Streetworker-ProjektTrübe Aussichten am Kölnberg

Streetworker Franco Clemens, Sam (8) und Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes (v. l.) bei der Eröffnung des Büros.
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Köln – Dem Streetworker-Projekt der Rheinflanke GmbH am Meschenicher Kölnberg droht das Aus. Momentan fehlen dem Träger noch 50 000 Euro, um die Stelle des einzigen Sozialarbeiters Franco Clemens weiterhin bezahlen zu können. „Wir stehen mit der Stadt derzeit in Verhandlungen“, sagt Rheinflanke-Geschäftsführer Sebastian Koerber. „Eine Entscheidung ist aber noch nicht gefallen.“ Wenn kein positiver Anruf in den kommenden Tagen komme, müsse der Verein die Arbeit in der Hochhaussiedlung im Kölner Süden am Donnerstag einstellen.
Unterstützt werden mit der neuen Aktion „wir helfen – weil Lernen jedem Kind eine Chance gibt“ Initiativen, Projekte und Vereine, die von der frühkindlichen Förderung im Kleinkindalter bis zu Hilfen beim Übergang von der Schule in den Beruf bei Jugendlichen unterstützend wirken. Bislang sind 809 884,66 Euro eingegangen.
Die Spendenkonten:Kreissparkasse Köln Konto-Nr. 162155Bankleitzahl 37050299
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Kontakt: „wir helfen“, Amsterdamer Straße 192, 50735 Köln, Telefon 02 21/2 24-28 40 (Spenden/ 9–12.30 Uhr), -2241 (Förderung) und -2462 (Redaktion).
wirhelfen@mds.de
Erst im vergangenen Oktober hatte der Träger Rheinflanke mit Unterstützung von „wir helfen“ das Büro des Streetworkers eröffnet. Die Sozialarbeit in dem Viertel tut not: Nach einem Bericht der Rheinflanke leben auf dem Kölnberg mehr als 600 Kinder und Jugendliche. Viele davon in Familien, in denen Arbeitslosigkeit, Hartz-IV-Bezug und Schulden eine große Rolle spielen. Es gibt Kinder mit Flüchtlingsstatus, die wenig oder gar kein deutsch sprechen und Kinder von illegalen Einwanderern, die bislang keine Schule besuchten. „Ich habe selten Kinder gesehen, die sich so sehr gefreut haben, eine Schule besuchen zu dürfen“, sagte Clemens.
Clemens (48) ist es in den vergangenen Monaten gelungen, sich viel Vertrauen in den verschiedenen Szenen zu erarbeiten. „Es braucht Zeit, um sich hier zu etablieren“, sagt er. Clemens hat geholfen, fünf Kinder einzuschulen und zwölf Jugendliche in Praktika oder Jugendwerkstätten zu vermitteln. Mehrere Male hat sich Clemens vor Gericht für junge Menschen eingesetzt, die wegen Prügeleien, Einbrüchen oder Handydiebstählen vor Gericht standen. Einige von ihnen seien mittlerweile auf dem richtigen Weg – und hätten reguläre Jobs angenommen.
Latente Gewalt
Wenn das Büro des Sozialarbeiters nun geschlossen würde, „wäre das eine Zäsur“, betont Rheinflanke-Geschäftsführer Koerber. „Es werden in der nächsten Woche wohl nicht Autos am Kölnberg brennen, aber eine gewisse latente Gewalt gibt es im Viertel schon“, so Koerber. Die habe Clemens eindämmen können.
Am kommenden Mittwoch werden Clemens und die Mitarbeiter der Rheinflanke zum voraussichtlichen Abschied den Jugendlichen in Meschenich noch einmal Geschenke mitbringen. Von Fußballvereinen aus der Umgebung haben sie Trainingsanzüge und Trikots als Spende erhalten. „Damit machen wir den Mädchen und Jungen noch mal eine riesige Freude“, so Koerber.
