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Bericht über SchließungslisteWackelt die Galeria-Filiale auf der Hohe Straße?

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Außenansicht des Galeria-Gebäudes Hohe Straße mit Kaufhof-Schriftzug.

Der ehemalige Kaufhof auf der Hohe Straße braucht Investitionen in Millionenhöhe.

Laut einem Medienbericht soll die Galeria-Filiale auf der Hohe Straße wackeln. Das Unternehmen dementiert, doch die Zeichen für eine erneute finanzielle Schieflage mehren sich.

Beim Warenhauskonzern Galeria rumort es kräftig. In den vergangenen Wochen meldeten sich in überregionalen Medien vermehrt Insider zu Wort, die Konflikte und finanzielle Nöte im Unternehmen beschreiben. Nun berichtet die Wirtschaftswoche von einer „Exit-Liste“, die intern kursieren soll. Einer von zwei Schließkandidaten soll demnach das Galeria-Flaggschiff auf der Kölner Hohe Straße sein. 

Filialgeschäftsführer Wenkal Bathija sagt auf Anfrage des „Kölner Stadt-Anzeiger“, es gebe weder eine Liste noch Schließungen. Das sei „absoluter Quatsch“. Aus der Unternehmenskommunikation des Warenhauskonzerns war zur Schließungsliste bis Redaktionsschluss kein Kommentar zu bekommen.

Immenser Investitionsstau auf der Hohe Straße

Im Zuge der vergangenen Insolvenz vor rund eineinhalb Jahren hatten Insolvenzverwalter und Management niedrigere Mietpreise verhandelt und so unter anderem die Kölner Filiale auf der Breite Straße in letzter Minute retten können. Bei der Filiale auf der Hohe Straße war relativ früh klar, dass sie es noch einmal schaffen würde – obwohl hier dringend investiert werden musste.

Der Kölner Wirtschaftsdezernent Andree Haack hatte im Zuge der vergangenen Insolvenz öffentlich angemahnt, dass Geld in das Haus fließen müsse, „denn der Immobilieneigentümer hat eine umfangreiche Sanierung immer wieder verschoben“. Er würde auf Gespräche mit dem Galeria-Management dringen. Diese hätten stattgefunden, heißt es von der Stadt Köln auf Anfrage. „Zu den Ergebnissen dieser Gespräche möchten wir der Kommunikation des Eigentümers nicht vorgreifen“, so ein Sprecher. Insider berichten davon, dass der Investitionsstau nach wie vor immens sei.

Weniger Kunden, Umsätze unter Plan

Ob das Galeria-Management Millionen in die Rettung der Filiale auf der Hohe Straße stecken kann und will, bleibt fraglich. Noch im Dezember hatten die Galeria-Chefs Tilo Hellenbock und der mittlerweile von Bord gegangene Christian Sailer im Interview mit der Süddeutschen Zeitung berichtet, dass weniger Menschen in die Geschäfte kämen und die Umsätze im Oktober und November, die ersten beiden Monate des Galeria-Geschäftsjahres, leicht unter Plan geblieben seien. Die Warenhauskette stehe auf einem soliden finanziellen Fundament und sei für das Jahr 2026 „stabil durchfinanziert“.

Das Fachmagazin Textilwirtschaft hatte indes berichtet, dass die Zahlen so mau gewesen sein sollen, dass sich erste Manager sorgen um die Liquidität und die finanzielle Zukunftsfähigkeit des Konzerns machen würden. Und die Januar-Umsätze sollen Berichten zufolge weiter stark rückläufig sein. Wie das Weihnachtsgeschäft in den Kölner Häusern gelaufen ist, beantwortet Galeria auf Nachfrage nicht.

Köln ist „Negativbeispiel“

Was die beiden Galeria-Manager Hellenbock und Sailer im SZ-Interview zum Standort Köln sagten, lässt aufhorchen. In Städten, die auf Erreichbarkeit, Sauberkeit und Sicherheit achten, würden die Galeria-Filialen „deutlich besser“ laufen. Köln sei ein Negativbeispiel, die Stadtpolitik habe sich nicht mehr um die Innenstadt gekümmert, auf der Schildergasse laufe der sukzessive Verfall. Das Resultat, so Hellenbock: wachsender Leerstand, immer schneller wechselnde Geschäfte, sinkende Qualität und damit sinkende Kaufkraft. 

In den kommenden drei bis fünf Jahren wollen die Galeria-Chefs mehr als 100 Millionen Euro in die Weiterentwicklung der Standorte investieren. Allerdings nur dort, wo man die Profitabilität verlässlich steigern könne. Ob das auf der Hohe Straße der Fall sein kann? Spätestens, wenn der Mietvertrag ausläuft und neue Konditionen verhandelt werden, könnte es eng werden.   

Wie uneins sich die Management-Riege sein muss, zeigt sich an diversen Personalabgängen und Wortmeldungen. Mehr als 20 Manager, darunter Ex-CEO Olivier van den Bossche, haben Galeria 2025 verlassen. Es ist unter anderem die Rede von Unstimmigkeiten in Bezug auf die Rabattpolitik: Die hohen Abschläge, mit denen die Ware teilweise verkauft wird, lassen den Ertrag sinken – und das in einer Phase, wo die traditionell schwachen Monate zu Jahresbeginn noch bevorstehen und Investitionen dringend nötig sind, um künftig mehr Kunden in die Häuser zu locken. 

Für Unmut sorgte deshalb auch ein Bericht der Lebensmittelzeitung (LZ). Das Fachblatt schrieb, dass einige Anteilseigner auf Dividendenzahlungen in Millionenhöhe pochen würden. „Unsere Erwartung ist, dass die Anteilseigner Geld in das Unternehmen investieren, anstatt mit dem Gedanken zu spielen, Mittel zu entnehmen“, heißt es in einem Betriebsratsschreiben. Zum Bericht der LZ hat sich Galeria bis Redaktionsschluss nicht geäußert.

Ein Zeichen, dass das neue Jahr bei Galeria ebenso turbulent weitergeht, war eine kurze Pressemitteilung des Unternehmens am 7. Januar: Die Shareholder hätten Christian Sailer von seiner Funktion als Finanzchef abberufen. Norman Krotten, der das Lebensmittel- und Gastronomiegeschäft bei Galeria verantwortet, werde interimistisch übernehmen.