Ihre Romane „Gilgi, eine von uns“ und „Das kunstseidene Mädchen“ machten die Autorin in den 1930er-Jahren schlagartig berühmt.
150 aus 150Irmgard Keuns Romane thematisierten die Lebenswelt von Frauen in der Weimarer Republik

Die Schriftstellerin Irmgard Keun am 27. März 1981 bei den Dreharbeiten zur Verfilmung ihres Romans „Nach Mitternacht“ in Berlin (Archivbild).
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Zum 150. Geburtstag des Kölner Stadt-Anzeiger stellen wir jeden Tag eine bedeutende Kölner Persönlichkeit vor. Im siebten Teil der Serie geht es um die Schriftstellerin Irmgard Keun.
Bedeutung
Mit ihrem Debütroman „Gilgi, eine von uns“ (1931) erzielte Irmgard Keun einen Überraschungserfolg. Erstmals wurden aus Sicht einer Protagonistin Themen wie Angestelltenkultur, Liebe, Emanzipation und Schwangerschaftsabbruch angesprochen. Die Geschichte einer aufwärtsstrebenden Stenotypistin wurde bereits 1932 verfilmt. Im selben Jahr veröffentlichte Keun auch ihren größten Erfolg: „Das kunstseidene Mädchen“. Sie knüpfte darin an ihren ersten Roman an und schilderte die Sehnsucht einer jungen Frau nach gesellschaftlichem Aufstieg vor dem Hintergrund der Weltwirtschaftskrise.
Irmgard Keun
Geboren: 6. Februar 1905 in Berlin-Charlottenburg
Gestorben: 5. Mai 1982 in Köln
Als Vertreterin der „Neuen Sachlichkeit“ erzählte Keun authentisch über die Arbeitswelt von Frauen in der Weimarer Republik. Das Werk wurde euphorisch aufgenommen, aber wegen seines modernen Frauenbilds von konservativen Kreisen abgelehnt. Beide Romane machten die Autorin als Vertreterin der „Neuen Sachlichkeit“ schlagartig berühmt. Das Verbot ihrer Werke durch die Nationalsozialisten im Oktober 1933 hinderte sie in Deutschland an weiteren Publikationen.
1936 emigrierte Keun nach Belgien und lebte nach einer USA-Reise in Amsterdam. In dem Roman „Nach Mitternacht“ setzte sie sich kritisch mit dem Nationalsozialismus auseinander. Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen kehrte sie unter einem Decknamen nach Köln zurück. Keuns spätere Werke konnten nicht an ihre frühen Erfolge anknüpfen. Alkohol- und medikamentenabhängig lebte sie zeitweise entmündigt in der geschlossenen Psychiatrie. Ende der 1970er Jahre wurden ihre Bücher von der Frauenbewegung neu entdeckt.
Wirken in Köln
Irmgard Keun wohnte seit 1913 in Köln-Braunsfeld, wo ihr Vater Eduard Geschäftsführer der Cölner Benzin-Raffinerie war. Nach Schule und Handelsschule absolvierte sie hier eine Schauspielausbildung. 1926 trat sie in einem Kammerspiel als „Schankmädchen“ auf. Weitere Rollen folgten. Ihre ersten beiden Romane spielen in Köln – die „Kölnische Zeitung“ schrieb am 6. Dezember 1931 über „Gilgi“: „Mit großer Treffsicherheit zeichnet die Verfasserin die einzelnen Charaktere und viele Szenen aus dem Kölner Leben.“ Ihr Bestseller „Das kunstseidene Mädchen“ wurde 2003 als erstes Buch für die vom Literaturhaus Köln und vom „Kölner Stadt-Anzeiger“ initiierte, seither jährlich in Köln und der Region stattfindende Aktion „Ein Buch für die Stadt“ ausgewählt.
Bemerkenswert
Keuns Autobiographie, aus der sie in vielen Gesprächen am Telefon zitierte, existierte offenbar nicht. In ihrem Nachlass wurde sie jedenfalls nicht gefunden.
Spuren in der Stadt
Irmgard Keuns Grab ist auf dem Friedhof Melaten zu besuchen. Am Ratsturm ist sie mit einer Figur verewigt, und in Rondorf ist eine Straße nach ihr benannt. Keuns Nachlass wird im Historischen Archiv der Stadt Köln aufbewahrt.
Der Autor der 150 Kölner Persönlichkeiten ist Dr. Ulrich S. Soénius. Der Historiker und Direktor der Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln (RWWA) hat als Mitherausgeber des Kölner Personenlexikons (2008) über 630 Biographien für das Standardwerk zur Kölner Geschichte verfasst.
