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„Wir helfen“Lernen eröffnet Chancen

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Das Projekt „Brücken bauen“ der Diakonie Köln hilft Kindern aller Nationen beim Übergang von der Kita in die Schule.

Köln – Mark ist erst fünf Jahre alt. Aber hat schon mehr mitgemacht als mancher Erwachsene. Der Junge war lange sehr krank, bis ihm eine Niere seiner Mutter transplantiert werden konnte. Und heute ist er schon wieder in der Uni-Kinderklinik. „Seine Werte haben sich plötzlich verschlechtert“, so Mutter Karina Pleuger, die in der Nacht nur schnell seinen Schlafanzug und seine Zahnbürste griff und sich mit ihm auf den Weg in die Joseph-Stelzmann-Straße machte.

Jetzt ist der Spross wieder stabil und beäugt den Besuch zurückhaltend, aber neugierig. Als plötzlich Michaela Kiebert mit ihrer mobilen Bücherei anklopft und dem Jungen auf der Station „Kinder 1“ für akut kranke und nierenkranke Kinder etwas zu Lesen anbietet. Und damit ein Stück Normalität, so Oberarzt Lutz Thorsten Weber. „Hier haben die Kinder die Möglichkeit, selbst zu entscheiden.“ Eine Wahlfreiheit, die ihnen in ihrer Krankheit oft nicht gegeben sei. „Ich lese den Kindern auch vor“, erklärt Kiebert. „Auf jeden Fall versuche ich, mit ihnen ins Gespräch zu kommen.“ Für viele sei der Bücherwagen eine willkommene Ablenkung von ihrem sonst sehr sorgenbeladenen Alltag in der Klinik. „Das ist so ein bisschen wie Reisen im Kopf.“

Es gibt Kinder, die verbringen bis zu drei Monate hier. Andere sind immer wieder hier, für mehr oder weniger lange Zeit. „Nephrokids“ etwa – wie die Selbsthilfe von Eltern nierenkranker Kinder in Köln heißt. Der Initiative des Vereins unter Leitung von Michaela Peer ist zu verdanken, dass der Bücherwagen mehrmals wöchentlich von Zimmer zu Zimmer fährt. In diesem Jahr mit Geld von „wir helfen“.

Die „Kölner Stadt-Anzeiger“-Aktion bringt mit den Spenden, die ihr in den vergangenen zwölf Monaten anvertraut wurden, Bildung aber nicht nur zu Kindern, denen die Gesundheit fehlt – sondern vor allem zu denjenigen, denen es an Chancen aufgrund von sonstigen schweren Startbedingungen mangelt. „Bildungsbrücken bauen“ heißt etwa ein Projekt des Diakonischen Werks, das Kindern in sozialen Brennpunkten bereits im Kindergartenalter beim Wechsel in die Grundschule hilft. Aber auch der Übergang von der Schule in den Beruf wird mit vielen Projekten gefördert, wie dem Angebot des Handwerkerinnenhauses.

Ein Angebot nur für junge Männer bietet der Verein „Hennamond“, der ebenfalls unterstützt wird. Er bildet nach Berliner Vorbild junge Männer zu Vorbildern („Heroes“) für Gleichaltrige aus. Über jedes der 103 Spendenziele hat die „wir helfen“-Mitgliederversammlung mit Vertretern aus Politik, Verwaltung und Kirche gründlich beraten, nachdem die Initiativen vor Ort begutachtet wurden. Die „wir helfen“-Vorsitzende Hedwig Neven DuMont dankt allen Spenderinnen und Spendern, die die Hilfe möglich gemacht haben. „Es ist Ihr Geld. Wir werden es verantwortungsvoll für die Kinder investieren.“