Die Umbaumaßnahmen vom Tropenhaus zum Drachenhaus hängen eng mit dem Feuer zusammen, das im März 2022 im Tropenhaus ausgebrochen war.
Sanierung nach BrandKomodowarane ziehen in Kölner Zoo – Tropenhaus wird zum Drachenhaus

Zoodirektor Theo Pagel vor der Komodowaran-Fassade des sanierten Drachenhauses.
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Kurze, kräftige Beine tragen den massiven Körper, bestückt mit einem Schuppenpanzer, aus dem kräftigen Maul schnellt die lange, zweigeteilte Zunge. Der Komodowaran, der die Gäste im hinteren Teil des Kölner Zoos begrüßt, ist ein beeindruckendes Tier. Selbst in gemalter Form. Die Kölner Künstlerin Lena Ortmann hat das riesige Kunstwerk auf der Fassade des Tropenhauses geschaffen. Auch ein seltener Balistar, ein Baumkänguru, eine Krontaube und zwei bunt gefiederte Paradiesvögel sind in der farbenfrohen Regenwald-Landschaft zu entdecken. Und eben der Komodowaran, der die neue Attraktion im sanierten Tropenhaus des Kölner Zoos werden soll. Mit der Wiedereröffnung bekommt der Bau, der im Jahr 2000 als Tropenhaus eröffnete, bald auch einen neuen Namen: Drachenhaus.
Namensgeber ist der prominente tierische Neuzugang, der nicht nur gemalt, sondern auch leibhaftig im Zoo einzieht. Komodowarane kommen in freier Wildbahn auf einigen wenigen Inseln Indonesiens vor. „Wegen ihres Aussehens und ihres Jagdverhaltens werden sie auch als Drachen bezeichnet“, sagt Zoo-Vorstand Christopher Landsberg. Im Unterkiefer verfügen sie über Giftdrüsen. Das Gift verhindert die Blutgerinnung und lässt die Beute durch einen Schock oder hohen Blutverlust langsam zusammenbrechen.

Christopher Landsberg und Claudia Neunzig im Drachenhaus
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In dem Bereich, in dem bisher die Gibbons zu Hause waren, sollen zwei Komodowarane einziehen. „Das ist etwas Besonderes“, sagt Landsberg. Im Kölner Zoo gab es noch nie einen Komodowaran, deutschlandweit halten laut Landsberg nur die Zoos in Leipzig und Frankfurt diese Tiere. Das vier Jahre alte Männchen kommt aus Leipzig, das 14-jährige Weibchen aus dem Randers Regenskoven Zoo in Dänemark. Beide sind etwa zwei Meter lang. Läuft alles nach Plan, sollen die beiden Neuzugänge in Köln für Nachwuchs sorgen. Viel benötigen die beiden laut Landsberg nicht, damit sie sich in ihrem neuen Kölner Zuhause wohlfühlen werden, vor allem eine warme Höhle. Mit Scheiben – aber dennoch gut einsehbar – sind die Tiere von den Besuchern getrennt.
Drachenhaus im Kölner Zoo: 9,8 Millionen Euro für Sanierung
Die Umbaumaßnahmen, die das Tropenhaus zum Drachenhaus werden lassen, hängen eng mit dem Feuer zusammen, das im März 2022 in einer Zwischendecke zum Untergeschoss ausgebrochen war. Der Rauch zog in die Freiflughalle im Erdgeschoss, wo 130 Tiere verendeten, darunter verschiedene Vögel, Flughunde und Fische. „Danach haben wir erst einmal eine Brandsanierung gemacht“, sagt Landsberg. Vor ziemlich genau einem Jahr schloss der Zoo das Haus schließlich für eine umfassende Sanierung. 9,8 Millionen Euro investiert der Zoo insgesamt in das Drachenhaus und die angrenzenden Areale. Neben den neuen Komodowaranen kehren auch die südostasiatischen Vögel nach der Sanierung in das Haus zurück. Wie vorher teilweise freifliegend in der großen Halle, teilweise in Volieren.

In diesen Bereich ziehen die beiden Komodowarane.
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Saniert wird auch die Heizung, die die Tropen-Landschaft auf Tropen-Temperatur bringt. „Danach wird die Heizungsinstallation wieder den modernen Standards entsprechen“, sagt die technische Leiterin des Zoos, Claudia Neunzig. Die Heizschläuche verbergen sich hinter der Felswand-Kulisse, die für die Erneuerung aufgerissen werden musste. Auch die Lüftungsanlage wurde optimiert, auf dem neu begrünten Dach findet nun auch eine Photovoltaikanlage Platz.
Infobereiche werden neu gestaltet
Auch der Teich mit Wasserfall und Holzsteg – „die blaue Lagune des Zoos“, wie Landsberg augenzwinkernd sagt – wird erneuert. Ebenfalls noch in Arbeit sind im Drachenhaus die neuen Infobereiche, in denen Besucher Details zu den Tieren, aber auch zum Artenschutz bekommen. In den Fokus rückt der Zoo dabei vor allem den sogenannten „One Plan Approach“ (Englisch für „Ein-Plan-Ansatz“). Dabei vernetzen sich Zoos mit anderen Akteuren und stabilisieren die Bestände bedrohter Arten durch Erhaltungszuchten. „Außerdem setzen wir uns für den Erhalt der Lebensräume in den Ursprungsländern ein und bringen nachgezogene Tiere im besten Falle in geschützte Areale dort zurück“, erklärt Zoodirektor Theo Pagel.

Im Zuchtzentrum für ostasiatische Vögel ist derzeit auch der Helmhornvogel zuhause.
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Diesem Thema widmet sich der Zoo nun auch mit den Komodowaren im Drachenhaus, aber auch in einem Nebenraum, der für Besucher nicht zugänglich ist. Aus einer ehemaligen Veranstaltungshalle, etwa für Belegschaftsversammlungen, ist für rund 1,2 Millionen Euro ein neues Zuchtzentrum für bedrohte ostasiatische Vögel entstanden. Exotische, bunt gefiederte Tiere sollen hier für Nachwuchs sorgen. Der rot gefiederte Königsparadiesvogel etwa, die Hufeisen-Fruchttaube, der Helmhornvogel mit seinem beeindruckenden orange-rot-gelben Schnabel oder der Balistar, der mit seiner unbefiederten blauen Gesichtshaut fast so aussieht, als würde er eine Maske tragen. In einem sterilen Umfeld mit weißen Wänden sind die gut ein Dutzend Volieren nur mit dem Nötigsten ausgestattet, damit die Vögel sich wohlfühlen.
Zu den sanierten Bereichen rund um das Drachenhaus gehören auch die bereits fertiggestellten Anlagen für die Zwergotter und das auch für Besucher betretbare Areal für Baum- und Felsenkängurus. Im Sommer sollen die Arbeiten auch im neuen Drachenhaus abgeschlossen sein. Einen genauen Eröffnungstermin gibt es noch nicht.
