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Geschichte des „Kölner Stadt-Anzeiger“Seit 150 Jahren immer am Puls der Zeit

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So sah der Sitz des Verlags M. DuMont Schauberg an der Breite Straße im Jahr 1876 aus.

So sah der Sitz des Verlags M. DuMont Schauberg an der Breite Straße aus, als der „Stadt-Anzeiger“ 1876 zum ersten Mal erschien.

Vom reinen Anzeigenblatt zur führenden Tageszeitung in Köln: Der „Kölner Stadt-Anzeiger“ und das Haus DuMont blicken auf eine bewegte Geschichte zurück.

Was haben Konrad Adenauer und der „Kölner Stadt-Anzeiger“ gemeinsam? Beide haben vor 150 Jahren das Licht der Welt erblickt. Der Kölner Oberbürgermeister und erste deutsche Bundeskanzler wird am 5. Januar 1876 in Köln geboren. Rund zehn Monate später erscheint am 14. November die erste Ausgabe des „Stadt-Anzeigers“ – als kostenlose Anzeigenbeilage zur „Kölnischen Zeitung“. Das überregional bekannte Blatt, dessen Ursprung weit ins 18. Jahrhundert zurückreicht, befindet sich zu dieser Zeit bereits seit mehr als 70 Jahren im Besitz der Familie DuMont. Doch die Anfänge des Verlagshauses liegen noch viel weiter zurück.

1620 gründet Bertram Hilden in Köln eine Druckerei und beginnt, Festzeitschriften und Gebetbücher zu verlegen. Sein Sohn Peter Hilden verlegt ab 1664 die von der Kölner Universität herausgegebene Zeitung „Extraordinariae relationes“ (frei übersetzt: „Außergewöhnliche Nachrichten“) – eine lateinische Zeitung mit Korrespondenten in Den Haag, London, Paris, Brüssel und Wien. Gereon Arnold Schauberg heiratet bei den Hildens ein und produziert ab 1763 im Lohndruck die „Kaiserliche Reichs-Ober-Postamtszeitung zu Köln“. Sie ist eine Vorläuferin der Kölnischen Zeitung, die 1802 von den Erben Schauberg und Nikolaus DuMont übernommen wird.

Der Rechtsanwalt Marcus DuMont heiratet 1805 Katharina Schauberg und kauft die Kölnische Zeitung. Er und sein Sohn Joseph DuMont führen das Blatt zu ansehnlicher Größe. Als Druckerei und Redaktion im Jahr 1847 von der Hohe Straße in den neuen Firmensitz an der Breite Straße 76-78 umziehen, beschäftigt DuMont 62 Mitarbeiter und hat rund 9500 Zeitungsabonnenten.

Aus einem pragmatischen Grund wird knapp 30 Jahre später der „Stadt-Anzeiger“ aus der Taufe gehoben. Die „Kölnische Zeitung“ hat sich als Stimme des liberalen Rheinlands in Deutschland einen guten Ruf erarbeitet und weit über die Grenzen der Stadt hinaus Verbreitung gefunden. Doch der Erfolg des Blattes belastet auf paradoxe Weise die Geschäfte der Verleger: Mit der wachsenden Auflage, die überwiegend außerhalb Kölns vertrieben wird, steigen die Anzeigenpreise. Kölner Händler und Betriebe möchten aber günstige Inserate im Stadtgebiet schalten. Um ihnen ein Angebot zu machen und gleichzeitig neue Leser zu gewinnen, wird der „Stadt-Anzeiger“ erfunden.

Ab 1888 gibt es täglich zwei Ausgaben

Anfangs herrscht strikte Aufgabentrennung. Über große lokale Ereignisse wie die Fertigstellung des Kölner Doms 1880 berichtet allein die „Kölnische Zeitung“. Der „Stadt-Anzeiger“ soll vor allem unterhalten und darüber informieren, was in der Stadt los ist. Bei den Leserinnen und Lesern ist er wegen der vielen Inserate und Veranstaltungshinweise beliebt. Man schätzt ihn als kurzweilige Lektüre.

Menschen warten am 1. August 1914 vor dem Gebäude der „Kölnischen Zeitung“ und des „Stadt-Anzeigers“ auf Nachrichten zum Kriegsausbruch.

Eine Menschenmenge wartet bei Kriegsausbruch am 1. August 1914 vor dem Pressehaus auf die neuesten Nachrichten.

