Steigende Energiepreise und drohende Förderkürzungen lösen in Deutschland einen regelrechten Ansturm auf Solaranlagen aus.
Ansturm auf SolaranlagenIrankrieg und hohe Energiepreise sorgen für Auftragsboom

Der Anstieg der Öl- und Benzinpreise führt zu verstärkter Nachfrage nach Solaranlagen und Elektroautos. (Symbolbild)
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In Deutschland verzeichnen Solarunternehmen einen unvorhergesehenen Zuwachs an Bestellungen, was auf den Konflikt im Iran und die daraus resultierende Erhöhung der Öl- und Gaspreise zurückzuführen ist. Berichten des Bundesverbands Solarwirtschaft sowie einzelner Firmen zufolge hat das Interesse von privaten Eigenheimbesitzern an Photovoltaik-Installationen stark zugenommen. Diese Entwicklung ist landesweit zu beobachten. Zusätzlich beeinflusst die von Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche (CDU) beabsichtigte Reduzierung der Solarförderung die Situation.
„Aufgrund der Energiekrise und der Angst der Verbraucher vor möglichen Fördereinschnitten sehen wir Anzeichen einer solaren Sonderkonjunktur“, erläutert Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Solarwirtschaft. Dies zeigte sich schon bei den Neuinstallationen im April: Im Segment für Privathaushalte wuchs die neu installierte Kapazität um vier Prozent gegenüber dem Vorjahr und erreichte 0,33 Gigawattpeak. Zuvor war die Tendenz noch negativ gewesen. Zwischen Januar und Ende April sank die Leistung der neu installierten Anlagen um 16 Prozent im Vergleich zum selben Zeitraum des Vorjahres.
Hohe Nachfrage bei Solar-Installateuren
Weil zwischen der Vergabe eines Auftrags und der Inbetriebnahme einer neuen Photovoltaik-Anlage üblicherweise einige Wochen liegen, spiegeln die neuen Bestellungen bei den Solarunternehmen den gegenwärtigen Trend genauer wider. Die Zunahme bei den Neuaufträgen übertrifft die der Installationszahlen erheblich.
„Seit Ausbruch des Irankriegs ist die Nachfrage nach Solarenergie und Wärmepumpen explodiert“, sagt Mario Kohle, der Gründer und Geschäftsführer des deutschlandweit operierenden Installateurs Enpal. Die Auswirkungen des Kriegsbeginns am 28. Februar waren für das Unternehmen aus Berlin direkt spürbar: Kunden orderten im März und April neue PV-Anlagen mit einem Gesamtwert von 250 Millionen Euro. Dies stellt eine Steigerung von mehr als 30 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum dar. Für Enpal ist der Konflikt die primäre Ursache, jedoch wird angenommen, dass ebenfalls die angekündigten Novellierungen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes dazu beitragen.
Filip Thon, der Geschäftsführer von Eon Energie Deutschland, bekräftigt diese Entwicklung ebenfalls: „Seit Beginn des Irankonflikts sehen wir bei Solaranlagen einen sehr deutlichen Anstieg der Nachfrage, besonders bei Privatkunden.“ Seitdem habe sich die Zahl der Anfragen von Privatpersonen mehr als verdoppelt. „Das ist mit rein saisonalen Effekten nicht zu erklären“, fügt Thon hinzu.
Diskussion über die Zukunft der Einspeisevergütung
Nach Einschätzung von Eon würde ein potenzielles Auslaufen der Einspeisevergütung den Bedarf zwar reduzieren, jedoch nicht vollständig beenden. Eine von dem Energiekonzern bei Statista in Auftrag gegebene Umfrage unter 2.000 Eigenheimbesitzern ergab, dass etwa drei Viertel der Kaufinteressenten eine Anschaffung auch ohne garantierte Vergütung in Betracht ziehen würden. „Nur vier Prozent wollen die Investition dann sicher nicht tätigen, zehn Prozent eher nicht, zwölf Prozent sind unentschieden“, erklärt Thon zu den Resultaten.
Der Bundesverband Solarwirtschaft gibt jedoch zu bedenken, dass ein durch die Politik ausgelöster Boom nicht von Dauer sei. „Regulatorische Unsicherheiten sind Gift für die mittel- und langfristige Investitionsbereitschaft“, sagt Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig. Deshalb fordert der Verband die Bundesregierung auf, von den Kürzungsabsichten Abstand zu nehmen und stattdessen verlässliche Rahmenbedingungen für Förderungen zu etablieren. Ansonsten sei im kommenden Jahr mit einem drastischen Rückgang des Interesses an Solardächern zu rechnen. (dpa/red)
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