Morgens ist es im Garten nahezu paradiesisch. Der Lärm der Stadt ist fern, Vögel zwitschern, der Rasen ist nass von Tau. Langsam wärmt die Sonne den Boden. Beim Rundgang durch den Garten bin ich immer noch begeistert von allem Neuen, das es zu entdecken gibt. Überall sprießt und blüht es.
Funkien kommen als spitz zusammengerollte Blätter aus der Erde. Daneben wachsen Pflanzen mit dunkelrotem Laub – ob es Bronze-Felberich ist, wie ich vermute, werde ich sehen wenn sie blühen. Ein kleines Tränendes Herz steht im Beet, daneben eine Tiarella, Schaumblüte. Wiesenschaumkraut wächst unter einer Rose zwischen dem Bärlauch, der sich hier ausbreitet und jetzt weiße Blüten trägt. Hier und da öffnen sich noch letzte Tulpen, es gibt eine Gruppe dunkelvioletter und eine gefüllte weißlich-rosafarbene. Auch die Obstbäume sind über und über voller Blüten. Noch nie habe ich gesehen, dass die Blütenblätter von Quitten leicht ineinander verdreht sind, ehe sie sich öffnen.
Unkraut sprießt
Doch gibt es nicht nur angenehme Überraschungen. Nach Giersch und Ackerschachtelhalm habe ich nun auch die Ackerwinde entdeckt. Kleine Triebe sprießen mitten im Gemüsebeet. Sie sehen harmlos aus, doch zwei Versuche, sie auszugraben zeigen, dass das beinahe unmöglich ist. Ein halber Meter Wurzel lässt sich freilegen, dann reißt sie tief in der Erde ab. Auch der Ackerschachtelhalm kommt an den unmöglichsten Stellen, zum Beispiel mitten in der Erbsen-Reihe. Wo es geht, grabe ich die Sprossen samt Wurzelstück aus, zwischen den Erbsen müssen sie nun erstmal stehenbleiben.
Im Gemüsebeet
Das Gemüsebeet ist nun fast fertig eingesät, Möhren, Mangold und Rote Bete keimen bereits. Lediglich mit den Stangen- und Buschbohnen warte ich noch bis in die zweite Maihälfte. Ein licht- und luftdurchlässiges Vlies hat geholfen, die Saat in den ersten Wochen gegen Vögel zu schützen. Wo ich es entfernt habe, finde ich Anfänge einer kleinen Wildnis vor. Zwischen den Gemüsereihen sprießen Ringelblumen, Gras und unbekannte Kräuter. Jetzt steht Jäten an.
Auf einem Jungpflanzenmarkt habe ich ein paar Petersilienpflanzen gekauft, die kommen in die Petersilienreihe für den Fall, dass die Saat – wie so oft bei dem Kraut – nicht gut aufgeht. Auch Stangensellerie und einen Amaranth habe ich erstanden, doch dafür reicht der Platz im ersten Beet schon gar nicht mehr. Also lege ich ein Stück des zweiten Gemüsebeetes frei, mit dem ich mir erst einmal Zeit lassen wollte. Zitronenmelisse, Frauenmantel und Seggen mit pinselähnlichen Blüten wachsen dort sowie einige Stauden, die ich aus dem alten Garten mitgebracht habe: eine rote Fetthenne, Wiesenknöpfe, Chinaschilf. Auch Kürbisse und Zucchini, die ich zu Hause vorziehe, sollen bald hier hin. Sie kommen dann in die Schneckenschutz-Ringe, die sich im vergangenen Jahr einigermaßen bewährt haben. Gegen Kaninchen ist das Beet allerdings nicht geschützt.

