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„Kleine Fluchten“Auf bezaubernde Art beschaulich

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Vom Bastionsturm der Burg Blankenburg hat man eine herrliche Aussicht ins Siegtal.

Hennef – Schon auf dem Weg von der S-Bahn-Haltestelle Stadt Blankenberg zieht die mächtige Ruine die Blicke auf sich. Hoch thront sie auf dem steilen Felssporn über der Sieg. Dabei sind es nur die Überreste einer einstmals stolzen Höhenburganlage, einer der größten im Rheinland. Im Machtvakuum zwischen den Grafen von Berg und den Siegburger Benediktinern schufen die Grafen von Sayn im 12. und 13. Jahrhundert hier ihre eigene Landesherrlichkeit. Doch vor dem Besuch gilt es, den Hang zu ersteigen. Dank der Regionale 2010 gibt es einen gut ausgebauten Wanderweg.

Wo Bäume Schatten spenden, brannte bis Anfang des 20. Jahrhunderts die Sonne auf Weinhänge. Damals waren die Berge noch blank, daher der Name von Burg und Siedlung, die sich noch heute „Stadt“ nennen darf. Der Weinbau hat inzwischen wieder Einzug gehalten. Der Vorsitzende des Heimatvereins, Walter Keuenhof, betreibt seinen Weinberg an der Stadtmauer nahe dem Katharinenturm. Sogar ein Weinbaumuseum gibt es, im Keller des Runenhauses, eines Bürgerhauses aus dem 17. Jahrhundert. Ein sorgfältig ausgeschilderter Weinwanderweg führt vom Kelterhaus im Tal bis zur Baumkelter nahe den alten Befestigungsanlagen.

Zurück zur Burg. Nach dem Anstieg bietet der alte Burghof viele Plätze zum Verweilen. Gerade in diesen Tagen ist der Besuch lohnenswert. Noch bis zum 26. August stellen acht Künstler ihre Skulpturen aus. Herrliche Blicke ins Siegtal über die Siegburger Abtei bis zum Kölner Dom bieten sich von hier oben. Die beste Aussicht hat, wer die engen Stufen zum Bastionsturm hinaufklettert. Auf dem Plateau darunter pflegt ein Freundeskreis unter Leitung einer Diplom-Biologin den Burggarten mit historischen Küchen-, Heil- und Zauberkräutern. Auf dem Weg ins Städtchen geht es vorbei an der Altstadt. Die freie Fläche zwischen Vorburg und Grabenturm ist archäologisch noch nicht erschlossen, aber begehbar.

Schönes Fachwerk

Die Stadtmauer schließt sich daran an, die „Neustadt“ besticht durch schöne Fachwerkbauten. An der Mechthildisstraße liegt das Café Krey mit Panoramaterrasse, vier Restaurants und eine Weinstube wetteifern um die Besucher. Zu empfehlen sind sie alle. Mit der Stadtgründung von Blankenberg durch Mechthildis von Sayn im Jahre 1245 beginnt der Bau von St. Katharinen, der heutigen Pfarrkirche. Nach einem Brand am 20. Februar 1983 wurden die mittelalterlichen Wandmalereien entdeckt und restauriert – ein Ort für ruhige Momente und Kontemplation.

Ein kleines Stück weiter erhebt sich der Katharinenturm, Teil der Stadtbefestigung. Auf vier Etagen ist seit 1936 das Turmmuseum untergebracht, heute eine Sammlung der Heimatgeschichte, gerade frisch saniert. Über eine Wendeltreppe geht es nach oben, hier hat sich schon Bundespräsident Theodor Heuss den Kopf blutig geschlagen. Er kam zu Besuch, als sich der Ort den Zusatz „Stadt“ ehrenhalber erkämpft hatte, als Erinnerung an alte Zeiten. Und die sind in dem beschaulichen Flecken über der Sieg allenthalben spürbar.