Die begehrten Musikpreise wurden in mehr als 90 Kategorien vergeben. Für Gesprächsstoff sorgte Trumps Einwanderungspolitik.
„ICE raus!“Grammy-Stars werden politisch – Trump stänkert zurück

Bad Bunny nimmt den Preis für das Album des Jahres für „Debi Tirar Mas Fotos“ während der 68. Grammy Awards entgegen.
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Die Grammys zeigten sich 2026 politisch: Mehrere Künstler nutzten ihre Bekanntheit, um gegen die US-Einwanderungspolitik und andere staatliche Maßnahmen zu protestieren und zu kollektivem Widerstand und Solidarität aufzurufen. Für besondere Aufmerksamkeit sorgte dabei Bad Bunny.
Der US-Rapper gewann mit „DeBÍ TiRAR MáS FOToS“ den Grammy für das beste Album. Damit schrieb er Geschichte: Bei der Gala in Los Angeles wurde in dieser besonders bedeutenden Kategorie erstmals ein Album ausgezeichnet, dessen Songtexte komplett auf Spanisch sind. Der aus Puerto Rico stammende 31 Jahre alte Sänger tritt am kommenden Wochenende auch bei der Halbzeitshow des Super Bowl auf.
Auf „DeBÍ TiRAR MáS FOToS“ mischt Bad Bunny moderne Beats mit traditionellen puerto-ricanischen Musikstilen. Das Album ist eine Hommage an seine Heimat Puerto Rico, es geht um Themen wie kulturelle Identität oder Kolonialismus. Es ist sein sechstes Solo-Studioalbum, mit dem er in den USA und mehreren anderen Ländern auf Platz eins der Charts gelandet ist.
Bad Bunny wird bei den Grammys politisch
Der 31-Jährige, der bei den Grammys mehrfach ausgezeichnet wurde, wurde in seiner Rede politisch: Er kritisierte auf der Bühne die US-Einwanderungsbehörde ICE. „Bevor ich Gott danke, sage ich: ICE raus!“, so der 31-Jährige. Die Gäste im Saal reagierten mit Standing Ovations, Jubel und langem Applaus.
„Wir sind keine Wilden, wir sind keine Tiere, wir sind keine Außerirdischen, wir sind Menschen, und wir sind Amerikaner“, fuhr er fort. Der Puertoricaner hatte schon zuvor Kritik an Abschiebungen und Razzien geübt und angekündigt, aus Sorge vor ICE-Einsätzen im Rahmen seiner Welttournee vorerst keine Konzerte in den USA zu spielen.
„Das Einzige, was stärker ist als Hass, ist Liebe“, sagte er auf der Bühne. „Deshalb müssen wir anders sein. Wenn wir kämpfen, müssen wir es mit Liebe tun. Wir hassen sie nicht. Wir lieben unser Volk.“ Bad Bunny hatte Tränen in den Augen, als er die Auszeichnung all den Menschen widmete, „die ihre Heimat, ihr Land verlassen mussten, um ihren Träumen zu folgen“.
Billie Eilish, die mit ihrem Bruder Finneas O'Connell für „Wildflower“ mit dem „Song des Jahres“ ausgezeichnet wurde, sprach sich für Einwanderer aus. „Niemand ist illegal auf gestohlenem Land. Wir müssen weiterkämpfen und unsere Stimme erheben. Unsere Stimmen zählen“, so die 24-Jährige.
Auch Musikerinnen wie Kehlani und Gloria Estefan drückten ihren Protest aus, während mehrere Stars auf dem roten Teppich Anstecker mit der Aufschrift „Ice out“ trugen.
Als bester Nachwuchsstar wurde die Britin Olivia Dean ausgezeichnet. Sie sagte: „Ich stehe hier als Enkelin einer Einwandererin, ich bin das Resultat von Mut, und ich denke, diese Menschen verdienen es, gefeiert zu werden.“ Deans Großmutter stammt aus Jamaika.
