehrer die Möglichkeit haben, neue Techniken kennenzulernen. Ohne eine Förderung eines externen Sponsors wäre das gar nicht möglich. Dieses Mal kommt eine Summe von der Catlin Gruppe, einem global tätigen Spezialversicherungsunternehmen. Damit können nun Projekte an insgesamt 15 Schulen realisiert werden, für die bislang die Mittel fehlten. Aber es stehen noch viele Schulen in und um Köln auf der Warteliste.
Die Schüler sind begeistert. Jan hat gelernt, wie er sich ohne Gewalt und Schimpfworte wehren kann, und Antonia weiß jetzt, wie sie den Siegergriff anwendet. Damit kann sie sich, wenn sie jemand in den Schwitzkasten zu nehmen versucht, schnell und selbstbewusst befreien. Hoffentlich wird sie den Trick nie brauchen.
