Deutsche Wirtschaftsvertreter reisen nach St. Petersburg, um Milliarden-Vermögen zu schützen und Brücken zu erhalten.
Trotz Krieg und SanktionenDeutsche Unternehmer treten wieder bei Wirtschaftsforum in Russland auf

Auch zahlreiche Deutsche besuchen in diesem Jahr das St. Petersburger Internationale Wirtschaftsforum. (Archivbild)
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Deutsche Wirtschaftsvertreter nehmen nach mehrjähriger Pause, bedingt durch den Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine, wieder offiziell am Wirtschaftsforum in St. Petersburg teil. „Nicht zuletzt für den Moment nach einem Waffenstillstand wollen wir wie andere große westliche Länder die wirtschaftliche Brücke nach Russland erhalten und die mehr als 100 Milliarden deutscher Vermögenswerte in Russland schützen“, erklärte Matthias Schepp, der Vorstandsvorsitzende der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer, gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Delegationen aus den USA und Frankreich waren schon im vergangenen Jahr bei einem Geschäfts-Dialog zugegen.
„Der Westen sollte Russland, seinen großen Markt und seine Rohstoffe nicht auf Dauer Asien überlassen“, fügte Schepp hinzu. Im ersten Vierteljahr 2024 seien allein von chinesischer Seite 1.400 neue Firmen in Russland etabliert worden.
Deutsche Wirtschaftsvertreter beim Forum
Dem Programm des St. Petersburger Internationalen Wirtschaftsforums (SPIEF) zufolge beteiligen sich an dem Geschäfts-Dialog unter anderem der Milchproduzent Stefan Dürr, der mit der EkoNiva-Gruppe in Russland operiert, sowie Thomas Bruch, der langjährige Leiter der Globus Holding. Wie rund 1.600 andere deutsche Firmen ist auch die Globus-Kette laut Auskunft der Kammer nach wie vor in Russland geschäftstätig. Deren gemeinsamer Erlös belief sich laut Kalkulationen der Kammer im Vorjahr auf circa 20 Milliarden Euro.
Allerdings sank das Handelsvolumen zwischen Deutschland und Russland infolge der westlichen Strafmaßnahmen im Vorjahr auf weniger als zehn Milliarden Euro. Deutschland war vor dem russischen Angriffskrieg Russlands bedeutendster Handelspartner in Europa. Das Volumen belief sich 2021 auf 59,7 Milliarden Euro und erreichte seinen Höchststand 2012 mit 80 Milliarden Euro.
Geschäftsklima-Umfrage: Deutsche Unternehmen planen Verbleib
Eine aktuelle Umfrage der Kammer zum Geschäftsklima unter den 750 Mitgliedern zeigt, dass beinahe sämtliche Firmen einen Verbleib in Russland anstreben, weil sie den dortigen Markt als wichtig erachten. 75 Prozent der 265 Umfrageteilnehmer äußerten sich zufrieden über die Geschäftsentwicklung in Russland, ungeachtet von Verlusten in Millionenhöhe infolge der Strafmaßnahmen.
Die Überzeugung, dass die westlichen Strafmaßnahmen die russische Ökonomie stark (49 Prozent) oder sehr stark (18 Prozent) beeinträchtigen, wird von zwei Dritteln der Befragten geteilt. Nach Meinung von gut einem Drittel der Firmen treffen die Strafmaßnahmen des Westens Deutschland stärker als Russland. Über die Hälfte der Befragten war der Ansicht, der Schaden für Deutschland und Russland sei gleich groß.
Die Frage „Sollte Deutschland wieder Gas und Öl aus Russland beziehen?“ wurde von 65 Prozent mit „ja, je eher, desto besser“ beantwortet. Weitere 31 Prozent stimmten mit der Einschränkung „ja, aber erst, nachdem die Waffen in der Ukraine schweigen“ zu.
Kultur als Brücke: AfD-Politiker und Dirigent unter den Teilnehmern
Kremlchef Wladimir Putin fungiert als Gastgeber des Wirtschaftsforums, das vom 3. bis 6. Juni stattfindet. Eine Veranstaltung, die sich dem Thema Kultur als Brückenbauer in Krisenzeiten widmet, ist ebenfalls Teil des Forums. Laut den Organisatoren beteiligen sich daran mehrere deutsche Persönlichkeiten, zu denen der Dirigent Justus Frantz, der sächsische AfD-Vorsitzende und Landtagsabgeordnete Jörg Urban, der Verleger Holger Friedrich aus Berlin sowie der Journalist und Filmemacher Hubert Seipel zählen. (dpa/red)
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