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„Kuscheltherapie“Warum Menschen in Köln für Umarmungen bezahlen

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Kuem Plassmann grenzt seine Arbeit klar von Sexualität ab. 100 Euro kostet bei ihm eine Stunde platonische Nähe.

Umarmen, Streicheln, Kopfkraulen: Nähe, wie man sie eigentlich aus Partnerschaften, Freundschaften oder der Familie kennt. Doch bei Kuem Plassmann findet diese im professionellen Rahmen statt. Er ist „Kuscheltherapeut“ sowie somatischer Begleiter und bietet in Köln professionelle Kuschelsitzungen an.

„Das Ziel einer Kuschelsitzung ist, den Berührungshunger, den viele Menschen heutzutage verspüren, zu stillen“, erklärt er. Dabei gehe es ausschließlich um platonische Berührungen. Laut Kuem werde seine Arbeit häufig in einen sexuellen Kontext gebracht. Davon grenzt er seine Tätigkeit allerdings klar ab. „Ich finde es wichtig, diese zärtlichen Berührungen von Sexualität zu entkoppeln.“

„Am Anfang dachte ich schon: Das ist ja seltsam“

Bevor das eigentliche Kuscheln losgeht, setzen sich Kuem und sein Gegenüber zusammen, um Wünsche und Grenzen zu besprechen: Wo darf berührt werden, wo lieber nicht? Auch während der Sitzung spreche er jede Berührung ab. Gespräche stehen dabei nicht im Mittelpunkt.

Susanne Fiege kennt das Kuscheln in der Gruppe bereits und hat sich nun erstmals für eine Einzelsitzung entschieden. Die Vorstellung, fremden Menschen so nahezukommen, fand sie erst ungewöhnlich: „Ganz am Anfang dachte ich schon: Das ist ja seltsam.“ Entscheidend sei für sie die Freiwilligkeit. „Man hat immer die Möglichkeit, nein zu sagen, und man hat immer die Möglichkeit, aus dem Kontakt zu gehen.“

Zwei Menschen sitzen sich auf gemütlichen Stühlengegenüber.

Vor der Sitzung werden die Grenzen abgesteckt.

Bewegung entstand 2005 in den USA

Kuem selbst arbeitet als somatischer Begleiter, dabei handelt es sich um keinen geschützten Beruf. Dieses Feld nutzt die Methode der „Körperarbeit“, zu der in Kuems Fall unter anderem Massagen, Meditationen und Traumreisen gehören. 

Auch Kuscheltherapie ist keine geschützte Bezeichnung. Größere Vereinigungen wie die „Kuschelkiste“ bieten jedoch Ausbildungskurse an. Platonisches Kuscheln unter Fremden kam erstmals 2005 in den USA durch den Sexualtherapeuten Reid Mihalko auf. Er veranstaltete in New York eine „Kuschelparty“, noch im selben Jahr folgte ein solches Event in Berlin.

In seiner Praxis habe Kuem, er immer wieder gemerkt, dass viele Kundinnen und Kunden platonische, zärtliche Berührung wünschen, „die beruhigen und regulieren“. So sei er auf die Idee gekommen, auch Kuschel-Sessions anzubieten.

100 Euro für eine Stunde Nähe

Eine Kuschelstunde kostet bei Kuem um die 100 Euro. Zusätzlich veranstaltet er monatlich sogenannte „Cuddle Puddles“, bei denen eine Gruppe von fremden Menschen zusammenkommt. Zweieinhalb Stunden liegen bei 30 Euro.

Warum aber für etwas bezahlen, das Freunde oder Partner kostenlos geben können? Für Kuem liegt der wesentliche Unterschied darin, dass, anders als im privaten Umfeld, die Nähe nicht mit der Frage verbunden sei, was sie für die Beziehung zwischen zwei Menschen bedeute.

Von seinen Klienten höre er zudem immer wieder, dass sich solche Berührungen im persönlichen Alltag nicht ergeben würden oder diese sich nicht trauen, danach zu fragen. Für manche kann das Kuscheln im professionellen Rahmen also deshalb einfacher sein, da die Bedeutung der Berührung von Anfang an klar definiert ist.

Für Susanne Fiege habe sich der Versuch gelohnt, sagt sie. Nach ihrer ersten Einzelsitzung fühle sie sich deutlich „geerdeter und sortierter“. Ihr Fazit: „Das ist wie ein Mini-Urlaubstag.“