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„wir helfen“Mit der Linie 1. FC Köln in Fahrt

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Emre (von links), Marcel, Dilan, Pamela und Aous beim Chillen auf den Sitzsäcken im Bus.

Köln – Bengalo-Idioten. Von Gegenständen getroffene und verletzte Spieler oder Schiedsrichter. Begegnungen vor leeren Rängen als Strafe für alle Fans. Verabredete Schlägereien, Angriffe auf Fanbusse. Wenn es im Umfeld von Fußballspielen zu Ausschreitungen kommt, lässt der Ruf nach härteren Strafen oft nicht lange auf sich warten. Aber wer redet schon von Prävention? Carsten Blecher und Andreas Schmidt tun es von Berufs wegen. Und vor allem: Sie belassen es nicht beim Reden.

Wenn der Bus mit dem Diplom-Sozialpädagogen und dem Diplom-Sozialarbeiter des Kölner Fanprojekts der Jugendzentren Köln gGmbH irgendwo haltmacht, werden Jugendliche sofort auf ihn aufmerksam. Sehen sie die ins Auge fallenden Graffiti auf dem ausrangierten Erdgasbus, wissen sie, hier treffen sie Gleichaltrige, hier wird selbst gekickt, aber hier gibt es eben auch Infos, die aufklären – etwa über polizeilich verbotene Symbole des Rechtsextremismus auf Fahnen und Abzeichen sowie deren Bedeutung.

Auch der 1. FC Köln unterstützt die Arbeit

Das pädagogische Fanprojekt stellt seit dieser Saison einen Bus als Anlauf- und Beratungsstelle für junge FC-Fans vor die Südkurve. Der Bus ist sowohl vor als auch nach jedem Heimspiel geöffnet. Hier stehen sie bereit, „angequatscht“ zu werden, und arbeiten seit Jahren kontinuierlich daran, Jugendliche wieder enger an den Verein anstelle fragwürdiger Kreise zu binden. Diese Aufgabe sieht das „Nationale Konzept Sport und Sicherheit“ (NKSS) vor.

Die Finanzierung dieser Arbeit erfolgt nach dem NKSS zu je einem Drittel durch Stadt, Land und Deutscher Fußball Liga. Auch der 1. FC Köln unterstützt die Arbeit. Doch für alles, was darüber hinausgeht, müssen Sponsoren gefunden werden. Wie das, wofür das Projekt jetzt die „wir helfen“-Spenderinnen und Spender um Unterstützung bittet.

Es fehlen rund 31 000 Euro

Die Pädagogen und Sozialarbeiter wollen weit vor den Stadion-Toren mit ihrer Arbeit beginnen und dafür verstärkt mit Schulen und Jugendzentren kooperieren. Doch dazu fehlen rund 31 000 Euro. „Wir wollen die Jüngeren erreichen. Präventiv, damit es eben nicht aus dem Ruder läuft“, sagt Andreas Schmidt und zitiert DFB-Ehrenpräsident Theo Zwanziger: „Wenn es die pädagogischen Fanprojekte nicht schon gäbe, müssten sie erfunden werden.“

Die ersten Schulen haben bereits Interesse signalisiert. Die Förderschule Rosenzweigweg in Köln-Zollstock würde es begrüßen, der Fanprojekt-Bus hielte vom Herbst an einmal wöchentlich zwischen Schule und Park, damit ihre Schüler auch im Übermittagsbereich Sport, Ernährung und Entspannung mit dem Angebot erfahren.

Das Konzept des Fanprojekts sieht vor: Erst wird gekickt, dazu würde an sie kostenlos Wasser und Obst ausgegeben werden. Und zum Abschluss geht es zum gemütlichen Abhängen in die großen Sitzkissen in das Innere des Busses. Carsten Blecher weiß: Fanprojekte können Gewalt nicht verhindern. Aber sie können vorbeugend wirken, bevor sie entsteht. „Wir müssen früh ansetzen, bevor Jugendliche zu Ultras werden.“

Gewalt- und Straftaten verhindern

Christoph Geißler, Fachberater des Trägers JugZ gGmbH, erwartet ebenfalls nicht von seinen Mitarbeitern, dass sie Gewalt- und Straftaten verhindern können. „Sie arbeiten präventiv ebenso wie mit gewaltgefährdeten jungen Menschen.“ Und das ist schon weit mehr, als die Allermeisten tun. Über Fußball auf dem eigenen mobilen Street-Soccer-Court gelinge das. Blecher: „Es geht um das Prinzip Lernen an außergewöhnlichen Orten.“

Es geht darum, sich anders abzureagieren und auch zu lernen, zu entspannen. „Und der Fußball sorgt für den entsprechenden Spaß dabei.“ 200 Jugendliche gehen bei einem Heimspiel in dem Bus ein und aus.