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Das ist die Gothaer

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Herr Eichmann, die Niedrigzinsen setzen allen Versicherern zu. Was würden Sie EZB-Präsident Draghi gerne sagen, wenn Sie ihm begegnen würden?

Ich würde ihm sagen, dass sein Weg grundsätzlich richtig war, um die Krise damals in den Griff zu bekommen – auch wenn der Ankauf von Staatsanleihen ein Sündenfall war. Aber die EZB sollte nicht überziehen. Wenn Geld nichts mehr wert ist, wird das zum Hemmschuh für die wirtschaftliche Entwicklung.

Der Wettbewerber Generali hat vor kurzem seine Lebensversicherungssparte verkauft. Auch andere Versicherer denken darüber nach, das Geschäft loszuwerden.

Um es ganz klar zu sagen: Für die Gothaer kann ich solche Pläne definitiv ausschließen. Man sollte sehr sorgfältig abwägen, ob das Leistungsversprechen eines Versicherers durch solche Entscheidungen nicht stark beschädigt wird und die Reputation einer Marke dauerhaft leidet. Bei den Kunden, aber auch den Vertriebspartnern führt so etwas zu großer Verunsicherung.

Die Gothaer hat jüngst den Verkauf ihrer polnischen Tochter angekündigt. Ist das ein Signal für den Rückzug aus dem Ausland?

Wir überprüfen regelmäßig, ob unsere Beteiligungen noch zu unserer Gesamtstrategie passen. Im polnischen Markt waren wir eher ein kleiner Player und in dieser Kategorie fühlen wir uns nicht wohl. Wir fokussieren uns stärker auf unseren Kernmarkt in Deutschland und setzen hier auf Wachstumsfelder wie etwa die Cyberversicherung oder neue Angebote im Gewerbe- und Firmenkundenbereich. Außerdem bauen wir Zukunfts-Felder wie Erneuerbare Energien weiter aus, wo wir sehr früh am Markt waren. Und zwar nicht nur als Versicherer für die Anlagen und mittlerweile die Speicherkapazitäten, sondern auch als Kapitalanleger, mit rund drei Prozent unseres Anlagevermögens. Damit haben wir eine deutlich höhere Quote als der Großteil unserer Wettbewerber. Wir wären natürlich auch an größeren Infrastrukturprojekten interessiert.

Dafür gibt es in Deutschland bis jetzt allerdings wenig Bereitschaft .

.. Ich bin fest davon überzeugt, dass große öffentliche Bauprojekte privat besser gemanagt werden. Die Diskussion wird in meinen Augen hierzulande zu ideologisch geführt.

Die Gothaer investiert in Pflegeheime. Nun sind die ersten Einrichtungen mit Investorenbeteiligung wegen schlechter Bedingungen in die Kritik geraten. Wie stellt man sicher, dass dies bei den eigenen Beteiligungen nicht der Fall ist?

Pflegeeinrichtungen sind ein Zukunftsfeld und wir haben über einen Fonds einen dreistelligen Millionenbetrag in Einrichtungen in Deutschland investiert. Die Qualität der Pflege wird zum einen regelmäßig durch Experten überprüft. Zum anderen wurde ein Bonussystem vereinbart, über das eine hohe Pflegequalität prämiert wird. So wird sichergestellt, dass es den Menschen dort gut geht.

Die Digitalisierung verändert auch die Versicherungsbranche nachhaltig. Wie behauptet man sich da als mittelgroßes Unternehmen?

Wir setzen überall da auf Digitalisierung, wo sie Prozesse einfacher und schneller macht, unsere Mitarbeiter entlastet und unseren Kunden einen besseren Service bietet und zwar aus uns selbst heraus. Ich bin froh, dass wir nie Millionen Euro nach Berlin getragen haben, um dort in Start-ups zu investieren – in der vagen Hoffnung, dass etwas daraus wird. Mit unserer Größe sind wir selbst auch in der Lage, schnell zu agieren, kooperieren aber auch mit Fintechs.

Der Anspruch der Kunden an den digitalen Service hat sich deutlich erhöht.

Die Kunden treten über das Internet und über ihr Smartphone in direkten Kontakt zu uns und wenden sich für einfache Themen nicht mehr so häufig an ihren Vertreter. Deshalb braucht der Kunde im Netz maximalen Komfort und einfache Bedienung. Wenn die Menschen merken, dass es woanders schneller und einfacher ist, wandern sie ab. Heute ist es der Kundenkomfort, der Loyalität schafft.

Sie wollen das Unternehmen neu aufstellen. Sicher sind nicht alle Mitarbeiter bereit dazu. Wo setzt man da an?

Wir haben ein umfangreiches Programm aufgesetzt, das die Veränderungsfähigkeit in der Belegschaft fördert. Außerdem haben wir eine große Zahl hochqualifizierter Mitarbeiter, die sich für neue Entwicklungen begeistern. Man muss sie ermächtigen zu agieren. Da steht die Kompetenz im Vordergrund, nicht die Hierarchie.

Aber lässt die Hierarchie denn dann auch die Kompetenz tatsächlich entscheiden?

Grundsätzlich ja, mit einigen Ausnahmen, an denen wir arbeiten. Wir können diesen Veränderungsprozess nicht vorantreiben, wenn wir nach dem alten Allmachtsanspruch vorgehen „Einige wenige da oben wissen alles besser“. Das ist nicht mehr zukunftsweisend.

Viele Verwaltungstätigkeiten werden wegfallen. Bis zum Jahr 2020 wollen Sie 15 Prozent der Stellen abbauen. Wird das reichen?

Das ist schwer zu sagen. In einigen Bereichen werden in den nächsten Jahren neue Stellen geschaffen, andere werden wegfallen. Wir befinden uns in einem stetigen Veränderungsprozess, der wohl nie abgeschlossen sein wird. Wenn man den ersten Berg erklommen hat, ist schon wieder der nächste in Sicht, den es zu überwinden gilt.

Karsten Eichmann, Jahrgang 1961, ist seit dem 1. Januar 2014 Mitglied des Vorstands der Gothaer Versicherungsbank VVaG und wurde kurz danach Vorstandsvorsitzender der Versicherung. Er verantwortet die Konzernstrategie sowie die Bereiche Risikomanagement/Controlling/Revision, strategische Beteiligungen, Recht, Personal und Führungskräfteentwicklung. Nach seinem Studium der Betriebswirtschaftslehre und der Promotion in Augsburg startete Eichmann seine Karriere 1993 bei der Allianz Lebensversicherung AG in Stuttgart.

Anschließend zeichnete er für Vertrieb und Marketing bei der Versicherungskammer Bayern verantwortlich.

2004 wechselte er zur Generali Deutschland. Dort war er von 2004 bis 2008 Vorstandsvorsitzender der Advocard Rechtsschutzversicherung AG, wurde ab 2007 auch zum Vertriebsvorstand der Central Krankenversicherung AG und der Envivas Krankenversicherung AG berufen und übernahm dann 2010 das Vertriebsressort bei der Generali Versicherung AG sowie der Generali Lebensversicherung AG.

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