Ausflüge rund um KölnFünf Museen zeigen unsere Geschichte

Sarkophagdeckel
Copyright: Neanderthal Museum Mettmann Lizenz
Manchmal besteht Erholung vor allem darin, sich Zeit zu nehmen. Zum Beispiel für das ausgeruhte Betrachten einer Ausstellung. Oder einfach dafür, sich mit der Geschichte auseinanderzusetzen. Überall in Nordrhein-Westfalen sind Spuren der Geschichte zu finden: Sie reichen von den ersten Schritten der Neandertaler bis hin zu einer Zeit, als die Region an Rhein und Ruhr Waffenschmiede für den Ersten Weltkrieg wurde. Doch auch die Zukunft war seit je her ein Thema, das nicht nur Filmemacher des vergangenen Jahrhunderts beschäftigte.
1. Düsseldorf – Quadriennale
„Über das Morgen hinaus“ ist das Thema der diesjährigen Quadriennale in Düsseldorf, die noch bis zum 10. August läuft – und bietet die Gelegenheit, sich mit der Zukunft zu beschäftigen. Auf dem Festival sind Besucher in insgesamt 13 Museen und Ausstellungen in Düsseldorf eingeladen, über die Welt von morgen nachzudenken. Auch kulturgeschichtlich werden die Zukunfts-Vorstellungen der Menschen gezeigt. Nicht nur wie Künstler sich das Morgen heute und früher ausgemalt haben, sondern auch, welche Materialien und welche Darstellungsformen dabei von Bedeutung sind und waren, spielt auf dem Festival eine Rolle. Beteiligt ist zum Beispiel auch das Filmmuseum Düsseldorf, das mit der Ausstellung „Visionen und Alpträume“ die Stadt der Zukunft im Film zeigt – über 100 Jahre hinweg wird verfolgt, wie sich der Blick in die Zukunft auf der Kinoleinwand veränderte.
Tipp: Für Jugendliche ab 15 Jahren gibt es im Filmmuseum einen Workshop, in dem ein experimenteller Kurzspielfilm gedreht wird, mit vollständig selbst entwickelter Story. Die nächsten Workshops:www.duesseldorf.de/filmmuseumwww.quadriennale-duesseldorf.de
2. Neandertal – Reise in die Unsterblichkeit
Im Neanderthal Museum in Mettmann werden nicht nur die ersten Schritte des Mitteleuropäers dokumentiert. Es gibt auch Erlebnisführungen wie zum Beispiel eine spannende Steinzeitreise mit dem Museumsteam. Dabei können sich die Besucher im Bogenschießen im Museumsgarten ausprobieren und lernen, wie die Neandertaler Feuer machten. Neu ist die unterhaltsame Führung „Mit dem Wischmopp durch die Steinzeit“: Putzfrau Inge Kopelke hat es nicht so mit der Wissenschaft und erklärt die Genetik anschaulich mit Hilfe von Putzlappen.
Tipp: Speziell für Familien und Kinder bietet das Museum während der Sommerferien Kinderführungen und Workshops an. Wer Geschichte lieber an der frischen Luft erleben möchte, für den bieten sich Führungen im Neandertal an. Es geht zum Fundort des Neandertalers, über den Kunstweg „Menschenspuren“ oder rund um das eiszeitliche Wildgehege. Weitere Informationen unter www.neanderthal.de
3. Essen – Kohle, Kumpel, Krieg
In Räumen der alten Kokerei Zollverein – mit ihren riesigen Hallen und nackten Betonwänden schon sinnbildlich sehr passend – richtet die Ausstellung „1914 – Mitten in Europa“ anlässlich des hundertsten Jahrestags seines Ausbruchs den Blick auf die Zeit des Ersten Weltkriegs. Gesellschaftliche Umwälzungen und Modernisierungsschübe in der für den Krieg so wichtigen hoch industrialisierten Region an Rhein und Ruhr sind Thema. Auf den drei Ebenen des ehemaligen Kohlespeichers sind mehr als 2500 Exponate, vor allem aus den Sammlungen des LVR-Industriemuseums und des Ruhr Museums, aber auch von Leihgebern aus anderen Ländern zu sehen. Und die Spannbreite der Ausstellungsstücke ist groß: Sie reicht von künstlerischen, wissenschaftlichen und technischen Errungenschaften über Rüstungsprodukte und Propagandastücke bis zu ganz persönlichen Zeugnissen von beteiligten Personen.
