Die Gründer haben dank einer weinverrückten Familie Zugang zu den berühmtesten Weingütern Frankreichs.
Unternehmen Berghaus & Cie.Diese Kölner investieren in die besten Weine der Welt – und machen Millionen

Tristan Berghaus (v.l.), Dennis Pelzer und Peter Irnich investieren in die gefragtesten Weine der Welt.
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Das Château Lafite Rothschild ist eines der berühmtesten Bordeaux-Weingüter der Welt. Seine Anbaugeschichte reicht bis ins 17. Jahrhundert zurück. Der Wert des Jahrgangs 1996, der nach zwei Jahren Fassreifung auf den Markt kam, ist bis heute im Schnitt um 7,86 Prozent pro Jahr gestiegen. Eine einzelne Flasche des Rotweins kostet derzeit im europäischen Schnitt 882 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer. Ein Champagner von Dom Pérignon des gleichen Jahrgangs, seit 2004 auf dem Markt, steigt im Jahr durchschnittlich um 7,90 Prozent im Wert. Für eine Flasche wird aktuell ein Preis von 384 Euro plus Mehrwertsteuer aufgerufen.
Diese Rechenbeispiele der führenden Weinbörse Liv-Ex aus London führen Tristan Berghaus und Peter Irnich an, wenn sie Menschen davon überzeugen wollen, ihre Kunden zu werden. Sie sind die Gründer und Geschäftsführer des Kölner Unternehmens Berghaus & Cie., das laut ihrer Aussage seit dem Start vor vier Jahren profitabel ist und heute einen Jahresumsatz in Millionenhöhe schreibt. „Wir haben einen sechsstelligen monatlichen Umsatz“, sagt Berghaus.
Steuerfreie Lagerung in Genf
Seit Jahrhunderten investieren Menschen in Wein und handeln mit ihm. Und doch ist eine Wertanlage in Weine im deutschsprachigen Raum bislang vor allem Privatsache: Liebhaber kaufen Weine und Schaumweine aus Bordeaux, Burgund und der Champagne, aus den USA und Italien – und lagern sie dann im privaten Weinkeller.
Berghaus und Irnich haben das Geschäft professionalisiert. Sie kaufen eine oder mehrere Paletten exklusiver Weine aus Frankreich, Italien und den USA und bringen ihn in den Zollfreihafen von Genf. Er gilt dort als nicht in die Schweiz importiert, es fallen weder Zölle noch Steuern an. Über ihre digitale Plattform bieten sie die Weine ihren Kunden kistenweise zum Kauf an. Dafür nehmen sie ebenso eine Gebühr wie für die Lagerung in einem streng abgeriegelten Gebäude im Genfer Zollfreihafen bei 13 bis 14 Grad Raumtemperatur und 70 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit. Kundinnen und Kunden bekommen eine digitale Übersicht ihres Portfolios und dessen Wertentwicklung.
„Wir haben jetzt ein paar Hundert Kunden“, sagt Tristan Berghaus. Auf der Homepage führt seine Firma den Geschäftsführer eines großen Kölner Immobilien-Unternehmens als Kunden, ebenso eine Kölner Schönheitschirurgin. Die durchschnittliche Anlagehöhe betrage etwa 50.000 Euro, aber schon ab 5000 Euro sei ein Investment sinnvoll. „Viele starten zwischen 10.000 und 20.000 Euro und kaufen dann sukzessive nach.“
Für den unternehmerischen Erfolg macht Peter Irnich auch Mitgesellschafter Dennis Pelzer verantwortlich, der eigentlich im Kölner und NRW-Markt mit Logistikimmobilien unterwegs ist. „Er hat uns Unternehmertum beigebracht.“ Der 44-Jährige lernte Berghaus und Irnich kennen, als er bei ihnen Weingeschenke für seine Kunden bestellte – ein temporäres Geschäftsmodell. Damals warteten sie noch auf das Gutachten einer Wirtschaftsprüfungskanzlei, das ihnen später bestätigte, dass ihr steuerfreies Lagermodell rechtlich einwandfrei ist. Pelzer erkundigt sich nach ihrer eigentlichen Idee und steigt schließlich ein.
