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Wir helfenMit viel Schwung durchgestartet

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United Revival, die Mädchentanzgruppe aus Lucky’s Haus in Bilderstöckchen, gab sich ebenfalls die Ehre.

Köln – Die Markise hat sich schon bewährt. Doch der Sonnenschutz für die Bühne musste leider als Regenschutz dienen, als auf dem Dellbrücker Marktplatz der Hip-Hop-Truck des Sozialdiensts Katholischer Männer (SKM) eingeweiht wurde. Er wird fortan immer dienstags und donnerstags von 17 bis 21 Uhr hier haltmachen und soll Jugendlichen, die sonst an der Haltestelle oder auf Plätzen für Kleinkinder abhingen, als Anlaufpunkt dienen, damit sie nicht länger aus Langeweile zu viel Alkohol konsumieren und Dummheiten machen.Angeschafft wurde der Lastwagen mit Container auf einem Hänger mit dem Geld der Spenderinnen und Spender von „wir helfen“. Die Hit-Stiftung sowie die Stiftung Wohlfahrtspflege NRW unterstützten das Projekt – sie übernahmen die Personalkosten. Gemeinsam ist es nun möglich, jeweils zweimal wöchentlich die rechtsrheinische sowie linksrheinische Haltestelle in Worringen anzufahren. In und um den Truck herum können sich die Kinder und Jugendlichen aufhalten, mit Tanz oder Musikproduktionen beschäftigen. Sogar ein kleines Studio, aber auch eine gemütliche Sitzecke als Rückzugsraum für Hausaufgabenhilfe oder gemeinsames Fernsehen sind an Bord. Besucher Leo Lauterbach (18), der bislang aus Holweide immer bis nach Bilderstöckchen zu Lucky’s Haus des SKM reisen musste, ist froh: „Ich mache selber Songs. Hier kann ich meine Erfahrungen an Jüngere weitergeben.“ Worum es in seinen Liedern geht? „Um Respekt. Es geht immer nur um Respekt.“

„Respect and connect“ war auch das Motto des Programms zur Einweihung, zu dem Erzieher Christian Schons alias Cizzah mit den Jugendlichen rappte: „Endlich wird die Jugend dort abgeholt, wo sie steht – und es ist wirklich schön zu sehen, dass so was geht – wir kümmern uns nicht nur um die Kinder der Gastarbeiter – unterstützt von »wir helfen«, der Aktion vom »Kölner Stadt-Anzeiger«.“

Seit Mai war der Truck schon versuchsweise an beiden Standorten. Franco Verbeek, Erzieher im Anerkennungsjahr beim SKM und Fahrer des Trucks, findet, er werde bereits gut angenommen. „Die Jugendlichen finden das alle super, dass wir da auftauchen.“ Die Identifikation mit dem Gefährt sei bereits sehr groß. Parken noch Autos auf der für ihn zweimal wöchentlichen reservierten Platzfläche, reklamieren die Heranwachsenden diese als ihre. „Die betrachten das schon als feste Einrichtung.“ Als der Truck erstmals hier hielt, überwog noch Skepsis, erinnert sich Verbeek. „Die haben nur geguckt und waren wieder weg.“ Dann ging Verbeek zu dem Spielplatz an der Kemperwiese, wo sich die Cliquen gerne treffen. „Und gleich kamen zwölf mit. Und die kommen jetzt auch immer wieder.“ 12 bis 17 Jugendliche schon jetzt regelmäßig. In Worringen, wo der Truck das derzeit geschlossene Jugendzentrum ersetzt, sind es noch mal genauso viele. Verbeek ist Kopf und Herz des Truck-Projekts. Er arbeitete ehrenamtlich für den SKM, inzwischen lernt er Erzieher an der Bundeswehrfachschule. Und: Er ist derzeit der Einzige, der das mobile Jugendzentrum fahren kann. Der 31-Jährige war acht Jahre bei der Bundeswehr unter anderem im Transportwesen und hat dort alle Fahrerlaubnisklassen erworben. Was für den SKM ein Glücksfall ist, ist zugleich seine größte Sorge. Fachbereichsleiterin Margret Hees: „Was, wenn er in Urlaub ist oder krank wird?“ Ende September fällt er das erste Mal aus – eine Vertretung ist nicht Sicht. „Vielleicht will sich ja ein pensionierter Busfahrer ehrenamtlich engagieren?“

Kontakt über Margret Hees, 02 21/2 07 44 27.margret.hees@skm-koeln.de