Tipp: Rund um das Verbundprojekt „1914 – Mitten in Europa“ gibt es zahlreiche Führungen, Audioguides, Vorträge, Lesungen, Filmabende und Exkursionen – auch in anderen Museen und Ausstellungen. Der Erste Weltkrieg lässt sich so aus unterschiedlichsten Blickwinkeln betrachten.www.rheinland1914.lvr.de
4. Zülpich – Antike Aquädukte
Auch nach fast 2000 Jahren sind diese römischen Bauwerke in ihrer technischen Perfektion beeindruckend. Doch zu römischen Zeiten war die 100 Kilometer lange Wasserleitung noch eine absolute Notwendigkeit, um Köln mit Eifelwasser zu versorgen. Auch nach heutigen Maßstäben eine Meisterleistung der antiken Ingenieure. Mit einer Versorgungsmenge von 20 Millionen Litern pro Tag stand den Einwohnern des römischen Köln pro Kopf zehnmal mehr Trinkwasser zur Verfügung als den heutigen Bewohnern der Domstadt. Das Museum für Badekultur in Zülpich widmet den antiken Aquädukten bis zum 12. Oktober eine ganze Ausstellung. Unter der Überschrift „Wasser für Roms Städte“ gibt sie mithilfe von Modellen und Originalfundstücken Einblicke in die Geheimnisse der Baukunst. Anlässlich der Landesgartenschau in Zülpich öffnet das Museum auch montags.
Tipp: Das Thema „Wassernutzung bei den Römern“ findet sich übrigens auch unabhängig von der Sonderausstellung ganzjährig in Zülpich (im antiken Tolbiacum) wieder: Herzstück sind originale römische Thermen aus dem 2. Jahrhundert, die besterhaltenen ihrer Art nördlich der Alpen. www.roemerthermen-zuelpich.de
5. Oberhausen – Der schöne Schein
Schönheit muss nicht immer strahlend und prachtvoll sein. Sie kann sich auch im Bösen, Dunklen oder Katastrophalen wiederfinden. In der Ausstellung „Der Schöne Schein“ im Gasometer in Oberhausen wird gezeigt, wie viele Gesichter sie haben kann – von der zeitlosen Schönheit der Nofretete bis zur Schönheit der Natur bei den Bildern der Romantik von Caspar David Friedrich. Durch Jahrtausende hindurch haben Künstler aller Epochen die Vielfalt der Schönheit in Bildern und Skulpturen sichtbar gemacht. Oder nach ihr gesucht. Bedeutende Werke, von der Antike bis Picasso, bringt die Ausstellung an einem Ort zusammen – mehr als 150 großformatige Fotografien und originalgetreue Abgüsse lassen die Besucher entdecken, wie ihr persönliches Schönheitsempfinden reagiert. Die Ausstellung ist dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr zu sehen, an Feiertagen und während der Ferien in Nordrhein-Westfalen zusätzlich montags ebenfalls von 10 bis 18 Uhr.
Tipp: Wer sich für das eindrucksvolle Gebäude des Gasometers interessiert, für den bietet sich die Lichtinstallation „320˚“ an. Die Bremer Künstlergruppe Urbanscreen projiziert grafische Bilder auf die 100 Meter hohen Innenwände. Mit fast 20 000 Quadratmetern bespielter Fläche gehört die Installation zu den größten und anspruchsvollsten Innenraumprojektionen weltweit. www.gasometer.de

