Mehrere Feuerwehrleute beim Einsatz auf der Straße.

Eilmeldung

Köln-Bickendorf: Brand in Werkstatt – Feuerwehr gibt Entwarnung nach heftiger Rauchausbreitung

Abo

Navigation

KStA PLUS abonnieren

Abo-Angebote

Artikel teilen

Schriftgröße ändern

Artikel zur Merkliste hinzugefügt

Rückgangig

Artikel von der Merkliste entfernt

Sie folgen nun

Rückgangig

Sie folgen

Bio-Supermarkt Temma in Köln Neue Chance für Tante Emma in Braunsfeld und Bayenthal

Rewe-Managerin Christiane Speck übernimmt die Kölner Temma-Märkte

Rewe-Managerin Christiane Speck übernimmt die Kölner Temma-Märkte

Köln – Das „Aus“ für die Rewe-Bio-Kette Temma ist zwar beschlossen, in Köln aber geht es für die beiden Filialen in Bayenthal und Braunsfeld (wie berichtet) mit einer neuen Eigentümerin weiter. Christiane Speck, die das Konzept einst für den Kölner Handelskonzern mitentwickelt hat, gibt bei der Rewe ihren Job als Bereichsleiterin „Innovative Konzepte“ auf, übernimmt die beiden Märkte und will sie weiterentwickeln.

Lange überlegen musste die 42-Jährige nicht, den Sprung in die Selbstständigkeit zu wagen: In der Kette stecke so viel Herzblut, sie habe Temma nicht einfach sterben lassen können, sagt sie.

Kölner Filialen liefen gut

Natürlich sei es schade, dass es innerhalb der Rewe für Temma nicht mehr weitergehe, sagt die gebürtige Hessin. Auch für die betroffenen Mitarbeiter in den sieben vor dem Aus stehenden Filialen in Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Bad Homburg und Berlin. Sie alle erhielten aber ein Angebot zur Weiterbeschäftigung in einem Penny- oder Rewe-Markt. Christiane Speck will jetzt lieber nach vorne schauen: „Ich hatte 15 coole Jahre bei der Rewe – und jetzt beginnt was Neues.“ Sie habe seit ihrem BWL-Studium immer davon geträumt, sich selbstständig zu machen, sagt sie.

Für den Konzern waren es rein wirtschaftliche Gründe, die zur Beendigung des Experiments Temma führten. Bereits bei der Bilanzvorlage Ende März sagte der heutige Konzernchef Lionel Souque, nicht alle Filialen seien so profitabel wie die Kölner Märkte, die nicht zuletzt von vielen gut verdienenden Kunden im Kölner Süden und Westen leben.

In Berlin mehr Probleme für Temma

Konkrete Umsatz- und Ergebniszahlen für die Biokette wurden nie veröffentlicht. Schwierig war es dem Vernehmen nach beispielsweise in Berlin – vor allem auch wegen des Standorts in einem weniger frequentierten Einkaufscenter. Aber auch in anderen Städten wie etwa Hamburg hat es die Biokette in all den Jahren nicht geschafft, sich einen Namen zu machen. Rewe setzt nun darauf, das Bio-Sortiment in den Supermärkten auszubauen.

Speck, die offiziell erst im Frühjahr bei Rewe aufhören und die Märkte kaufen wird, ist in einem Ort in der Nähe von Gießen aufgewachsen. Sie hat nach ihrem BWL-Studium in Bamberg 2002 ihr gesamtes Berufsleben bei der Rewe verbracht – zunächst in der Unternehmensentwicklung, später bei Penny in der Abteilung für Expansion. Mit einer Kollegin entwickelte sie 2009 Temma – zunächst unter dem Arbeitstitel „Tante Emma meets urban lifestyle“. Das Ziel: Tante Emma ins 21. Jahrhundert zu holen mit einer Kombination aus Bio-Supermarkt und Erlebnisgastronomie. Danach startete sie als Leiterin der Strategieabteilung ein Konzept für große Märkte und verantwortete zuletzt den Bau von Sushi-Bars und die Ansiedlung von Starbucks in Rewe-Filialen.

Name Temma wird weiter genutzt

Das Risiko Selbstständigkeit sei für sie finanziell überschaubar, sagt die Betriebswirtin, die in den vergangenen Jahren selbst zur überzeugten Öko-Konsumentin geworden ist. „Bio-Produkte zu verkaufen ist für mich sinnstiftend.“ Speck darf den Namen Temma weiter nutzen und werde auch einen Teil der Waren weiter über Rewe beziehen. Sie freue sich auf die Herausforderung, die auch neue Freiheiten mit sich bringe. Sie wolle nun auch Produkte kleinster Bio-Betriebe ins Sortiment aufnehmen – was bislang schwieriger war, weil Warenmengen für die gesamte Kette beschafft werden mussten. „Ich möchte auch für Kunden, die wenig Zeit zum Kochen haben, mehr Lösungen anbieten – Gerichte , die man nur noch im Ofen fertigbacken muss“. Nichts Eingeschweißtes, sondern frisch Zubereitetes.

Sie habe sich fest vorgenommen, in alle Arbeitsbereiche hineinzuschnuppern: Kasse, Fleischtheke, Brottheke. Worauf sie sich besonders freut? „Ich werde all meine Hosenanzüge weggeben“, sagt die Wahlkölnerin, die sich als „glücklicher Immi bezeichnet“ , lachend. Die tauscht sie nun ein gegen Berufskleidung, die sie im Markt besser brauchen kann – unter anderem eine Schürze.