Abo

Sparer verlieren GeldAnalyse: Sparkassen und Volksbanken zahlen kaum Zinsen

3 min
Sparen

Bei der gestiegenen Inflation verlieren viele Sparer unter dem Strich Geld - erst Recht beim Geldhorten zu Hause

Eine Studie zeigt: Sparer bei Sparkassen und Volksbanken verlieren durch miese Zinsen und Inflation real an Geld.

Seit dem durch den Iran-Krieg ausgelösten Ölpreisschock können Sparer die erhöhte Teuerungsrate durch gewöhnliche Tagesgeldzinsen nicht mehr kompensieren. Eine Untersuchung des Finanzportals Biallo belegt nun, dass angelegtes Kapital speziell bei Volksbanken und Sparkassen oftmals nur minimale Erträge generiert. Für Anleger resultiert daraus häufig ein realer Wertverlust ihres Geldes.

Im Verbundsektor, der 594 untersuchte Sparkassen und Volksbanken umfasst, beträgt der Zinssatz für unbefristetes Tagesgeld durchschnittlich nur 0,4 Prozent. Im Gegensatz dazu offerieren die analysierten Direktbanken und überregionalen Geldhäuser mit 1,0 Prozent eine mehr als doppelt so hohe Rendite. Die Auswertung macht zudem deutlich, dass 81 Prozent der Sparkassen und 73 Prozent der Volksbanken nicht mehr als 0,5 Prozent Zinsen auf Tagesgeldeinlagen gewähren. Die geringsten Zinssätze liegen bei 0,001 Prozent, was einem Jahresertrag von 10 Cent bei einer Anlagesumme von 10.000 Euro entspricht. Zum Vergleich: Geschäftsbanken erhalten für bei der Europäischen Zentralbank (EZB) hinterlegte Gelder momentan einen Zinssatz von 2,0 Prozent.

Zögerliche Reaktion der Hausbanken auf EZB-Politik

Laut Biallo hat nur ein kleiner Teil der beinahe 700 geprüften Banken in den zurückliegenden 20 Tagen eine Anpassung des Tagesgeldzinses vorgenommen. Die erwartete Anhebung des Leitzinses durch die EZB wurde bisher fast ausschließlich von Direktbanken in ihre Kalkulationen einbezogen, indem sie befristete Angebote für Neukunden verbesserten. „Wer auf den EZB-Entscheid hofft, wartet bei der eigenen Hausbank vergeblich“, äußert sich Biallo-Geschäftsführer Samuel Biallowons.

Die Studie basiert auf den Tagesgeldkonditionen von 693 Geldinstituten mit Stand vom 8. Juni. Darunter waren 275 Sparkassen, 319 Volks- und Raiffeisenbanken sowie 99 überregional agierende Direkt- und Privatbanken. Es wurden ausschließlich Anbieter mit einem explizit ausgewiesenen Tagesgeldprodukt berücksichtigt, während Zinsportale unberücksichtigt blieben.

Kaufkraftverlust durch hohe Inflationsrate

Für Sparer resultiert dies in der Regel in einem realen Geldverlust nach Abzug der Inflation. Obwohl die Teuerung in Deutschland im Mai auf 2,6 Prozent zurückging, können die Zinserträge dies nicht kompensieren. Bei den analysierten Volksbanken beläuft sich der höchste dauerhafte Tagesgeldzins laut Biallo auf 1,55 Prozent, bei den Sparkassen sind es 1,86 Prozent.

Ein durchschnittlicher Zins von 0,4 Prozent führt bei 10.000 Euro Anlagevermögen und 2,6 Prozent Inflation zu einem jährlichen Kaufkraftschwund von 214 Euro. Bei überregionalen Banken und Direktbanken liegt der beste Tagesgeldzins der Analyse zufolge bei 2,6 Prozent. Diese Institute müssen jedoch, anders als Sparkassen und Volksbanken, kein kostspieliges Filialnetz finanzieren.

Verschärfter Wettbewerb durch Angebote für Neukunden

In Erwartung steigender Leitzinsen haben sich die Konditionen für Bankkunden zwar verbessert, oft jedoch durch Lockangebote. Kürzlich intensivierte die US-Bank JPMorgan Chase den Konkurrenzkampf um Spareinlagen mit einem zeitlich begrenzten Tagesgeldzins von 4 Prozent für vier Monate. Die zur Deutschen Bank gehörende Norisbank reagierte darauf mit einem Angebot von 4 Prozent für sechs Monate.

Der Geldratgeber Finanztip berichtet, dass die befristeten Tagesgeldzinsen für Neukunden in den vergangenen Monaten auf einen Durchschnittswert von 3,62 Prozent angestiegen sind. „Wenn die EZB jetzt den Leitzins erhöht, steigt der Druck auf Banken, auch ihren Bestandskunden wieder mehr zu bieten“, erläutert Timo Halbe, Geldanlage-Experte bei Finanztip. Wer sein Tagesgeldkonto nicht permanent wechseln möchte, solle sich auf Angebote mit soliden Standardzinsen fokussieren. „Die reichen allerdings aktuell nicht, um die Inflation zu schlagen.“ (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.