Die vergangenen 150 Jahre erzählen nicht nur von technischer und gesellschaftlicher Veränderung, sondern auch von einem Auftrag, der bis heute Bestand hat, so Oliver Eckert, CEO Kölner Stadt-Anzeiger Medien.
CEO der KStA-MedienOliver Eckert: „Mit 150 Jahren Erfahrung gestalten wir die Zukunft“

Oliver Eckert ist CEO Kölner Stadt-Anzeiger Medien und COO DuMont.
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150 Jahre „Kölner Stadt-Anzeiger“ – das klingt nach Tradition, erzählt aber vor allem von Veränderung. Denn keine Zeitung wird 150 Jahre alt, wenn sie stehen bleibt. Sie bleibt jung, indem sie sich immer wieder wandelt, ohne ihren Auftrag aus den Augen zu verlieren.
Schon die Gründung war eine Antwort auf den Wandel. Köln wuchs, Handel und Gewerbe blühten, und kleine Unternehmen suchten einen günstigen Weg zu ihren Kunden. Deshalb erschien der „Stadt-Anzeiger“ am 14. November 1876 erstmals als kostenlose Beilage der Kölnischen Zeitung. Mit preiswerten Anzeigen brachte er Unternehmen und Kunden zusammen. Der „Stadt-Anzeiger“ war ein Netzwerk, lange bevor das Wort digital klang.
Aus der Anzeigenbeilage wurde eine der wichtigsten publizistischen Stimmen des Landes. Seither hat sich fast alles verändert: vom Satzsaal zum digitalen Newsroom, vom Papier zum Smartphone, von einer Ausgabe am Tag zu Nachrichten rund um die Uhr. Geblieben ist der Auftrag: Wir berichten, erklären und ordnen ein. Wir kontrollieren die Mächtigen, decken Missstände auf und geben den Menschen in unserer Region eine Stimme.
Redaktion diskutierte mit ihren Lesern „100 Ideen für Köln“
Doch guter Journalismus liefert nicht nur Nachrichten. Er geht darüber hinaus und verbindet: Menschen mit Wissen, Menschen mit ihrer Heimat – und Menschen miteinander.
Wie das gelingen kann, haben wir vor der Kommunalwahl 2025 erlebt. Unter dem Titel „100 Ideen für Köln“ fragte unsere Redaktion, was in Köln besser werden sollte. Tausende Leserinnen und Leser antworteten mit ihren Vorschlägen. Die Redaktion prüfte und ordnete die Ideen, recherchierte ihre Hintergründe und stellte sie zur Diskussion. Beim Finale auf dem KD-Schiff RheinMagie trafen die Kandidatinnen und Kandidaten für das Oberbürgermeisteramt auf mehr als 500 Leserinnen und Leser.
Es war ein Abend voller Optimismus, an dem Köln über seine Zukunft stritt – nicht ins Blaue hinein, sondern auf der Grundlage sorgfältig zusammengestellter Vorschläge. Dass die Serie mit dem Deutschen Lokaljournalistenpreis ausgezeichnet wurde, freut uns. Wichtiger aber ist, was sie zeigt: Aus Information kann Orientierung entstehen, aus Recherche ein Gespräch und aus einem Thema Beteiligung.
Eine lebendige Gesellschaft braucht Unterschiede, Widerspruch und Streit
Dass Journalismus so wirken kann, wird immer wichtiger. Denn unsere Welt hat sich grundlegend verändert. Informationen gibt es heute im Überfluss; jeder kann jederzeit Texte, Bilder und Meinungen verbreiten. Schwerer geworden ist etwas anderes: sich darüber zu verständigen, was stimmt, was wichtig ist und was uns gemeinsam betrifft.
In sozialen Netzwerken sorgen Algorithmen häufig dafür, dass Menschen vor allem Inhalte und Meinungen sehen, die ihre eigenen Ansichten bestätigen. Andere Erfahrungen und Perspektiven geraten dadurch leichter aus dem Blick. Eine lebendige Gesellschaft braucht jedoch Unterschiede, Widerspruch und Streit. Und sie braucht Orte, an denen dieser Streit auf der Grundlage verlässlicher Fakten geführt wird.
Ein solcher Ort ist der „Kölner Stadt-Anzeiger“, der Abend auf dem Rhein hat es gezeigt. Was vor der Kommunalwahl gelungen ist, wollen wir künftig auf weitere Themen übertragen. Eine Auswahl aktueller Veranstaltungen der Kölner Stadt-Anzeiger Medien – Lesungen, Podiumsdiskussionen, Medizintalks und vieles mehr – finden Sie in dieser Ausgabe und immer aktuell unter ksta.de/events
Diese Abende sind keine bloße Zugabe zum Journalismus, sondern seine Fortsetzung vor Publikum. Sie machen Journalismus partizipativ und beziehen Leserinnen und Leser genauso ein wie Politiker, Unternehmer, Experten und Kulturschaffende.
Unsere Herkunft bleibt lebendig, wenn aus ihr immer wieder Zukunft entsteht.
Deshalb verteidigen wir nicht eine bestimmte Form von Journalismus, sondern seinen Auftrag. So verstehen wir unsere Aufgabe für die kommenden Jahre: Es geht um verlässliche Information, um Orientierung und Verbindung. Ganz unabhängig davon, ob in der Zeitung, auf dem Smartphone oder bei Veranstaltungen. Damit führen wir einen Gedanken weiter, der schon am Anfang unserer Geschichte stand. Damals brachte der „Stadt-Anzeiger“ Unternehmen und Kunden zusammen. Heute verbinden wir Menschen. Und zwar nicht mehr nur mit Informationen, sondern auch mit ihrer Heimat und viel stärker als bisher auch miteinander.
Dass dieser Auftrag seit 150 Jahren immer wieder neu mit Leben gefüllt wird, verdanken wir den vielen Kolleginnen und Kollegen, die jeden Tag mit großer Leidenschaft daran arbeiten, den „Kölner Stadt-Anzeiger“, die „Kölnische Rundschau“ (die in diesem Jahr ihren 80. Geburtstag feiert) und den „Express“ neu zu erstellen, gedruckt und digital.
Bei all dem helfen uns 150 Jahre Erfahrung – solange sie uns nicht bequem machen. Wir wissen, woher wir kommen. Gerade deshalb können wir mutig entscheiden, wohin wir gehen.
Der Philosoph Odo Marquard hat es in drei Worte gefasst: „Zukunft braucht Herkunft.“ Unsere Herkunft bleibt lebendig, wenn aus ihr immer wieder Zukunft entsteht.
Oliver Eckert ist CEO Kölner Stadt-Anzeiger Medien und COO DuMont.