Wer antike Möbel kaufen will, trifft derzeit auf günstige Bedingungen. Ältere Besitzer verschlanken ihr Eigentum, Erben wollen sich nicht mehr vollends biedermeierlich einrichten wie es ihre Eltern noch taten. Ein klassizistischer Schreibtisch neben einem Klassiker der Moderne – das liegt eher im Zeitgeist. Das Angebot an antiken Möbel steigt also, die Preise sinken. Einsteigern wird geraten, sich gründlich mit der Materie auseinanderzusetzen. Dazu gehört, den Blick für antike Möbel zu schulen. Dafür bietet sich etwa das Museum für Angewandte Kunst Köln (Makk) an. Möbel aus der Gotik bis zur Gegenwart werden hier gezeigt. „Um ein Möbel detailliert zu analysieren und zeitlich zu bestimmen, bedarf es aber ausgewiesener Experten“, gibt Werner Nett, Leiter der Restaurierungswerkstätten im Makk, zu bedenken. Es gebe schließlich viele Tücken, etwa die konservative Arbeitsweise der Zünfte: Es gab eine Zeit, in der angehenden Meistern in Berlin 200 Jahre lang vorschrieben wurde, dasselbe Möbel zu bauen. „Deshalb findet man Chinoiserien auf Schreibtischen vom Ende des 18. Jahrhunderts, obwohl sie schon längst aus der Mode waren.“ Ein solches Stück ist in der ständigen Ausstellung zu sehen, durch die der 55-Jährige gelegentlich führt. Dennoch: Hier finden sich eine Vielzahl Möbel, die typische Stilmerkmale aufweisen. Wir haben Schränke aus der Schau ausgesucht, die vergleichsweise eindeutig eine jeweilige Epoche repräsentieren. (ihe)
Renaissance
Der Überbauschrank aus dem Rheinland ist ein typisches Möbel aus dem 17. Jahrhundert: Im Vordergrund steht die Architektur, erkennbar am tempelähnlichen Aufbau, den ionischen Säulen und den Gebälk tragenden Mädchen. Thematisiert werden die Evangelisten, ebenfalls ein beliebtes Motiv der Renaissance. Die geschwungenen Ornamente signalisieren bereits den Übergang zum Barock.
Barock
„Schapp“ ist das niederdeutsche Wort für Schrank. Er wurde um 1700 gebaut. Das Neue war seine Zerlegbarkeit. Acht Kunstpacker waren notwendig, um den „Hamburger Schapp“ im Museum aufzubauen. Im Vergleich zur Renaissance ist die Front flacher. Typisch für die Zeit war die Bastionsfüllung auf den Türen. Sie erinnern in ihrer Form an Wehranlagen. Auch die ausgeprägten Ranken sind für den Barock prägend.
Rokoko
Der Schreibschrank (Ende 18. Jahrhundert) stammt aus Mainz und ist ein Meisterstück. Die Front ist noch flacher und zarter gestaltet, das ganze Möbel ist geschwungen. Gerade für die ausschweifende Verzierung ist die Epoche bekannt (Rokoko von französisch rocaille: Muschelwerk). Tendenziell werden die Möbel kleiner und auf den Nutzer abgestimmt. Die Architektur spielt fast gar keine Rolle mehr.
Empire
Streng, feierlich, edel: Das sind die Merkmale, die dem Empire zugeschrieben werden, anzusiedeln in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Der Stil ordnet sich dem Klassizismus unter, der die Antike zitiert. Häufig verwendetes Material ist Mahagoni. Ebenfalls typisch sind glatte Flächen und der Einsatz vergoldeter Bronze. Der Schreibtisch stammt aus der Roentgen-Werkstatt, einer der bekanntesten dieser Zeit.
Jugendstil
Der Schrank (Ende 19. Jahrhundert) von Gustave Serrurier-Bovy vereint bekannte Elemente des Jugendstils, hier vor allem die florale Ornamentik. Bemerkenswert ist die Rückwand aus geprägtem Vogelauenahorn. Allen Strömungen des Jugendstils gemein war die Abkehr vom Historismus und die Suche nach einer eigenen Formsprache. Kunst, Kunstgewerbe und Funktionalität sollten zusammengeführt werden.
