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Geldanlage für FrauenStark umworben und schlecht beraten

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Sparst du noch oder investierst du schon? Immer mehr Frauen legen ihr Geld am Aktienmarkt an.  . RND

Sparst du noch oder investierst du schon? Immer mehr Frauen legen ihr Geld am Aktienmarkt an. . RND

Immer mehr Frauen legen Geld an der Börse an. Banken und Berater haben diese Zielgruppe für sich entdeckt und bieten spezielle Coachings und Anlageprodukte nur für Frauen. Doch Verbraucherschützer warnen vor hohen Provisionen, Fehlberatung und überteuerten Angeboten.

Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Frauen, die ihr Geld an der Börse anlegen, im Vergleich zu 2024 um rund eine Million gestiegen. Das ergibt die jährliche Auswertung des Deutschen Aktieninstituts. Für die Finanzbranche bedeutet das: Frauen werden als Zielgruppe immer interessanter. Sie sind ein boomendes Geschäft.

Und so werben viele Banken mit Online-Finanzschulungen nur für Frauen, einige haben auch Fonds aufgesetzt, die in Unternehmen mit besonderem Fokus auf Geschlechtergerechtigkeit investieren. Und auch in den sozialen Netzwerken tummeln sich immer mehr sogenannte Finfluencer, die ihr Angebot speziell auf Frauen ausrichten.

Mehr Einkommen, mehr Anlagevolumen

Alexandra Niessen-Ruenzi kann diesen Trend bestätigen. Sie ist BWL-Professorin an der Universität Mannheim und beschäftigt sich im Schwerpunkt mit geschlechts­spezifischen Unter­schieden an den Finanz­märkten. „Frauen sind zunehmend erwerbstätig und haben deshalb auch mehr Vermögen, das sie investieren können“, sagt sie. „Und an der Anlage dieses Vermögens haben Banken und Berater natürlich Interesse.“

Das hat durchaus gute Effekte. Denn dass Frauen ihr Geld investieren, statt es auf dem Girokonto liegenzulassen, ist essenziell für ihren Vermögensaufbau und ihre Altersvorsorge. Gerade weil Frauen im Schnitt immer noch deutlich weniger verdienen als Männer und im Alter ein wesentlich größeres Armutsrisiko haben, sollten sie sich mit dem Thema Finanzanlage beschäftigen, rät auch das Team der Bürgerbewegung Finanzwende.

Frauen werden systematisch schlechter beraten

Nur leider machen Anlageberater Frauen oft schlechtere Angebote. Eine Studie des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und der Uni Frankfurt ergab schon 2020, dass Banken Frauen systematisch schlechter beraten als Männer. So würden Frauen zum Beispiel weniger Alternativen angeboten, berichtet Niessen-Ruenzi. „Frauen wird eher gesagt: ‚Wir kümmern uns drum, wir machen das für dich‘, statt ihnen verschiedene Möglichkeiten aufzuzeigen“, erklärt die Wissenschaftlerin.

Die Studie hat außerdem ergeben, dass Bankberater Frauen im Durchschnitt teurere Anlageprodukte empfehlen als Männern. „Das hat wahrscheinlich auch damit zu tun, dass Frauen sich leider immer noch weniger gut mit dem Thema auskennen“, sagt Niessen-Ruenzi. Das Wissensdefizit bei Frauen bestätigt eine OECD-Bestandsaufnahme zur Finanzbildung in Deutschland von 2024. Demnach scheitern Frauen vor allem bei Themen wie Zinseszinsrechnung und Risiko-Rendite-Verständnis.

Eltern sprechen mit Mädchen weniger über Finanzen

Doch warum ist das so? Ein Grund könnte die unterschiedliche Sozialisierung sein. So wird in Familien mit Mädchen immer noch weniger über Finanzen gesprochen als mit Jungen. Und auch im Freundeskreis sprechen eher Männer über dieses Thema. Das zeigt eine Studie der Universität Mannheim aus dem vergangenen Jahr.

Umso wichtiger sei es, Wissen nachzuholen und gut informiert in ein Beratungsgespräch zu gehen. Dabei können Workshops exklusiv für Frauen durchaus helfen, sagt Niessen-Ruenzi und zitiert eine Schweizer Studie, die zeigt, dass Frauen sich aktiver beteiligen und mehr Fragen stellen, wenn sie unter sich bleiben.

Influencer locken Frauen in teure Schulungen

Es gibt aber auch unseriöse und unqualifizierte Frauen-Coachings, warnt die Verbraucherzentrale Hamburg. In einer stichprobenartigen Untersuchung haben sich die Verbraucherschützer 22 Anbieter von frauenspezifischer Finanzberatung im Internet angeschaut. Dabei kam heraus, dass viele nicht transparent über ihre Kosten informieren und auch mögliche Provisionen nicht ausweisen. Außerdem hatten viele der Finanzcoaches keine seriöse Zertifizierung.

Frauen-Fonds sind reines Marketing

Die Finger lassen sollten Frauen auch von Fonds, die speziell für Frauen designt sind. „Sie sind schlicht unnötig. Bei der Geldanlage und der Vorsorge gilt: Das handelsübliche Sortiment reicht aus, unabhängig vom Geschlecht“, so das Team Finanzwende.