Bald entwickelt sich das Anzeigenblatt zu einer eigenständigen Zeitung mit umfassender Berichterstattung, die in der wachsenden Stadt auf starkes Interesse stößt. Ab März 1888 erscheint der „Stadt-Anzeiger“ zweimal täglich mit einer Morgen- und einer Abendausgabe, die den Abonnenten gegen Gebühr ins Haus geliefert wird. 1893 liegt die Auflage  bereits bei 44.500 Exemplaren. Das Verlagshaus an der Breite Straße wird 1906 durch einen repräsentativen Neubau ersetzt. Am 19. Februar 1923 wird das Blatt mit der Umbenennung von „Stadt-Anzeiger zur Kölnischen Zeitung“ in „Stadt-Anzeiger für Köln und Umgebung“ endgültig in die Selbstständigkeit entlassen. Zu diesem Zeitpunkt ist der redaktionelle und inhaltliche Wandel zu einer kompletten Tageszeitung längst vollzogen.

Mit Hitlers Machtergreifung 1933 werden die deutschen Tageszeitungen schrittweise „gleichgeschaltet“ und der umfassenden Kontrolle durch den NS-Staat unterworfen. Die bürglich-liberalen Blätter „Kölnische Zeitung“ und „Stadt-Anzeiger“ sind den Nationalsozialisten schon lange ein Dorn im Auge. Bereits 1932 sind uniformierte Sturmtrupps der SA vor dem Pressehaus aufmarschiert. Nun muss jeder Artikel der Zensur vorgelegt werden. Täglich kommen detaillierte Anweisungen aus Berlin, welche Themen in welcher Form behandelt und kommentiert werden müssen.

In den Bombenangriffen des Zweiten Weltkriegs wird das Verlagshaus stark zerstört. Der Betrieb kann nur mit Mühe aufrechterhalten werden, ein Großteil der Produktion wird nach Siegen, Lüdenscheid und Gummersbach verlagert. Am 6. März 1945 besetzen US-Soldaten das Kölner Pressehaus. Schon am 9. März wird die letzte noch funktionsfähige Rotationsmaschine wieder angeworfen. Im Auftrag der Amerikaner druckt man Plakate, Fragebögen und Ausweise.

Nach dem Krieg darf der „Stadt-Anzeiger“ erst 1949 wieder erscheinen

Nach Kriegsende werden die „Kölnische Zeitung“ und der „Stadt-Anzeiger“ von den Alliierten verboten – wie alle deutschen Zeitungen, die während der Schreckensherrschaft der Nazis erschienen sind. Der Verlegerfamilie Neven DuMont wird es von der britischen Besatzungsmacht untersagt, Zeitungen herauszugeben. Erst nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland wird der Lizenzzwang aufgehoben. In der Folge feiert der „Kölner Stadt-Anzeiger“ nach vier Jahren Zwangspause seine Wiedergeburt. Am Samstag, 29. Oktober 1949, erscheint die erste Nachkriegsausgabe. Die Auflage beträgt anfangs rund 70.000 Exemplare.

Der Verleger Alfred Neven DuMont im Jahr 2012.

Der Verleger Alfred Neven DuMont im Jahr 2012.

Der Absatz wächst rasant, schon 1952 werden an der Breite Straße mehr als 120.000 Zeitungen gedruckt. Doch damit liegt der „Stadt-Anzeiger“ noch immer hinter seinem stärksten Konkurrenten, der „Kölnischen Rundschau“, die dank einer britischen Lizenz bereits ab dem 19. März 1946 in Köln und der Region erscheinen durfte. In dieser Situation ist es Alfred Neven DuMont (1927-2015), Sohn des Verlegers Kurt Neven DuMont, der einen wegweisenden Neustart wagt. Er hat in München Philosophie, Geschichte und Literatur sowie in Chicago Journalismus studiert und ist 1953 mit 26 Jahren in das Familienunternehmen eingetreten. Die zupackende, schnörkellose Art der amerikanischen Presse hat ihn begeistert.

Alfred Neven DuMont setzt eine Verjüngung des Blattes durch

Gegen die Bedenken der älteren Generation im Haus setzt Alfred Neven DuMont 1956 eine optische und inhaltliche Verjüngung des Stadt-Anzeigers durch. Der junge Mitherausgeber versammelt ein Team engagierter Journalisten um sich, verstärkt die Bezirksredaktionen, das Bonner Büro und das Korrespondentennetz. Er holt prominente Gesprächspartner ins Pressehaus an der Breite Straße und setzt sich mit der Redaktion für eine neue deutsche Politik ein – unter anderem für die Aussöhnung mit Polen.

