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Tafel in KölnWenn der große Hunger kommt

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Auch aus der benachbarten Schule kommen hungrige Kinder.

Köln – Eigentlich wollte Gabriele Gérard-Post nur ein paar Kleidungsstücke für bedürftige Kinder sammeln. Doch sie hatte die Spendenfreudigkeit in ihrem Bekanntenkreis schwer unterschätzt. „Bald hatten wir so viele Klamotten, dass unsere Garage voll war“, sagt die Unternehmerin. Es kamen nicht nur Hemden und Hosen, sondern auch Kinderbetten und Maxi-Cosi-Sitze. Um die Sachspenden lagern zu können, gründete Gérard-Post den Verein „Himmel un Ääd“ und mietete ein Ladenlokal am Kleinen Griechenmarkt an, in dem sie die Kleidung verteilte. Bald merkte sie aber, dass es vielen Kindern nicht an Kleidung, sondern an Essen fehlt. So kam 2007 die Essensausgabe hinzu.

Heute kommen täglich ungefähr 50 Mädchen und Jungen und erhalten eine warme Mahlzeit. Viele besuchen die benachbarte Hauptschule Großer Griechenmarkt, die zwar ein Mittagessen im Rahmen einer Übermittagsbetreuung anbietet, aber das kostet 80 Euro. „Viele Eltern können sich das schlicht nicht leisten“, sagt Gérard-Post. 115 000 Kölner leben von Hartz IV, 16 Prozent aller Kölner Kinder wachsen in Armut auf – Tendenz leicht steigend. Das Essen kommt aus der Küche des Mercure-Hotels am Severinshof, dass „Himmel und Ääd“ die Mahlzeit zu einem günstigen Preis verkauft.

Heute gibt es Reis und Geschnetzeltes in Currysauce. Punkt 13.40 Uhr kommt ein ganzer Pulk Jugendlicher herein. Die Atmosphäre ist freundlich, hier rund da werden kurze Gespräche geführt. Doch der Zug zum warmen Essen ist bei vielen Jugendlichen sichtbar, mancher lässt seinen Teller ein- oder zweimal nachfüllen. Es gebe Kinder, die hätten weder gefrühstückt, noch ein Mittagessen bekommen; andere würden fragen, ob sie ihrer Schwester daheim ein Brötchen mitbringen könnten, sagt Gérard-Post. Noch heute geht Gérard-Post schon mal mit einem der Jugendlichen los in die Stadt, um ordentliche Kleidung zu kaufen, damit er bei einem Vorstellungsgespräch eine gute Figur macht.

Sie kennt Franck, dessen Vater an Krebs gestorben ist und dessen Mutter nur noch auf dem Sofa sitzt und sich Seifenopern im Privatfernsehen ansieht. Sie kennt aber auch die alleinerziehenden Mütter, die es mit Job und Kind schwer haben, ihren Alltag zu meistern; die Mütter ohne Partner, die keine Kinderbetreuung finden, ihre Arbeit aufgeben müssen und so in Hartz-IV rutschen.

Hilfe bei Hausaufgaben

Mit dem Mittagessen ist es nicht getan. „Himmel un Ääd“ bietet den Kindern und Jugendlichen eine Hilfe bei den Hausaufgaben an und eine kostenlose Nachmittagsbetreuung. Studenten kümmern sich dann um die Mädchen und Jungen, üben mit ihnen Rechnen und Schreiben, helfen bei Bewerbungsmappen und bereiten auf Vorstellungsgespräche vor. Es wird gebastelt, zu Halloween entstehen Masken aus Kürbissen, zu Weihnachten festliche Sterne. In den Ferien organisiert der Verein mal eine Stadtrallye, mal einen Besuch im Spaßbad oder im Brauhaus. „Viele Kinder waren noch nie in einem Restaurant“, sagt Gérard-Post.

Der Verein finanziert Ladenmiete und Essen ausschließlich aus Spenden. 100 000 Euro müssen pro Jahr aufgebracht werden. Auch „wir helfen“ hat sich an den Kosten im vergangenen Jahr beteiligt. Gesucht werden noch ehrenamtliche Helfer sowohl für die Essensausgabe als auch für die Nachmittagsbetreuung. Anfrage bitte per E-Mail.

Die Essensausgabe des Vereins „Himmel und Ääd“ findet montags bis freitags von 12 bis 15 Uhr am Kleinen Griechenmarkt 81 statt. Die Nachmittagsbetreuung gibt es im Anschluss je nach Andrang bis um 17 oder 18 Uhr.

www.himmelunaeaed.de

vorstand@himmelunaeaed.de