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Krise in der KriegswirtschaftSanktionen und hohe Zinsen würgen die Konjunktur ab

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Russlands Präsident Putin

Kremlchef Putin fordert von der Regierung Maßnahmen zum Ankurbeln der mauen Wirtschaft. (Archivbild)

Russlands Wirtschaft schrumpft, was Kremlchef Putin unter Druck setzt. Sanktionen und Kriegskosten belasten das Land.

Die ökonomische Verfassung Russlands ist angespannt, weshalb Kremlchef Wladimir Putin den Druck auf seine Minister erhöht. Wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) meldet, ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den ersten beiden Monaten um 1,8 Prozent geschrumpft. Diese Daten trug Putin bei einer Regierungssitzung in der Vorwoche vor.

Diese Entwicklung widerspricht der Prognose der Zentralbank, die kurz zuvor noch ein Wachstum von 1,6 Prozent für das erste Quartal erwartet hatte. Obwohl der Rückgang teilweise durch mehr Feiertage im Vergleich zum Vorjahr bedingt sein könnte, verlangte der Präsident von seinem Kabinett Schritte zur Ankurbelung der Konjunktur. Dies war bereits die zweite Besprechung zu diesem Sachverhalt seit Ende März, was darauf hindeutet, dass Putin sich nun intensiver mit ökonomischen Themen befassen muss.

Zahlreiche Wirtschaftszweige unter Druck

Der Abschwung macht sich laut dpa in beinahe allen Wirtschaftsbereichen bemerkbar. Negative Entwicklungen werden aus dem verarbeitenden Gewerbe, dem Frachtverkehr, der Industrieproduktion und vor allem der Baubranche gemeldet. Beispielsweise ersuchte der Projektentwickler Samoljot, eines der größten Bauunternehmen Russlands, im Februar die Regierung vergeblich um einen staatlich geförderten Kredit von über 550 Millionen Euro. Andrej Kostin, der Leiter der Staatsbank VTB, äußerte die Einschätzung, es werde voraussichtlich „mehrere Jahre“ in Anspruch nehmen, die Firma zu sanieren. Fachleute prognostizieren für die gesamte Baubranche eine Welle von Insolvenzen.

Die Gründe für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten sind vielfältig und stehen in direktem Bezug zum Krieg gegen die Ukraine. Aufgrund der Invasion verhängte Sanktionen isolieren Russland von ausländischen Technologien und Kapitalzuflüssen. Zudem drosselt der hohe Leitzins der Zentralbank von 15 Prozent die inländische Investitionsbereitschaft, da die Finanzierungskosten den potenziellen Ertrag übersteigen.

Spagat zwischen Inflationsbekämpfung und Wachstum

Aus diesem Grund wird die Zentralbank seit Längerem von Wirtschaftsverbänden kritisiert. Die Anhebung des Leitzinses durch das Geldinstitut erfolgte jedoch mit dem Ziel, die Teuerungsrate zu kontrollieren und die Stabilität des Rubels zu sichern. Anfänglich sollte so verhindert werden, dass die Bevölkerung ihre Einlagen auflöst und in ausländische Währungen umtauscht. Später musste die Zentralbank vor allem dem Inflationsdruck entgegenwirken, der durch die erheblichen Staatsausgaben für den Verteidigungssektor und die Streitkräfte entstand.

Seit 2022 ist die gesamte Volkswirtschaft auf die Erfordernisse des Krieges ausgerichtet. Während die Umstellung auf eine Kriegswirtschaft das BIP anfangs durch massive Rüstungsaufträge ankurbelte, ist dieses Konzept laut dpa mittlerweile nicht mehr tragfähig. Schon 2025 vermochte der Aufschwung in der Rüstungsindustrie die Probleme im zivilen Bereich nur noch unzureichend zu verdecken, was sich Anfang dieses Jahres änderte.

Strukturelle Defizite und Steuerlast als zusätzliche Belastung

Grundlegende Probleme wie eine geringe Arbeitsproduktivität und ein akuter Mangel an qualifizierten Arbeitskräften bleiben bestehen. Der Ökonom Dmitri Nekrassow erklärte gegenüber dem unabhängigen Portal „Meduza“, die Front agiere „wie ein Staubsauger“ und entziehe der Wirtschaft zusätzlich Personal. Zur Finanzierung des Krieges hat der Staat nicht nur hohe Kredite aufgenommen, sondern auch die steuerliche Belastung für Unternehmen und Bevölkerung erhöht, etwa durch Anhebungen der Gewinn- und Mehrwertsteuer.

Offiziell beträgt die Inflationsrate etwas über fünf Prozent. Die Bevölkerung bemerkt im täglichen Leben jedoch eine stärkere Kaufkraftminderung, da sich insbesondere Güter des täglichen Bedarfs überdurchschnittlich verteuert haben. Zusätzlich zeigen sich neue Folgen des Krieges: Ukrainische Drohnenattacken auf die russische Ölindustrie führen zu beträchtlichen Schäden. Gegenmaßnahmen wie das Abschalten des Internets zur Drohnenabwehr haben ihrerseits Probleme für stark digitalisierte Branchen verursacht.

Hohe Ölpreise sorgen für kurzzeitige Entspannung

Eine vorübergehende Entlastung für den russischen Staatshaushalt bieten die gestiegenen Weltmarktpreise für Rohöl. Im April verdoppelten sich die Einnahmen aus der zentralen Ölsteuer auf einen Betrag von umgerechnet beinahe 8 Milliarden Euro. Dies gewährt dem Finanzministerium eine kurze Verschnaufpause, nachdem das erste Quartal mit einem Haushaltsdefizit von über 50 Milliarden Euro abschloss. Dieses Defizit lag nach drei Monaten bereits 21 Prozent über dem für das gesamte Jahr veranschlagten Wert.

Fachleute, die von der Zeitung „Kommersant“ interviewt wurden, erwarten jedoch, dass der Preisanstieg beim Öl kaum Effekte auf das allgemeine Wirtschaftswachstum haben wird. Sie geben zu bedenken, dass ein stärker werdender Rubel in Kombination mit den anhaltend hohen Zinsen und der daraus resultierenden schwachen Investitionstätigkeit eine spürbare konjunkturelle Belebung in Russland unterbinden. (dpa/bearbeitet durch Gemini 2.5 Pro)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.