Trevor Noah macht bösen Gag zulasten von Trump
Besonders scharf kritisierte Moderator Trevor Noah Donald Trumps Politik. Er nahm Bezug auf die Affäre um Sexualstraftäter Jeffrey Epstein und stellte einen Bezug zu Trump her. Noah sagte, Trump wolle Grönland, denn: „nachdem Epsteins Insel weg ist, braucht er eine neue, um mit Bill Clinton abzuhängen“.
Der superreiche Finanzunternehmer Jeffrey Epstein hatte ein Netzwerk zur sexuellen Ausbeutung Minderjähriger aufgebaut, bei dem auch seine Privatinsel Little Saint James in der Karibik eine Rolle. Epstein starb 2019 in Haft, bevor es zu einer möglichen weiteren Verurteilung hätte kommen können.
Der südafrikanische Comedian sparte nicht an weiteren Seitenhieben auf Trump. So machte er sich über Trump-Unterstützerin Nicki Minaj lustig. Minaj sei nicht bei der Veranstaltung, sagte Noah weiter. Sie sei im Weißen Haus und unterhalte sich mit dem US-Präsidenten über „wirklich wichtige Dinge“ – zum Beispiel darüber, wer den größeren Hintern habe.
Donald Trump schießt gegen die Grammys und Moderator Noah
Die Reaktion des US-Präsidenten auf die Grammy-Gala ließ nicht lange auf sich warten. Besonders die angebliche Verbindung zu Epstein, die Noah herstellte, traf offenbar einen wunden Punkt. Trump pflegte in der Vergangenheit einen vertrauten Umgang mit dem Finanzmanager, beendete nach eigenen Angaben die Freundschaft vor Bekanntwerden der Vorwürfe gegen Epstein.
Trump polterte auf seiner Plattform Truth Social gegen die Grammys, gegen den übertragenden Sender CBS und vor allem gegen Trevor Noah.
Die Grammy-Verleihung sei „Müll“ und „praktisch nicht anschaubar“, schrieb Trump. Den südafrikanischen Comedian, der die Gala zum sechsten und letzten Mal moderiert hatte, bezeichnete Trump als „totalen Verlierer“, der kein Talent habe. Zudem drohte er ihm mit einer Klage.
Noahs Äußerungen und Trumps Reaktion erfolgten kurz nach der Veröffentlichung geschwärzter Jeffrey-Epstein-Akten, in denen Trumps Name mehrfach erwähnt wurde.
Die Grammys, die zu den begehrtesten Musikpreisen der Welt gehören, wurden in diesem Jahr zum 68. Mal verliehen.
Die Grammy-Gewinner in den wichtigsten Sparten
„Album des Jahres“: Bad Bunny für „DeBÍ TiRAR MáS FOToS“
„Song des Jahres“: Billie Eilish und Finneas O'Connell für „Wildflower“
„Aufnahme des Jahres“: Kendrick Lamar und SZA für „luther“
„Beste neue Künstlerin“: Olivia Dean
„Beste Pop Solo Performance“: Lola Young für „Messy“
„Beste Pop Duo Performance“: Cynthia Erivo & Ariana Grande für „Defying Gravity“
„Beste Dance/ Electronic-Aufnahme“: Tame Impala für „End of Summer“
„Bestes Dance/ Electronic-Album“: FKA Twigs für „Eusexua“
„Beste Dance Pop Aufnahme“: Lady Gaga für „Abracadabra“
„Bestes Rock Album“: Turnstile für „Never Enough“
„Bester Rap-Song“: Kendrick Lamar und Lefty Gunplay für „tv off“
„Beste Aufnahme für Hörbuch, Erzählung und Storytelling“: Dalai Lama für „Meditations: The Reflections of His Holiness the Dalai Lama“
„Bestes Rap-Album“: Kendrick Lamar für „GNX“
„Bestes Música Urbana Album“: Bad Bunny für „DeBÍ TiRAR MáS FOToS“
„Bestes Contemporary Country Album“: Jelly Roll für „Beautifully Broken“
„Bestes Traditional Country Album“: Zach Top für „Ain't In It For My Health“
„Bestes Pop Vocal Album“: Lady Gaga für „MAYHEM“ (mit dpa)