Das Pressehaus von M. DuMont Schauberg an der Breite Straße 1989.

Das Pressehaus von M. DuMont Schauberg an der Breite Straße im Jahr 1989.

Der Erfolg lässt nicht lange auf sich warten, der „Stadt-Anzeiger“ wird zur führenden Zeitung der Stadt und gewinnt im Umland immer mehr Abonnenten. In den 1960er-Jahren durchbricht die Auflage die Marke von 200.000 Exemplaren und wächst danach stetig weiter. 1964 bringt Alfred Neven DuMont mit dem „Express“ eine eigene Boulevardzeitung auf den Markt, die im Rheinland schnell die Spitzenposition erobert. 1982 übernimmt M. DuMont Schauberg einen 20-Prozent-Anteil an der „Kölnischen Rundschau“ – Beginn einer jahrzehntelangen Partnerschaft.

1998 erfolgt der Umzug in das neue Verlagshaus in Niehl

Nach der Wende wird der Verlag in Ostdeutschland aktiv und gibt ab März 1990 in Halle die „Mitteldeutsche Zeitung“ heraus. 1998 verlässt M. DuMont Schauberg nach 151 Jahren seinen Firmensitz an der Breite Straße und zieht in das neue Verlagshaus an der Amsterdamer Straße in Niehl. Ein Jahr später übernimmt DuMont die Verlags- und Titelrechte der „Kölnischen Rundschau“. Ab 2006 nimmt der Verlag den überregionalen Zeitungsmarkt in den Blick – mit Engagements bei „Frankfurter Rundschau“, „Berliner Zeitung“, „Berliner Kurier“ und „Hamburger Morgenpost“ sowie der israelischen Zeitung „Haaretz“. Der einst staatliche Bundesanzeiger-Verlag wird vollständig übernommen.

2014 richtet sich die DuMont-Mediengruppe neu aus. Der Fokus liegt seitdem auf drei Geschäftsfeldern: Regionalmedien, Business Information und Marketing Technology. Es wird gezielt in digitale Wachstumsbereiche und neue Unternehmen investiert. Der Verlag bündelt die Redaktionen von „Kölner Stadt-Anzeiger“ und „Express“ in einem gemeinsamen Newsroom und erweitert seine Online-Angebote. Mit Blick auf zunehmende Digitalisierung und hohen Kostendruck beschließt das Unternehmen 2023, die hauseigene Druckerei zu schließen und den Druck der Zeitungen an den Mittelrhein-Verlag in Koblenz zu vergeben. Die Regionalmedien sind heute unter der Dachmarke KStA Medien vereint. Damit rückt der traditionsreiche „Kölner Stadt-Anzeiger“ als Namensgeber in den Fokus, um den digitalen Wandel des Verlagshauses zu unterstreichen.

Das „Neven DuMont Haus“ in Köln-Niehl.

Das „Neven DuMont Haus“ an der Amsterdamer Straße in Niehl.

Als Familienunternehmen in zwölfter Generation wird die DuMont-Gruppe von den Vorständen Christoph Bauer, Oliver Eckert und Sandra Vollmer geführt. Als Vertreter der Eigentümer leitet Christian DuMont Schütte den Aufsichtsrat, seine Stellvertreterin ist Isabella Neven DuMont. In seiner 150-jährigen Geschichte hat der „Kölner Stadt-Anzeiger“ als eine der führenden Regionalzeitungen in NRW den Menschen in Köln und der Region unzählige Geschichten jeder Couleur aus ihrer Stadt erzählt und war immer am Puls der Zeit. Seine Journalisten haben das lokale Geschehen stets genau im Blick behalten, Missstände angeprangert und Debatten angestoßen. Für die Serie „100 Ideen für Köln“ zur Kommunalwahl 2025 wurde der „Kölner Stadt-Anzeiger“ in diesem Jahr mit dem ersten Platz des Deutschen Lokaljournalistenpreises der Konrad-Adenauer-Stiftung geehrt. Eine schöne Würdigung der Arbeit der Redaktion – genau 150 Jahre, nachdem Adenauer und der „Kölner Stadt-Anzeiger“ geboren wurden.