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Samsung droht GeneralstreikStreit um Boni nach Rekordgewinnen durch den KI-Boom

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Kundgebung der Gewerkschaft von Samsung

Mitglieder der Gewerkschaft von Samsung Electronics demonstrieren im April vor dem Computerchip-Komplex des Unternehmens im südkoreanischen Pyeongtaek für höhere Prämien.

Wegen eines Streits um Boni droht bei Samsung ein Generalstreik. Die Gewerkschaft fordert einen Anteil am Rekordgewinn.

Samsung: Generalstreik wegen Streit um Boni angedroht Bei Samsung Electronics, dem global führenden Halbleiterproduzenten, drohen circa 48.000 Gewerkschaftsmitglieder mit einem Generalstreik von 18 Tagen. Die für Donnerstag angesetzte Arbeitsniederlegung wäre die bisher umfangreichste in der Unternehmensgeschichte. Anlass ist ein Disput über die Höhe der Bonuszahlungen, nachdem der südkoreanische Technologiekonzern infolge des KI-Booms Rekordprofite verzeichnete.

Im Zentrum der Auseinandersetzung, die sowohl intern als auch in der südkoreanischen Gesellschaft geführt wird, steht die gerechte Verteilung der erzielten Profite.

Forderung der Gewerkschaft: 15 Prozent vom Gewinn

Der Kern des Konflikts betrifft die Jahresprämien für die Belegschaft der Halbleitersparte von Samsung. Die Arbeitnehmervertretung verlangt eine permanente Ausschüttung von 15 Prozent des jährlichen operativen Gewinns als Bonuszahlungen. Aktuell gilt eine Obergrenze für die Prämien, die bei 50 Prozent des Basisgehalts der Angestellten liegt.

Kundgebung der Gewerkschaft von Samsung

«Entfernt die Obergrenzen für Boni» fordern Mitarbeiter von Samsung während einer Kundgebung im April.

Wegen der beispiellosen Gewinnhöhe stehen gewaltige Beträge zur Debatte. Grundlage ist eine Gewinnprognose für 2026 von circa 300 Billionen Won (umgerechnet etwa 171 Milliarden Euro). Sollten die Gewerkschaftsforderungen umgesetzt werden, entspräche dies einer durchschnittlichen Jahresprämie von rund 350.000 Euro je Angestelltem. Jedoch kämen diese Zahlungen nur den Mitarbeitern der Halbleiter-Sparte zugute.

KI-Boom als Ursache für Rekordgewinne

Die Zuspitzung der Auseinandersetzung ist darauf zurückzuführen, dass Samsung Electronics im ersten Jahresviertel den größten Profit seiner Geschichte erzielte, angetrieben vom KI-Boom. Von Januar bis März wurde ein operativer Gewinn von 57,2 Billionen Won (annähernd 33 Milliarden Euro) verbucht. Diese Summe stellt eine Verachtfachung im Vergleich zum selben Zeitraum des Vorjahres dar. Folglich sind die Beträge, die nun zur Verteilung anstehen, wesentlich umfangreicher als in der Vergangenheit.

Samsung Electronics

Samsung hat dank des weltweiten KI-Booms und der daraus resultierenden Nachfrage nach Computerchips Rekordgewinne erzielen können.

Haupttreiber für den Rekordprofit von Samsung ist der unverändert hohe Bedarf an Computerchips. Die Halbleitersparte erwirtschaftete beinahe 94 Prozent des gesamten Unternehmensgewinns.

Position des Managements: Volatilität und Investitionen

Das Management von Samsung führt an, dass der Halbleitermarkt erheblichen Zyklen ausgesetzt ist. Wegen dieser Volatilität wolle man sich nicht auf dauerhaft hohe Prämien verpflichten. Zusätzlich unterstreicht die Führungsebene die Notwendigkeit, beträchtliche Mittel für Investitionen vorzuhalten, um auch künftig konkurrenzfähig zu bleiben. Des Weiteren wird befürchtet, dass üppige Boni für die Chip-Sparte zu Unstimmigkeiten mit anderen Unternehmensbereichen führen könnten, deren Ausschüttungen weitaus niedriger ausfallen.

Samsung Electronics

Yeo Myeong Gu (links), Leiter der Abteilung für Gerätelösungen von Samsung Electronics Co., und Choi Seung Ho, Leiter der größten Gewerkschaft von Samsung Electronics, konnten trotz mehrerer Verhandlungsrunden bislang keine Kompromisslösung finden.

Berichten zufolge hat die Unternehmensleitung von Samsung in diversen Verhandlungen Kompromissangebote vorgelegt, die aber signifikant unter den Hauptforderungen der Arbeitnehmervertretung lagen. Laut Medieninformationen sei Samsung gewillt, bis zu zehn Prozent des operativen Gewinns als Jahresprämie zu zahlen. Diese Zusage wäre jedoch auf höchstens drei Jahre befristet und an das Erreichen spezifischer Gewinnziele in der Halbleitersparte geknüpft. Im Gegensatz dazu besteht die Gewerkschaft auf der permanenten Ausschüttung von 15 Prozent des Betriebsergebnisses.

Zurückhaltung von Südkoreas Präsident Lee

Präsident Lee Jae Myung (62), der seit dem Vorjahr im Amt ist, hat sich bisher abwägend geäußert. „Arbeitnehmer sollen für ihre Arbeitsleistung eine angemessene Entlohnung erhalten können“, vermerkte Lee am Montag in einem Beitrag auf der Plattform X. Er fügte hinzu, dass aber auch Anteilseigner, die mit ihren Investitionen Risiken und mögliche Verluste eingehen, einen Anspruch auf ihren Teil des Firmengewinns hätten. Zuvor hatte der südkoreanische Präsident die gewerkschaftlichen Forderungen als „exzessiv“ bezeichnet. Diese Äußerungen erhalten besonderes Gewicht, da Lee dem linken politischen Spektrum zugeordnet wird, früher als Anwalt für Arbeitnehmerrechte tätig war und selbst eine gewerkschaftliche Vergangenheit besitzt.

Wirtschaftliche Folgen: Milliardenverluste und Lieferkettenrisiko

Ein interner Bericht der südkoreanischen Zentralbank prognostiziert, dass ein umfassender Arbeitskampf bei Samsung das nationale Wirtschaftswachstum in diesem Jahr um 0,5 Prozentpunkte dämpfen könnte. Die möglichen Einbußen könnten sich auf etwa 20 Milliarden US-Dollar summieren, meldete die staatliche südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap.

Eine Warnung kam ebenfalls von der Handelskammer der USA in Südkorea: Ein Streik berge das Risiko, weltweite Lieferketten zu stören und das Ansehen Südkoreas als zuverlässiger Standort für Technologie und Produktion zu beeinträchtigen. Schon heute bestehen Lieferengpässe in der Chipherstellung, weil die globale Nachfrage das verfügbare Angebot klar übertrifft. Es wird erwartet, dass der angedrohte Arbeitskampf bei Samsung die Situation weiter anspannen wird. (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.