Wann der Wert des Weins wächst
Mit Beginn der Trinkreife eines Weins steigt sein Wert. Das bereits begrenzte Angebot eines Jahrgangs verringert sich durch den Verzehr, gleichzeitig steigt die Nachfrage über die Zeit. Hat ein Wein oder Champagner eine ordentliche Preisentwicklung durchlaufen, verkaufen die Kölner ihn in Absprache mit dem Besitzer wieder – an Händler oder über die Londoner Weinbörse. Danach gingen viele Weine nach Asien oder in die USA, sagt Dennis Pelzer. Dort gebe es viele Menschen, die nicht nur viel Geld haben, sondern kulturell auch so geprägt seien, ihren Reichtum zur Schau zu stellen.
Auf dem deutschen Markt haben die Kölner kaum Konkurrenz. In Hamburg sitzt Liquid Grape, der einzige Wettbewerber, der seinen Kunden wie Berghaus & Cie. eine digitale Handelsplattform bietet. Es gibt noch Vinesia, aber die sind in Luxemburg ansässig. Und in Essen sitzt die Collectors Wine World, die ihren Kunden Anlagen in exklusive Weinpakete und deren Lagerung anbietet. Danach wird es dünn, weitere Anbieter im deutschsprachigen Raum zu finden, ist beschwerlich.
Noch viel schwieriger ist es aber, überhaupt einen Zugang zu den besten Weingütern der Welt zu bekommen. Tristan Berghaus hat es, auch dank seiner Familie, geschafft. Von seinem Mitgründer Irnich wird Berghaus beim Besuch des „Kölner Stadt-Anzeiger“ am Firmensitz im Gewerbegebiet in Köln-Kalk „Mr. Wein“ genannt. Tristan Berghaus wurde in England geboren und reiste mit seinen Eltern schon als Kind in Weinregionen in den Urlaub. „Mein Vater hat mit uns über die Besonderheiten der Regionen gesprochen, wollte die lokalen Weine kennenlernen und die Geschichten dahinter erfahren“, erzählt der 28-Jährige.
So richtig entdeckte Berghaus Wein für sich aber vor zehn, zwölf Jahren, da verfingen die Erzählungen des Vaters. „Ich habe entdeckt, dass mehr hinter Wein steckt.“ Es klinge trocken, sagt er, aber vor allem habe ihn „die Akademik hinter dem Wein“ fasziniert. „Tausende Rebsorten, jedes Jahr ein neuer Jahrgang – man wird ein Leben lang nie alles über Wein wissen.“
Aus der Leidenschaft ist ein Unternehmen erwachsen, das nach Angaben der Gründer „läuft wie geschmiert“. Und zwar auch, weil Tristan Berghaus das hat, was er den „goldenen Schlüssel“ nennt. Er meint damit den direkten Zugang zu den Weingütern in den besten Lagen Frankreichs. Vor zwei Generationen sei ein Zweig der Familie aus England nach Bordeaux ausgewandert und habe dort in eine Winzerfamilie eingeheiratet.
Das Weingut in Pessac-Léognan sei irgendwann verkauft worden, aber die Verbindungen zu den alten Familien der Region, die gebe es weiterhin. Und damit auch gute Kontakte zu Zwischenhändlern, sogenannten Négociants, die sich über Jahrhunderte die Exklusivrechte für Weingüter gesichert haben und an denen kein Weg vorbeigeht – die man aber eben auch nicht mal so anrufen kann, um ein paar Kisten Wein zu bestellen. „Man kauft einen solchen Wein nicht einfach“, sagt Peter Irnich. „Man bewirbt sich um den Kauf und muss viel manövrieren und telefonieren, um ihn schließlich kaufen zu dürfen.“ Berghaus & Cie. darf.
Bei aller Begeisterung für das Thema Weininvestment sagen die Gründer auch: Nicht jeder sollte in Wein investieren. Wer keine anderen Anlageklassen habe und mit Wein starten wolle, sei falsch. Auch, weil der Anlagehorizont zehn Jahre und mehr beträgt. „Schnelle Rendite, schnelles Geld, das wollen wir nicht suggerieren“, sagt Mitgesellschafter Dennis Pelzer. Er rät zu einem Wein-Anteil von „maximal fünf bis zehn Prozent des Gesamtportfolios“.